Wie stehen die Parteien zu Alleinstehenden? Wir haben ein Überblick für Sie zusammengestellt. © Geralt Altmann Pixabay
Singles

Wahlprogramme im Vergleich – das planen die Parteien für Singles

Am 26. September 2021 ist es soweit: Ein neuer Bundestag wird gewählt. Was wollen Parteien für Singles und Alleinstehende erreichen? Die Positionen im Überblick.

Die Parteien führen in ihren Wahlprogrammen zur Bundestagswahl am 26. September 2021 (Sonntag) unterschiedliche Vorschläge auf, wie sie Alleinstehende und -erziehende unterstützen wollen. Wir haben für Sie zusammengetragen, was CDU, SPD sowie Die Grüne, FDP, Die Linke und AfD für Alleinstehende versprechen. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Das schreiben die Parteien in ihren Wahlprogrammen:

Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

Das Programm für Stabilität und Erneuerung. GEMEINSAM FÜR EIN MODERNES DEUTSCHLAND.

Einsamkeit vermeiden

„Millionen Menschen in Deutschland fühlen sich einsam, jüngere wie ältere“, heißt es im Wahlprogramm der CDU. Die Partei sieht den Kampf gegen Einsamkeit in unserer älter werdenden Gesellschaft als eine große Herausforderung an.

Deshalb wollen sie eine umfassende Strategie gegen Einsamkeit entwickeln, die Antworten darauf gibt, was Alleinstehende brauchen, worauf Vereinsamung zurückgeht, wo es Defizite gibt und wie diesen präventiv begegnet werden kann – in allen Bereichen und auf allen Ebenen. Dazu wollen sie die räumliche wie digitale Mobilität fördern.

Zudem wollen sie ehrenamtliche Strukturen und Netzwerke wie die aufsuchende Nachbarschaftshilfe und Sozialarbeit leichter zugänglich machen und auch im Rahmen generationenübergreifender Wohnformen stärken.

Familien mit Kindern finanziell entlasten und Wohneigentum ermöglichen

In diesem Punkt bezieht die Partei auch Alleinerziehende ein. Sie wollen Familien sowie Alleinerziehende stärker entlasten und sie dabei, den Traum vom Eigenheim zu erfüllen.

Am 1. Januar 2021 wurde der Kinderfreibetrag und das Kindergeld bereits deutlich erhöht. Einen weiteren Schritt möchte die CDU abhängig von der wirtschaftlichen Lage verwirklichen. Perspektivisch streben sie den vollen Grundfreibetrag für Kinder an und möchten damit den Einstieg in ein Kindersplitting finden.

Momentan liegt der steuerliche Entlastungsbetrag für Alleinstehende bei 4.008 Euro. Dieser soll perspektivisch auf 5.000 Euro erhöht werden.

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

AUS RESPEKT VOR DEINER ZUKUNFT. Das Zukunftsprogramm der SPD.

Gut Aufwachsen

Die SPD tritt dafür ein, dass Alleinerziehende besser unterstützt werden. Ein Vier-Säulen-Modell aus Elternzeit nach der Geburt, Familienarbeitszeit, erhöhte Kinderkrankentagen und Familienpflegezeit für pflegende Angehörige soll Alleinerziehende sowie Familien entlasten.

Wenn Alleinerziehende etwas weniger als Vollzeit arbeiten, sollen diese zukünftig zehn Monate ElterngeldPlus erhalten – mindestens 200 und höchstens 900 Euro. Diese Leistung könne bis zum achten Geburtstag des Kindes genutzt werden.

Die pandemiebedingt erhöhten Kinderkrankentage sollen dauerhaft auf 20 Tage pro Kind, Jahr und Elternteil ausgeweitet werden (als „Elterngeld akut“) – bei mehr als zwei Kindern maximal 90 Tage für Alleinerziehende. Darüber hinaus soll künftig auch anderer kurzzeitiger Betreuungsbedarf über das „Elterngeld akut“ organisiert werden können.

Zudem soll familienbedingte Arbeit inklusive Pflege bei den Renten „gerechter“ behandelt werden. Verhütungsmittel sollen kostenlos werden und Schwangerschaftsabbrüche sollen als Grundversorgung angeboten werden. Ebenso soll die Kita- und Schulverpflegung kostenlos sein.

Solidarität erweitern

Die SPD sieht Einsamkeit ebenfalls eine große gesellschaftliche Herausforderung an, die nicht erst die Corona Pandemie sichtbar gemacht hat. Sie will ihr auf verschiedenen Ebenen entgegenwirken.

Bündnis 90/Die Grünen

Deutschland. Alles ist drin.

Absicherung für alle Familienformen

„Ob Alleinerziehende, Patchwork-, Stief- oder Regenbogenfamilie – Familien sind vielfältig und diese Vielfalt muss ein modernes Familienrecht auch abbilden“, heißt es in dem Wahlprogramm Der Grünen.

Bei Kinderwunsch sollen alle Paare und alleinstehende Frauen die Möglichkeit einer Kostenerstattung für die künstliche Befruchtung erhalten. Dabei muss das Persönlichkeitsrecht auf Kenntnis der eigenen Abstammung für alle Kinder gewahrt werden.

Alleinerziehenden den Rücken stärken

„Ein-Eltern-Familien (Alleinerziehende) leisten enorm viel und dennoch ist mehr als ein Drittel von Armut bedroht“, schreiben die Grünen in ihr Wahlprogramm.

Mit der Kindergrundsicherung wollen sie mehrfach helfen: Mit der Neuermittlung der Mindestbedarfe soll auch der Mindestunterhalt von Kindern und Jugendlichen steigen. Anders als beim heutigen Kindergeld soll nur die Hälfte auf den Unterhaltsvorschuss angerechnet werden.

Nach der partnerschaftlichen Trennung sollen Mehrkosten für die Ausübung des Umgangs und Betreuungsleistungen angemessen berücksichtigt werden.

Zudem will die Partei für getrennt erziehende Eltern im Grundsicherungsbezug einen Umgangsmehrbedarf einführen. Das Betreuungsmodell soll im Einzelfall am Kindeswohl orientiert gefunden und nicht schematisch definiert werden.

Familienunterstützende Dienstleistungen sollen gefördert werden, zum Beispiel ergänzende Kinderbetreuung oder haushaltsnahe Dienstleistungen.

Eine Kindergrundsicherung gegen Kinderarmut

„[…] Vor allem bei Ein-Eltern-Familien (Alleinerziehenden), Geringverdienenden mit Kindern oder Familien mit mehr als zwei Kin- dern reicht das Geld oft vorn und hinten nicht“, heißt es in dem Wahlprogramm der Partei.

Daher soll eine Gesamtstrategie zur Prävention und Bekämpfung von Kinderarmut entwickelt und umgesetzt werden. Sie wollen Kindergeld, Kinderfreibeträge, Kinderzuschlag, das Sozialgeld für Kinder und die Bedarfe für Bildung und Teilhabe in eine neue, eigenständige Leistung zusammenzufassen. Kinder in Familien mit geringem oder gar keinem Einkommen sollen zusätzlich noch einen GarantiePlus-Betrag erhalten.

Mehr Zeit für Familien

Alle Eltern sollen Elternzeit unkompliziert in Anspruch nehmen können. Mit der KinderZeit Plus will die Partei das Elterngeld auf 24 Monate ausweiten. Zudem soll der Anspruch auf ein Kinderkrankengeld auf 15 Tage im Jahr pro Kind und Elternteil steigen, Alleinerziehende bekommen 30 Tage.

LEBEN UND LIEBEN

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Für jedes Kind einen KiTa-Platz in einer guten KiTa

„Eltern, insbesondere Alleinerziehenden, ermöglicht ein Kinderbetreuungsplatz gesellschaftliche wie berufliche Teilhabe“, so die Grünen in ihrem Wahlprogramm. Der KiTa-Platz soll den Lebens- und Arbeitsrealitäten von Eltern gerecht werden. Deshalb soll es auch bei Schicht- und Wochenendarbeit Angebote geben.

Wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen stärken

Alleinerziehende sollen dabei gegenüber Paaren nicht benachteiligt werden. Betroffene, die am Arbeitsmarkt diskriminiert werden, sollen unter anderem mit einem Verbandsklagerecht, dem Ausbau entsprechender Rechtsberatung und durch ein echtes Recht auf die Rückkehr in Vollzeit gestärkt werden.

Gleichberechtigung auch bei der Steuer

„Das deutsche Steuerrecht steckt noch im letzten Jahrhundert fest […] Dieses Modell ist ungerecht, weil es Ehen privilegiert, Ein-Eltern-Familien (Alleinerziehende) und nicht verheiratete Paare außen vor lässt […]“, heißt es in dem Wahlprogramm der Grünen. Aufgrund dessen, sollen Alleinerziehende mit einer Steuergutschrift entlastet werden.

Freie Demokratische Partei (FDP)

NIE GAB ES MEHR ZU TUN. WAHLPROGRAMM DER FREIEN DEMOKRATEN

Ungewollt Kinderlose unterstützen

Die Freien Demokraten wollen sich für eine bessere finanzielle Förde- rung von Kinderwunschbehandlungen einsetzen. Die Bundesförderung soll nicht mehr von einer Landesbeteiligung abhängig sein.

Langfristig sollen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten bei Vorlage einer medizinischen Indikation vollständig übernehmen. Auch Paare ohne Trauschein und Alleinstehende sollen einen Anspruch auf Förderung haben.

