Warum ein Pastor (38) nach Hörde zurückkehrt und was er in drei Jahren erreichen will

rnEvangelisch-methodistische Kirche

Gero Waßweiler ist 38 Jahre alt, in Hörde aufgewachsen und neuer Pastor der evangelisch-methodistischen Kirche. Angetreten ist er mit besonderen Zielen.

Hörde

, 12.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sinkende Mitgliederzahlen und überalterte Strukturen sind nichts Neues für Kirchen in Deutschland. Normalerweise lautet die Rechnung dann so: Wir haben weniger Mitglieder, also brauchen wir auch nicht mehr so viele Gemeindehäuser, Pfarrer und Kirchen.

Die evangelisch-methodistische Kirche in Hörde versucht einen anderen Ansatz. Sie setzt für mindestens drei Jahre einen Pastor mit voller Stelle ein, der etwas bewegen soll. Sein Name: Gero Waßweiler, 38 Jahre alt. Hörde ist für ihn kein unbekanntes Pflaster.

Das ist Gero Waßweiler

Waßweiler ist im Stadtbezirk Hörde aufgewachsen und in Wellinghofen zur Kirche gegangen. Nach der Schule hat er in Dortmund eine Ausbildung zum Fachinformatiker gemacht, währenddessen war er ehrenamtlich in der offenen Jugendarbeit des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) engagiert. Das hat letztlich auch den Ausschlag gegeben, nicht als Informatiker zu arbeiten, sondern zur Kirche zu gehen. Waßweiler ist verheiratet und hat ein Kind.

Das hat er vorher gemacht

2004 ist Waßweiler nach Kassel gegangen, um dort Sozialpädagogik und Theologie zu studieren, dort hat er auch seine erste Pastorenstelle angetreten. Die vergangenen sieben Jahre war er Pastor der Stadtmission in Offenbach.

Warum ein Pastor (38) nach Hörde zurückkehrt und was er in drei Jahren erreichen will

Die evangelisch-methodistische Kirche ist an der Gildenstraße 60 zu Hause. © Michael Nickel

Zudem hat er an der Uni von Pretoria (Südafrika) promoviert. Seine Doktorarbeit beschäftigte sich mit dem Thema „Hoffnung predigen in einer Zeit der Krise“. Dafür hat er unter anderem Predigten zum Germanwings-Absturz oder zum Loveparade-Unglück analysiert.

Das bedeuten Glaube und Kirche für ihn

Gero Waßweiler weiß, dass das „Prinzip Volkskirche“ so nicht mehr existiert. „Viele Menschen, die Fragen haben, wollen keine politischen Antworten“, sagt er. „Wir wollen gute, existenzielle Antworten geben.“

Warum ein Pastor (38) nach Hörde zurückkehrt und was er in drei Jahren erreichen will

In der Gemeinde wird nicht nur Deutsch, sondern auch Englisch gesprochen. © Michael Nickel

Seine Kirche und seine Gemeinde sollen nicht nur ein Raum für Veranstaltungen sein. „Wir möchten nicht nur aus einem Prinzip heraus gut sein. Wir wollen eine Gemeinschaft haben, die familiär ist.“ Bei all dem gehe es aber vor allem um Lebensrelevanz, darum, wie das Miteinander, wie Beziehungen funktionieren.

Das ist die evangelisch-methodistische Kirche

Die evangelisch-methodistische Kirche (emK) erklärt es auf ihrer Homepage selbst. Das Evangelium ist das Fundament der Kirche, die sich als Teil der evangelischen Kirche sieht.

Und wo kommt das „methodistisch“ her? Das sei eine spöttische Bezeichnung für eine Gruppe von Studenten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gewesen. Neben Bibelstudium und Beten waren ihnen vor allem die praktischen Dienste an Armen oder Kranken wichtig. „Deshalb wurden sie als methodistisch verspottet.“

Warum ein Pastor (38) nach Hörde zurückkehrt und was er in drei Jahren erreichen will

Bislang hat sich Gero Waßweiler die Gottesdienste noch angehört, um seine neue Gemeinde kennenzulernen. Am 22. September steht er zum ersten Mal selbst vorne. © Michael Nickel

Diese Form des Glaubens setzte sich aber durch. Weltweit hat die emK 12 Millionen Mitglieder, in Deutschland etwa 49.000. Vor allem die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hat dafür gesorgt, dass sich auch in Dortmund eine evangelisch-methodistische Gemeinde etablieren konnte.

Schließlich ist diese Glaubensrichtung in den USA und Großbritannien verbreitet. Seit etwas mehr als einem Jahrzehnt hat die Dortmunder Gemeinde ihre Heimat in Hörde an der Gildenstraße 60.

Das will Waßweiler in Hörde erreichen

Zunächst einmal will Waßweiler für beide Gemeindeteile gleichermaßen da sein. Denn ein Teil ist überwiegend englischsprachig, der andere deutschsprachig. Seine Gottesdienste wird er daher auch in beiden Sprachen halten. Seinen Einführungsgottesdienst hat Gero Waßweiler am 22. September um 10.30 Uhr.

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So wie andere Kirchen hat auch die emK in Dortmund mit Überalterung zu kämpfen. Er will nicht nur neue Mitglieder gewinnen, sondern vor allem auch in den Stadtteil hineinwirken. Wie das aussehen kann, wird sich noch zeigen.

„In Offenbach haben wir zum Beispiel ein Jugendzentrum eröffnet. Aber man kann nichts so einfach überstülpen“, sagt Waßweiler. „Es gibt aber 1000 Möglichkeiten.“

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