War die Loveparade 2008 sicher?

Irritationen

Ein Bericht des Magazins Spiegel über die Ursachenforschung der Duisburger Loveparade hat für Irritationen in Dortmund gesorgt. Danach hat der ehemalige Dortmunder Feuerwehrchef Klaus Schäfer bei den Loveparade-Ermittlern zu Protokoll gegeben, dass schon bei der Technoparty in Dortmund im Jahr 2008 das Gedränge so gefährlich gewesen sei, „dass der Stab mit ,Verletzten oder gar Toten‘ gerechnet habe.“

DORTMUND

von Von Gaby Kolle und Peter Bandermann

, 18.05.2011, 10:58 Uhr / Lesedauer: 1 min

Über die Lage vor und in dem Ophoff-Tunnel der B1 während eines Platzregens sagte Schäfer gegenüber den Ruhr Nachrichten: „Das war eine prekäre Situation (...) Wir hatten 15 Minuten lang im Stab ein ungutes Gefühl.“ Deshalb seien zu dem Zeitpunkt, am frühen Nachmittag, vorsorglich mehrere Rettungsdienst-Einheiten in den Bereich verlegt worden.

Die Stadt allerdings teilt die Dramatik von Schäfers Darstellung nicht. Nach den ersten Recherchen, so Stadtsprecher Udo Bullerdieck gestern, habe es eine solch‘ gefährliche Situation nicht gegeben. Außer Schäfer könne sich niemand aus dem gemeinsamen Führungsstab von Polizei und Feuerwehr am Worte wie „Tote und Verletzte“ erinnern. Trotzdem werde die Stadt weiter „sehr sorgfältig“ in den Dokumentationen des Führungsstabs recherchieren.

Auch Ordnungsdezernent Wilhelm Steitz, der den Krisenstab der Stadt bei der Loveparade in Dortmund mit geleitet hat, kann sich nicht erinnern, „dass es eine konkrete Gefahr für Leib und Leben gegeben hat“. Er hält Schäfers Darstellung für „heiße Luft“. Steitz: „Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass, wenn so eine Gefahr bestanden hätte, der Krisenstab davon etwas mitbekommen hätte. Das wäre nicht unter den Tisch gekehrt worden.“  

Klaus Schäfer ist einer von vielen Zeugen, die von der Duisburger Staatsanwaltschaft zur Aufklärung der Loveparade-Tragödie im Juli 2010 vernommen worden sind. Er war auch 1996, als eine junge Frau bei einem Konzert der „Toten Hosen“ in Düsseldorf erdrückt worden ist, als Sachverständiger gehört worden. Im März 2010 hatte Klaus Schäfer die Stadt Duisburg in einem Tagesseminar über die Sicherheit auf Großveranstaltungen informiert. Eigenen Angaben zufolge habe er auf genau die Schwachpunkte hingewiesen, die später zur Katastrophe geführt haben sollen. 

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