Arzt-Termine: Warten Kassenpatienten in Dortmund wirklich länger als Privatversicherte?

rnRuhr Nachrichten testen

Das gängige Vorurteil: Privatversicherte werden in Arztpraxen bevorzugt. Doch wie sieht das in Dortmund aus? Wir haben Ärzte auf die Probe gestellt.

von Wilco Ruhland, Marie Ahlers, Johannes Bauer

Dortmund

, 01.11.2019, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will mehr Gerechtigkeit schaffen für gesetzlich Krankenversicherte. Sein neues „Termin- und Versorgungsgesetz“ soll Ungleichheiten zwischen gesetzlichen und Privatpatienten ausräumen, unter anderem bei der Terminvergabe.

Jetzt lesen

Dabei ist die Bevorzugung von Privatpatienten bei der Terminvergabe in den vergangenen Jahren bereits weniger geworden. „Die Wartezeiten von gesetzlich und privat Versicherten haben sich in den letzten Jahren angeglichen“, erklärt Vanessa Pudlo von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. Dies zeigt auch eine Studie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Wartezeiten in Dortmund werden länger - vor allem für Privatpatienten

Zwar sind die Wartezeiten auf einen Arzttermin in den vergangenen Jahren grundsätzlich gestiegen - jedoch warten die Versicherten mittlerweile in etwa gleich lang. Ein Beispiel: Von den Patienten, die gesetzlich versichert sind, warten 15 Prozent länger als drei Wochen auf einen Arzttermin, von den privat Versicherten sind es zwölf Prozent.

„Natürlich gibt es Unterschiede bei gesetzlich und privat versicherten“, sagt Pudlo. Aber die seien nicht mehr so stark wie häufig angenommen.

Selbsttest bei Dortmunder Fachärzten

Das zeigt auch eine Stichprobe, die die RN-Redaktion in den vergangenen Wochen bei Fachärzten in Dortmund gemacht hat, genauer bei fünf Orthopäden und vier Hautärzten.

Jetzt lesen

Die Reporter schoben dabei akute Beschwerden - Rückenschmerzen oder Hautausschlag - vor und fragten telefonisch nach dem nächsten freien Termin. Das überraschende Ergebnis: In keiner der neun Facharztpraxen wurde nach der Versicherungsart gefragt, stattdessen wurde direkt ein Termin angeboten. Die Wartezeiten variierten zwar zwischen wenigen Tagen und mehreren Wochen - die Versicherungsart schien darauf aber keinen Einfluss zu haben.

Als unsere Reporter in dem ein oder anderen Fall direkt fragten: „Macht es einen Unterschied, dass ich privat versichert bin?“, war die Antwort stets: „Nein, das macht keinen Unterschied.“

Ist die Stichprobe zu klein?

Ob eine Stichprobe von neun Ärzten Rückschlüsse auf die mehreren hundert Arztpraxen in Dortmund erlaubt, ist jedoch offen.

Vanessa Pudlo möchte eher nicht von den Testergebnissen auf die Gesamtheit in der Stadt schließen - dafür sei die Stichprobe zu klein. „Aber grundsätzlich ist das Ergebnis natürlich erfreulich“, sagt sie. Das Ergebnis spreche zweifelsfrei für die Dortmunder Ärzte.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt