Die Dortmunder CDU bekommt Kritik von bekannten Mitgliedern. © Oliver Schaper
Kritik aus den eigenen Reihen

Wahlkampf der Dortmunder CDU war „eine kollektive Todessehnsucht“

Nach dem historischen Wahlverlust auch in Dortmund bekommt die CDU harsche Kritik aus den eigenen Reihen. Ein ehemaliger Bürgermeister und ein Ex-Oberbürgermeister-Kandidat teilen aus.

Die CDU in Dortmund ist noch dabei, ihr historisch schlechtestes Wahlergebnis zu verarbeiten, und da gibt es noch mal einen Schlag oben drauf. Und der kommt aus den eigenen Reihen von zwei Kritikern, deren Wort mal in der Partei Gewicht hatte, wenn das auch zumindest in einem Fall schon länger her ist. Beide stoßen bei ihrer Abrechnung mit der CDU in dasselbe Horn.

Der Dortmunder CDU-Vorsitzende Sascha Mader (l.) und die  beiden Bundestagskandidaten Klaus Wegener (Mitte) und Michael Depenbrock (hier am Wahlabend) sehen sich harter Kritik ausgesetzt.
Der Dortmunder CDU-Vorsitzende Sascha Mader (l.) und die beiden Bundestagskandidaten Klaus Wegener (Mitte) und Michael Depenbrock (hier am Wahlabend) sehen sich harter Kritik ausgesetzt. © Daniel Immel © Daniel Immel

Manfred Sauer, bis zur Kommunalwahl im vergangenen Jahr zweiter Bürgermeister von Dortmund und noch immer CDU-Ratsmitglied, ist sichtlich enttäuscht und macht seiner Partei Vorwürfe. „Der SPD kann man nur gratulieren, und es bleibt zu hoffen, dass Herr Peick versteht, warum er im Parlament viel besser aufgehoben ist, als beim Klinikum“, so Sauer in einem Schreiben an diese Redaktion. Er zielt damit auf den gescheiterten Versuch Peicks, Arbeitsdirektor beim Klinikum Dortmund zu werden.

Ex-Bürgermeister Manfred Sauer kritisiert, die CDU habe einen „schmerzhaften Tritt in Richtung Bedeutungslosigkeit erhalten“.
Ex-Bürgermeister Manfred Sauer kritisiert, die CDU habe einen „schmerzhaften Tritt in Richtung Bedeutungslosigkeit erhalten“. © Foto: (A) © Foto: (A)

Nach dieser Einleitung geht es dann gegen die eigene Partei. Die CDU sei keineswegs „mit einem blauen Auge davongekommen“, kontert Sauer den Kommentar des Dortmunder CDU-Vorsitzenden Sascha Mader zur ersten Prognose am Wahlabend. Sie habe vielmehr „einen schmerzhaften Tritt in Richtung Bedeutungslosigkeit erhalten“.

Sauer: „Wen wundert jetzt das Ergebnis?“

Sowohl die Alten als auch die Jungen liefen ihr davon, stellt Sauer fest und glaubt zu wissen, warum: „Was die jungen Wähler angeht, hat der kürzlich stattgefundene Kreisparteitag der CDU deutlich gemacht, dass man hoch qualifizierte junge Delegierte nicht gern im Kreisvorstand sieht. Wen wundert jetzt das Ergebnis?“

Zudem gefalle vielen ehemaligen Dortmunder CDU-Wählern die grün-schwarze Politik nicht mehr, kritisiert Sauer auch die grün-schwarze Projektarbeit im Rat. Der Ex-Bürgermeister hatte schon im Kommunalwahlkampf gegen seine Parteifreunde geschossen und mahnt: „Wenn sich die CDU nicht auf eine moderne, konservative Politik konzentriert, hat sie weder in Dortmund noch in Deutschland eine Zukunft.“

Geers: „Niederlage muss eine Chance für das Neue sein“

Noch deutlicher in seiner Kritik wird Dr. Volker Geers, der sich 1999 in Dortmund einen viel beachteten und polarisierten Oberbürgermeister-Wahlkampf mit Dr. Gerhard Langemeyer (SPD) lieferte („Genossen! Ihr habt eure Chancen gehabt. Wegtreten.“).

Der ehemalige CDU-Oberbürgermeisterkandidat Dr. Volker Geers fordert den Rücktritt des Kreisvorstandes.
Der ehemalige CDU-Oberbürgermeisterkandidat Dr. Volker Geers fordert den Rücktritt des Kreisvorstandes. © Vahlensieck (A) © Vahlensieck (A)

Man könne nicht umhin, die Niederlage der CDU für gerechtfertigt zu halten, so Geers: „Der Wahlkampf der CDU in Dortmund war nicht gekennzeichnet durch ,Kampf‘, sondern durch eine kollektive Todessehnsucht.“ Jetzt müsse die Spitze der CDU vor Ort zurücktreten und Raum für einen Wandel schaffen, fordert Geers: „Die Niederlage muss eine Chance für das Neue sein.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle