War der Überfall auf Nazis ein Racheakt?

Spirale der Gewalt

Mehrere Angriffe von Rechtsextremisten auf politische Gegner und Polizisten und zuletzt am Dienstag ein brutaler Angriff auf vier Neonazis in der Nordstadt: Der Staatsschutz befürchtet weitere schwere Straftaten, die als Racheaktionen geplant sind.

DORTMUND

, 27.08.2016, 02:44 Uhr / Lesedauer: 1 min
Vor dem Haus an der Herderstraße 24 in der Nordstadt ereignete sich der Angriff auf die Nazis.

Vor dem Haus an der Herderstraße 24 in der Nordstadt ereignete sich der Angriff auf die Nazis.

Vier bis sechs maskierte Personen hatten am Dienstag (23. 8.) auf der Herderstraße in der Nordstadt eine 53-jährige Frau und zwei Begleiter mit einem Baseballschläger angegriffen, schwer verletzt und ausgeraubt. Der Angriff hätte tödlich enden können. „Zufallsopfer waren das nicht. Und das war definitiv kein klassischer Straßenraub in der Nordstadt“, sagte Polizeisprecher Oliver Peiler. Die Polizei schließt nicht aus, dass Linksextremisten den Angriff planten. 

"Das war kein Geplänkel"

Die Tat gegen 20.45 Uhr auf der Herderstraße dürfe nicht verharmlost werden, sagte Oliver Peiler: „Das war kein Geplänkel, sondern eine schwere Straftat.“ Das schwer verletzte Opfer ist die 53-jährige Lebensgefährtin eines älteren Neonazis, der regelmäßig an Rechtsextremisten-Demos teilnimmt. Sie und ihre Begleiter waren vor der Tat auf einer Neonazi-Demo. 

War die Tat in der Nordstadt ein Racheakt nach dem bei der Polizei angezeigten Angriff vom 14. August auf der Nederhoffstraße am Westpark? Drei maskierte Männer sollen dort gegen 16 Uhr einen 24-jährigen Antifaschisten der Linksjugend angegriffen haben. Der Mann verständigte erst acht Stunden später die Polizei und fuhr nach der Tat in ein Mühlheimer Krankenhaus, um sich dort behandeln zu lassen und dann zurück nach Dortmund zu fahren.

In der linken Szene wurden inzwischen Zweifel an dieser Darstellung laut. Andere Aktivisten reden weiter von einem „Mordanschlag“. Zwischen dem Angriff auf der Herderstraße und der Tat auf der Nederhoffstraße könnte also ein Zusammenhang bestehen.

Verdächtiges Schweigen

Die für etliche Gewaltstraftaten und Bedrohungen verantwortliche Dorstfelder Neonazi-Szene erwähnt den Angriff auf der Herderstraße aktuell öffentlich mit keinem Wort – für die Polizei ein verdächtiges Schweigen. Der Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus warnt vor einer „Spirale der Gewalt.“

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