Warum Autofahrer in Dortmund noch auf Jahre im Baustellen-Stau stehen werden

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Es wird eifrig gebaut auf Dortmunds Straßen. Doch es gibt auch noch viele marode Fahrbahnen. Denn das Sanierungsprogramm der Stadt kommt nur schleppend voran. Das hat viele Gründe.

Dortmund

, 22.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hagener Straße, Saarlandstraße, Westentor, Brackeler Hellweg, Hermannstraße, Schüruferstraße und Altenderner Straße - Baustellen, die Autofahrer nerven, gibt es zurzeit reichlich. Doch an vielen Stellen warten Anwohner und Verkehrsteilnehmer seit Jahren auf eine dringend nötige Sanierung. Und das müssen sie wohl noch länger.

Vor fünf Jahren startete die Stadt eine Straßenbau-Offensive mit deutlich mehr Geld. Dazu kommen Fördermittel des Bundes nach dem Kommunalinvestitionsförderungs-Gesetz, kurz KIF. Beides führte in den vergangenen Jahren zu einem Bauboom auf den Straßen.

Förderprogramm ist überzeichnet

Inzwischen ist klar: Nicht alle Wünsche, die mit dem Konjunkturpaket verbunden waren, lassen sich erfüllen – obwohl 84 ,1 Millionen Euro nach Dortmund flossen. 112 Maßnahmen standen auf dem Wunschzettel. Aber nur 80 lassen sich umsetzen. „Das Programm ist überzeichnet“, berichtete Baudezernent Arnulf Rybicki schon im Frühjahr. Hauptgrund ist, dass einzelne Maßnahmen teurer wurden als veranschlagt – auch eine Folge der heiß gelaufenen Baukonjunktur.

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Zu den Maßnahmen, die auf der Strecke bleiben, gehören fast ein Dutzend Straßenprojekte. Besonders Anwohner am Hellweg müssen länger warten: Der angekündigte lärmarme Asphalt für den Wickeder, Wambeler und Körner Hellweg lässt sich doch nicht aus den Bundesmitteln realisieren.

Sanierung mit städtischen Mitteln

Ebenfalls betroffen sind die Münsterstraße und die Märkische Straße. Die Erneuerung der Fahrbahndecken soll nun aus städtischen Mitteln finanziert werden - mit deutlicher Zeitverzögerung. Immerhin: Der zweite Bauabschnitt der Schüruferstraße von der Schürener Straße bis zur Kneebuschstraße soll zumindest teilweise mit Bundesmitteln realisiert werden.

Aber auch andere Straßenprojekte abseits des KIF-Programms lassen auf sich warten. Die Gründe sind vielfältig, reichen von umfangreicheren Planungen über personelle Engpässe in der Verwaltung bis hin zu dem Problem, Aufträge zu angemessenen Preisen abwickeln zu können. Teilweise liegen die Ausschreibungsergebnisse um das Drei- bis Sechsfache über der Kalkulation, beklagt Tiefbauamtsleiterin Sylvia Uehlendahl.

Ausschreibungen aufgehoben

Mehrfach wurden Ausschreibungen wegen „Unwirtschaftlichkeit“ wieder aufgehoben - wie für den geplanten Umbau im Einmündungsbereich Leni-Rommel-Straße/Aplerbecker Straße in Aplerbeck. In einem Fall musste eine Baumaßnahme an der B1 dreimal ausgeschrieben werden.

Bekanntestes Beispiel ist der geplante Bau einer Brücke für Fußgänger und Radfahrer über die B54 zwischen Phoenix-West und Rombergpark. Die avisierten Kosten sind hier von 3,8 auf mehr als 12 Millionen Euro gestiegen. Auch hier lag das Ergebnis einer ersten Ausschreibung weit über der Kalkulation. Sie wurde deshalb aufgehoben. Jetzt soll neu geplant und mit dem Land über eine Förderung verhandelt werden.

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Auch bei kleineren Maßnahmen musste die Politik neu beschließen. Wie beim geplanten Umbau der Rüschebrinkstraße in Wambel. Hier stiegen die Kosten von 800.000 auf knapp 1,3 Millionen Euro.

Trotz aller Widrigkeiten soll die Straßenbau-Offensive weitergehen. Auch wenn das Konjunkturprogramm des Bundes ausläuft, will die Stadt auf hohem Niveau weiter bauen: Für die nächsten zwei Jahre sind je 30 Millionen Euro für die Straßenerneuerung vorgesehen. 2022 sollen es 32 Millionen sein. Dazu kommen pro Jahr 9 Millionen Euro für die Straßenunterhaltung. Das nährt die Hoffnung, dass nach und nach die schlimmsten Buckelpisten verschwinden - wie die Hannöversche Straße, für die wegen Schäden schon lange Tempo 30 gilt. Schon 2018 sollte die neue Decke kommen. Doch die Sanierung wurde immer wieder verschoben. Es braucht eben alles mehr Zeit als erwartet.

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