Sternfahrten gibt es in Dortmund immer wieder. Diese zeigt eine B1-Tour von 2016. © Oliver Schaper
Meinung

Warum nicht mal eine Rad-Demo im Berufsverkehr?

Zwei Rad-Demos gibt es in Dortmund – am Samstag mit Kindern in der Innenstadt, am Sonntag dann über die B1. Unser Autor meint: Das könnte man effektiver planen.

Stellen Sie sich mal vor: Sundays for future. Statt nichts zu tun, gehen die Schüler auf die Straße für die Umwelt. Nur: lieber am Wochenende. Nicht dass sie noch Schulstoff verpassen.

Klingt absurd, ich weiß. Aber wenn man dieses Gedankenspiel überträgt auf das Demo-Geschehen, das Dortmund am Wochenende erwartet, macht es eine Sache klar: Wer eine Veränderung für so wichtig hält, dass sie dringend geschehen sollte, sollte auf den großen Effekt setzen.

Demos am Samstag und am Sonntag

Bessere Radwege sind das Ziel von Kidical Mass am Samstag und der großen Critical-Mass-Sternfahrt am Sonntag. Am Samstag geht‘s vom Friedensplatz über den Wallring zum Radschnellweg Ruhr und weiter zum Tremoniapark. Einen Tag später soll eine große Zweirad-Gruppe über die B1 rollen.

Die Bewegung setzt auf zivilen Ungehorsam und auf eine Lücke in der Straßenverkehrsordnung. Wo eine große Gruppe von Fahrzeugen fährt, darf sie das auch. Nur: Wie ungehorsam ist das?

Ist das Thema euch denn nicht dringend?

Nichts gegen gemütliche Familienausflüge. Nichts gegen das Statement: Seht her, so viele Menschen sind es, die bessere Fahrradwege wollen.

Nur, die Frage muss erlaubt sein: Wenn es den Verantwortlichen tatsächlich so dringend und ernst ist mit ihrem Anliegen, wenn sie wirklich mehr Tempo fordern von denen, die über den Radwege-Ausbau entscheiden – warum passiert das nicht im Berufsverkehr?

Warum nicht mal freitags am Borsigplatz?

Es müsste ja nicht einmal am Montagmorgen um 8 Uhr sein. Klar, dass da die Kinder in der Schule sind und die Erwachsenen mehrheitlich auf der Arbeit oder auf dem Weg dorthin. Und dass da kaum jemand Zeit hat, an Aktion teilzunehmen.

Aber, sagen wir mal, freitagnachmittags um 14, 15 oder 16 Uhr? Auf dem Wall, der Ruhrallee, der Hamburger oder der Rheinischen Straße oder rund um den Borsigplatz. Nach Schulschluss, wenn viele Erwachsene schon im Feierabend sind.

Es wäre deutlich gefährlicher

Damit will ich nicht sagen: Macht es so. Zumal es in der Rush Hour sicher gefährlicher würde – gestresste Autofahrer, geringe Abstände, aller Voraussicht nach keine Erlaubnis durch die Polizei, die Teilnahme könnte Konsequenzen haben.

Ich solle hier keinen auf dumme Gedanken bringen, meinen Sie? Ich glaube nicht, dass ich das muss. Wenn der Radwege-Ausbau weiter so langsam voranschleicht, werden sicher einige Menschen von sich aus auf solche Gedanken kommen.

Denken Sie an die B1-Blockade durch Extinction Rebellion im Sommer 2021. So etwas droht häufiger, wenn Dortmund nicht einen Gang hochschaltet.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff