Die Übermittlung der Wahlergebnisse wurde für die ehrenamtliche Wahlvorstände am Sonntagabend zum Problem. © Oliver Schaper
Kommunalwahl 2020

Wahlhelfer-Ärger: Bis zu 1000 mal vergeblich versucht, Ergebnis zu melden

Erst nach Mitternacht konnte die Stadt Dortmund das Ergebnis der Kommunalwahl mitteilen. Und das lag nicht an zu langsamer Auszählung in den Wahllokalen.

Am Sonntagnachmittag konnte Wahlleiter Norbert Dahmen noch ein zufriedenes Zwischenfazit zum Wahltag ziehen. „Es klappt wie am Schnürchen“, berichtete er. Später im Rathaus zeigte er sich überzeugt, dass die gut 5300 Wahlleiter die Auszählung der Stimmen zur Kommunalwahl „zügig am Abend abwickeln werden“.

Ein paar Stunden später dürfte das Fazit weniger euphorisch ausgefallen sein. Erst nach Mitternacht standen alle vorläufigen Wahlergebnisse fest. Denn vor allem die Übermittlung der Ergebnisse wurde zum Flaschenhals.

Was nicht funktionierte, war die telefonische Übermittlung der so genannten Schnellmeldungen. Die sollte es aus jedem der 386 Wahllokale nach jeder einzelnen Auszählung geben – also für OB-Wahl, Ratswahl, Bezirksvertretung und RVR-Wahl. Doch viele Wahlvorstände wählten sich die Finger wund. „Wir haben bestimmt 100 Mal durchgerufen. Es war immer besetzt“, berichtet die Vorsitzende eines Wahlvorstands aus der Nordstadt. Eine andere Wahlhelferin berichtet gegenüber unserer Redaktion von mehr als 1000 erfolglosen Anruf-Versuchen – die Zahl habe man im Display des Telefons nachvollziehen können.

Bürgerdienst-Leiter Manfred Kruse bestätigte am Montag die Probleme. „An diesem Abend wollten Wahlvorstände aus 386 Wahllokalen fast zeitgleich die Schnellmeldungen durchgeben. Die hohe Anzahl an fast gleichzeitigen Anrufen führte jeweils zu besetzten Leitungen und zahlreichen Wiederholungsanrufen“, berichtete er.

Lange Schlange am Wahlbüro

Insgesamt seien am Sonntagabend in der Zeit von 18 bis 22.15 Uhr insgesamt 79.800 Anrufe für die Schnellmeldungen eingegangen, von denen letztlich 633 angenommen wurden.

Die Wahlhelferin aus der Nordstadt machte sie sich schließlich gegen 21 Uhr mit den Meldebögen auf dem Weg zum städtischen Wahlbüro am Königswall, wo ohnehin die Wahlkoffer mit allen Unterlagen abgeliefert werden mussten. „Da gab es schon eine Warteschlange, die immer länger wurde“, berichtet sie. Fast alle hätten das selbe Anruf-Problem gehabt.

Besserung nötig

Aus der Schlange heraus versuchte sie immer wieder, die angegebene Nummer für die Schnellmeldungen anzurufen und landete schließlich in der städtischen Telefon-Warteschleife. Gegen 21.45 Uhr konnte sie dann die Ergebnisse durchgeben. Ein Mitarbeiter des Wahlbüros habe erzählt, dass man dort „chronisch unterbesetzt“ sei. „Das muss besser werden“, fordert die ehrenamtliche Wahlhelferin mit Blick auf weitere Einsätze – der nächste wäre bereits zur OB-Stichwahl am 27. September.

Auch Manfred Kruse hofft dann auf Besserung. Das Problem sei, dass bei dieser Wahl die Wahlvorstände fast immer zeitgleich mit der Ergebnisermittlung für jede einzelne Wahl fertig gewesen seien und angerufen hätten, um die Schnellmeldungen durchzugeben. „Damit ist bei der Stichwahl bei der telefonischen Durchgabe des Ergebnisses nicht zu rechnen, da es eben nur eine Auszählung gibt“, erklärt Kruse.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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