Zwei Wege führen in den Bundestag: Die Mehrheit der Erststimmen in einem Wahlkreis oder ein ausreichend hoher Platz auf einer Liste einer Partei. © hoch3media / unsplash.com
Bundestagswahl 2021

Wahlkreis-Prognose: Wer schafft es aus Dortmund in den Bundestag?

Wer holt die beiden Dortmunder Direktmandate? Zumindest in einem Wahlkreis ist das eine hart umkämpfte Frage. Hier gibt es eine wissenschaftlich fundierte Prognose zum Wahlausgang.

Es ist die heiße Phase des Bundestagswahlkampfs – auch für die Kandidaten und Kandidatinnen, die die zwei Direktmandate in Dortmund gewinnen wollen. Für sie geht es um alles oder nichts. Eine detaillierte Prognose erlaubt nun, vorherzusagen, wie ihre Chancen stehen.

Und diese Prognose ist, das muss man so schreiben, sehr eindeutig. Beide Direktmandate werden mit beinahe hundertprozentiger Sicherheit bei der Bundestagswahl am 26.9. an die SPD gehen, Jens Peick (Wahlkreis Dortmund I) und Sabine Poschmann (Wahlkreis Dortmund II) also in den Bundestag einziehen.

100.000 Wahlen simuliert

Zu diesem Ergebnis kommt das Unternehmen election.de, das seit 20 Jahren politische Daten analysiert und Medien und Parteien unabhängig berät, anhand einer Modellrechnung.

„Wir gehen einen Schritt weiter als die normalen Meinungsumfragen“, erklärt Matthias Moehl von election.de. Sein statistisches Modell prognostiziere das voraussichtliche Wählerverhalten am 26. September unter Berücksichtigung verschiedener Umfragen auf Bundes- und Landesebene, historischer Wahlergebnisse und lokaler Besonderheiten.

Auf Basis dieses Modells (und der damit verbundenen Schwankungsbreiten) habe sein Team 100.000 Bundestagswahlen für alle Wahlkreise simuliert. In Dortmund gewinnt die SPD in allen 100.000 Simulationen die Direktmandate.

Marco Bülow wird Erststimmen von der SPD abwerben

Nun mag das in der SPD-Hochburg Dortmund manche wenig überraschen. Zumindest im Wahlkreis Dortmund I wo der ehemalige SPD-Kandidat Marco Bülow nun für „Die Partei“ gegen den neuen SPD-Kandidaten Jens Peick antritt, wurde der Wahlkampf aber gespannt beäugt.

Marco Bülow wird, so die Prognose, immerhin auf 8 Prozent der Erststimmen kommen. Bei der vergangenen Bundestagswahl lief „Die Partei“ noch unter den sonstigen, die gemeinsam auf 2,2 Prozent der Stimmen kamen.

„Marco Bülow wird einige Erststimmen von der SPD mitnehmen“, analysiert Matthias Moehl, aber gerade im Ruhrgebiet sei bei vielen Wählerinnen und Wählern die Bindung an die Partei stärker als an den Direktkandidaten. „Wir hatten schon einige solcher Konstellationen in anderen Wahlkreisen, die auch zugunsten der Partei ausgegangen sind“, sagt Matthias Moehl.

Neben den beiden Direktmandaten haben noch zwei weitere Dortmunder gute Aussichten darauf, in den Bundestag einzuziehen. Markus Kurth von den Grünen und Matthias Helferich von der AfD (beide auch Direktkandidaten) ziehen laut unserer Zweitstimmen-Prognose über die jeweiligen NRW-Landeslisten in den Bundestag ein.

Die vollständige Prognose

Insgesamt bekommen die Direktkandidaten und -kandidatinnen der Parteien im Wahlkreis Dortmund I in der Prognose folgende Anteile der Erststimmen: Jens Peick (SPD) liegt mit 36 Prozent vorn, die SPD verliert aber knapp 3 Prozentpunkte (Ergebnis 2017: 38,8 %). Es folgt Klaus Wegener (CDU) mit 21 Prozent, dessen Partei ebenfalls deutlich an Stimmen verliert (2017: 28,6 %).

Den größten Zuwachs bei den Erststimmen dürften die Grünen mit 13 Prozent für ihren Direktkandidaten Markus Kurth erreichen (2017: 7,3 %). Heinrich Garbe (AfD) kommt laut Prognose auf 8 Prozent (2017: 9,5 %), ebenso wie Marco Bülow (Die Partei). Roman Senga (FDP) kommt voraussichtlich auf 6 Prozent (2017: 5,9 %) und Ann-Christin Huber (Die Linke) auf 4 Prozent (2017: 7,7 %).

Im Wahlkreis Dortmund II wächst die SPD laut der Prognose auf 41 Prozent der Erststimmen für ihre Direktkandidatin Sabine Poschmann (Partei-Ergebnis 2017: 38,8 %). Ihr folgt Michael Depenbrock (CDU) mit 20 Prozent (2017: 28,1 %).

Auch im zweiten Dortmunder Wahlkreis wachsen die Grünen mit der dortigen Direktkandidatin Prof. Anke Weber laut Prognose auf 13 Prozent an (2017: 6,4 %). Matthias Helferich (AfD) kommt laut Prognose auf 9 Prozent (2017: 10,6 %), Sonja Lemke (Die Linke) auf 6 Prozent (2017: 8,6 %) und Frieder Löhrer (FDP) ebenfalls auf 6 Prozent (2017: 6,4 %).

Selbstverständlich, das betont Matthias Moehl, könne bis zur Wahl noch Unvorhergesehenes passieren, das die Wahl beeinflusst. Mit den aktuell verfügbaren Informationen ist die Prognose aber eindeutig.

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Redaktion Dortmund
Gut recherchierter Journalismus liegt mir am Herzen. Weil die Welt selten einfacher wird, wenn man sie einfacher darstellt. Um Zusammenhänge zu erklären, setze ich auf klaren Text und visuelles Erzählen – in Videos, Grafiken und was sonst dabei hilft.
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Bastian Pietsch

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