Chris Andrews verkaufte Millionen Platten und tritt dennoch bald im kleinen „Kirchderner Eck“ auf. Das hat seinen besonderen Grund: Der Sänger möchte sich bei Wirtin Sabine Fischer bedanken.

Kirchderne

, 24.07.2018, 17:22 Uhr / Lesedauer: 3 min

Er verzückte weibliche Teenager, verkaufte allein vom Hit „Yesterday Man“ zehn Millionen Platten, stürmte damit unter anderem in Deutschland, Frankreich Australien und Südafrika die Spitze der Charts, schrieb Songs für internationale Künstler wie Agnetha von Abba oder Cher und sang auf den großen Bühnen der Welt.

Die Bühne bei Chris Andrews‘ Konzert am 11. August ist eher weniger groß. Die Gaststätte „Kirchderner Eck“ zählt nicht gerade zu den bedeutenden Live-Locations. Doch Andrews-Fans müssen keineswegs befürchten, ihr Star tingele nun durch Kneipen. Das Konzert im „Kirchderner Eck“ ist eine Ausnahme – ein Dankeschön an Wirtin Sabine Fischer. Und deren Augen strahlen, wenn sie von dem baldigen Konzert erzählt: „Chris Andrews im Kirchderner Eck – das ist schon was. Das macht einen ein bisschen stolz.“

Unverhofft zum Kneipenkonzert gekommen

Dass es zu diesem außergewöhnlichen Auftritt kam, ist nicht zuletzt einer Reihe von Zufällen zu verdanken. Denn Sabine Fischer, die das „Kirchderner Eck“ seit fünf Jahren gemeinsam mit ihrer Tochter Kim betreibt, begrüßt regelmäßig Chris Andrews’ Schwiegereltern als Gäste. Die stammen nämlich ebenso wie ihre Tochter, also Chris Andrews‘ Frau, aus Kirchderne.

So auch am vergangenen Rosenmontag, als zufällig „Yesterday Man“ im Radio lief und die die 54-jährige Wirtin einfach mal ganz unverbindlich nachfragte, ob der berühmte Sänger und Komponist wohl mal in ihrem Lokal spielen würde – einer typischen Gaststätte mit gutbürgerlicher Küche: „Aber ich hab‘ im Leben nicht damit gerechnet, dass er ja sagt.“ Und tatsächlich war die Antwort wenig ermutigend: Nein, in Kneipen spiele Chris Andrews nicht, sagte der Schwiegervater – aber man könne ja trotzdem mal nachfragen.

Und unverhofft kommt oft. Wenige Tage später betrat Andrews mit seiner Frau erstmals das Wirtshaus an der Straße „Im Karrenberg“ und eröffnete Sabine Fischer, dass er sich ein Konzert hier durchaus vorstellen könne – unter einer Voraussetzung: Für seine neue CD müsse er Videoaufnahmen drehen, die in einer Kneipe spielen. „In dem Video geht es wohl darum, wie Chris Andrews als Jugendlicher anfing, in englischen Pubs zu singen und Klavier zu spielen“, sagt die 54-Jährige, „und da passte unsere Kneipe offenbar genau ins Bild. Das erinnerte ihn an seine Anfangszeiten.“ Und nach einer kurzen Pause fügt sie hinzu: „Er kam hier rein und war so freundlich. Ein ruhiger, leiser – ja ein supernetter Mensch.“

Zwischen Stockholm und Wien liegt Dortmund-Kirchderne

Tatsächlich liegen Chris Andrews‘ Anfänge schon ein paar Jahre zurück. Bereits mit 13 Jahren startete der 1942 in London geborene Künstler seine Gesangskarriere in England, in den frühen 1960er-Jahren trat er zur selben Zeit wie die Beatles im Hamburger Star-Club auf. Seit über 60 Jahren steht der gebürtige Brite, der mittlerweile einen deutschen Pass besitzt, somit auf der Bühne. Doch das, sagt Sabine Fischer, sehe man ihm wirklich nicht an: „Der ist noch richtig fit.“

Nichtsdestotrotz hegten einige Gäste Zweifel daran, dass der Sänger von „Yesterday Man“ oder „Pretty Belinda“ in der Kneipe um die Ecke auftritt. „Sie fragten, ob es sich um ein Double handelt“, erzählt Sabine Fischer und lacht. „Ein Bekannter hat davon in seiner Firma erzählt und wurde für bekloppt erklärt.“ Zweiflern sei ein Blick auf Andrews’ Internetseite empfohlen, wo im Terminkalender rot auf weiß geschrieben steht: „Dankeschön-Konzert und Video-Aufzeichnung: Chris Andrews in Dortmund-Kirchderne.“ Ein Termin zwischen Auftritten in Stockholm und Wien.

Chris Andrews ist kein Travestie-Künstler

Zwar sind im Kirchderner Eck schon mehrfach ein Travestie-Künstler und ein schottischer Sänger aufgetreten, doch das Konzert am 11. August ist eine andere Nummer. „Alle normalen Tische kommen raus und dafür Stehtische rein“, erklärt Sabine Fischer. Zudem würden die Fenster zum Biergarten geöffnet, damit auch die dortigen Gäste etwas sehen und hören können.

23,50 Euro, inklusive eines Getränks, beträgt der Eintritt; „aber das deckt nur die Kosten für die Anlage, die eigens besorgt werden muss“, sagt die Wirtin. In welcher Form an diesem Abend und eventuell noch zu einem späteren Zeitpunkt für das Video gedreht wird, vermag Fischer nicht zu sagen. Sie lässt sich überraschen.

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