Partnerschutz analog zum Mutterschutz einführen

Die Partei möchte einen „Partnerschutz“ analog zum „Mutterschutz“ einführen. Dabei sollen Alleinerziehende das Recht haben, eine andere Person für den Partnerschutz zu benennen (zum Beispiel Familienangehörige), die die Alleinerziehenden in dieser Zeit unterstützt.

Höhere Freibeträge für Familien und Alleinerziehende

„Wir Freie Demokraten wollen Familien und Alleinerziehende entlasten“, heißt es in dem Wahlprogramm der FDP. Dazu will sie den Kinder- und Auszubildendenfreibetrag sowie den Freibetrag für Alleinerziehende anheben.

Die Linke

Zeit zu handeln! Für soziale Sicherheit, Frieden und Klimagerechtigkeit

Sozialen und gemeinnützigen Wohnungsbau schaffen!

Für alleinstehende Frauen, die in (Alters-) Armut leben, für alleinerziehende Frauen sowie für Frauen, die häuslicher Gewalt aus-gesetzt sind, soll preiswerter und sicherer Wohnraum geschaffen werden. Zudem sollen Alleinerziehende nicht mehr wegen Eigenbedarf gekündigt werden dürfen.

Reproduktive Gerechtigkeit: Freie Entscheidung für ein Leben mit und ohne Kinder für alle

„Wir wollen, dass alle Menschen entscheiden können, ob und wie sie mit Kindern leben möchten“, schreibt Die Linke in ihr Wahlprogramm. Dazu soll eine umfassende Aufklärung, der Zugang zu Verhütungsmitteln und die freie Entscheidung über einen Schwangerschaftsabbruch gewährleistet werden.

Selbstbestimmt im Alter

Die Linke will sich für wirksame Hilfen und Konzepte gegen soziale Isolation und Einsamkeit im Alter einsetzen. Kommunale aufsuchende Angebote für Senioren und gemeinschaftliche Begegnungsorte sollen gefördert werden.

Familien dort unterstützen, wo sie es brauchen

„Niedrige Löhne und Erwerbslosigkeit haben Familien-, Kinder- und Jugendarmut zur Folge. Besonders dramatisch ist die Situation für alleinerziehende Mütter und Väter, die sich im Hartz-IV-Bezug befinden“, schreibt Die Linke.

Ziel ist es, allen Menschen ein gutes und planbares Leben ohne Zukunftsangst zu ermöglichen – Für alle Familienform. Dafür sollen soziale und öffentliche Infrastrukturen sowie Dienstleistungen ausgebaut werden und gute soziale Sicherungen eingeführt werden.

Der Elterngeldanspruch soll auf 24 Monate für Alleinstehende verlängert werden, um Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Der Mindestbetrag des Elterngelds soll auf 400 Euro und beim Elterngeld Plus entsprechend auf 200 Euro angehoben werden. Außerdem setzt die Linke sich für eine dauerhafte Verlängerung der Kinderkrankentage ein – Sowohl für Eltern als auch für Alleinerziehende.

Alternative für Deutschland (AfD)

Deutschland. Aber normal.

Die AfD geht in ihrem Wahlprogramm nicht auf Alleinstehende sowie -erziehende ein. Für sie besteht eine Familie aus Mutter, Vater und Kindern – Alleinerziehende zählen sie nicht dazu. Mit unterschiedlichen Maßnahmen möchte sie zu einer „geburtenfördernden Familienpolitik“ kommen.

Welche der Parteien berücksichtigt Alleinstehende am meisten?

Alleinstehende ohne Kinder werden in den Wahlprogrammen kaum angesprochen. Stattdessen richten sich die Vorschläge und Ziele der Parteien an Alleinerziehende.

Am meisten gehen die Grüne und die Linke auf Alleinstehende und -erziehende ein, wie ein Blick in die Wahlprogramme zeigt. Ihrer Ansicht nach braucht es ein modernes Familienrecht, welches die vielfältigen Familienformen abbildet, zu diesen unter anderem auch Alleinerziehende zählen.

Hingegen bedeutet Familie für die AfD nur das klassische Ehe-Modell mit Kindern. In ihrem Wahlprogramm kommen keinerlei Wörter, wie „Alleinstehende“, „Alleinerziehende“ oder „Einsamkeit“, vor. Von daher ist davon auszugehen, dass die AfD sich wenig bis gar nicht für Alleinstehende und -erziehende einsetzt.

Über die Autorin
Freier Mitarbeiter
Neben dem Journalistik-Studium unterstützt Charlotte Schuster die Redaktion in Werne. Im Sommer 2020 hat sie ein Praktikum bei den Ruhr Nachrichten absolviert, welches ihr die schönen Seiten des Lokaljournalismus gezeigt hat.
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Charlotte Schuster