Was ein echter Kommissar seinem Tatort-Kollegen rät

TV-Film aus Dortmund

Der Dortmund-Tatort kommt - das steht so gut wie fest. Auch die Rolle des Hauptdarstellers ist nach unseren Informationen vergeben. Bleibt die Frage, was der Chef der Mordkommission seinem Kollegen vom Tatort rät.

DORTMUND

von Von Gaby Kolle

, 17.09.2011, 10:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kriminalhauptkommissar Michael Lötters, seit 1997 Leiter der Dortmunder Mordkommission.

Kriminalhauptkommissar Michael Lötters, seit 1997 Leiter der Dortmunder Mordkommission.

Wie die Fernsehkommissare den Tatort untersuchen, gehe gar nicht, meint der Profi: „Ohne Schutzkleidung, einmal leger die Gummihandschuhe aus der Tasche ziehen, drei Mal die Leiche anfassen, und schon haben sie Ergebnisse.“Fiktion ist auch der Gerichtsmediziner, der fast immer mit vor Ort ist und sofort den Todeszeitpunkt eng eingrenzen kann. Der Alltag ist kleinteiliger, langwieriger, unspektakulärer. Hier dauert es Tage, Wochen, Monate und nicht anderthalb Stunden, bis der Mörder gefasst ist.

 Die Aufklärungsquote ist allerdings fast so hoch wie im „Tatort“, nämlich über 90 Prozent. Von 24 Tötungsdelikten im letzten Jahr in Dortmund wurden 22 Fälle gelöst, die Täter überführt. Allerdings nicht von einem „Einzeltäter“ unter den Verbrecherjägern, der nachts drei Tassen Kaffee trinkt, dann im Auto umher fährt und plötzlich die Lösung hat. „Das ist ganz klar Teamarbeit“, sagt Lötters. „An jedem Ende eines Arbeitstages tragen wir die Ermittlungsergebnisse zusammen“. Ergebnisse unter anderem aus der Spurensicherung, Zeugenbefragungen, Büroarbeit und Internetrecherche.

 Worüber sich der Kriminalhauptkommissar auch immer wieder wundern muss, ist, dass sich „Kollegen“ vom Fernsehen fast nie etwas aufschreiben oder höchstens auf einen kleinen Block: „Wir müssen alles im Detail dokumentieren, damit es gerichtsfest ist.“  Die großen Limousinen von Mercedes, Audi oder BMW, mit denen Tatort-Kommissare häufig durch die Landschaft des Bösen kutschieren, sucht man im Fuhrpark des Kriminalkommissariats (KK 11) vergebens. Dort stehen Fahrzeuge wie ein alter Opel Vectra, mit denen die Dortmunder Polizei für ihre Ermittlungen auch nach Unna, Hamm, Lippstadt, Soest, in den Hochsauerlandkreis und bis zur hessischen Landesgrenze fährt; denn so weit reicht ihre Zuständigkeit.  

 So ein schönes Büro wie die Fernsehkommissare hat Michael Lötters nicht und so schöne Tatorte wie zum Beispiel die Villen in München bekommt er auch selten zu Gesicht.  Wäre nicht der Phoenix-See ein schöner Ort fürs Fernsehen, um jemanden zu meucheln? Aus Sicht des Kommissars nicht, meint der Polizist, „eine Wasserleiche ist spurentechnisch schwieriger. Die meisten Morde geschehen ohnehin in Wohnungen.“

 Polizei-Pressesprecher Wolfgang Wieland hat noch einen anderen Tipp an die „Tatort-Macher“: Bei Vernehmungen bloß keinen Schutzpolizisten als „Doofmann“ an die Tür stellen, der nach dem Verhör aufgefordert wird, den Tatverdächtigen in die Zelle zu bringen. „Wenn so eine Szene im Tatort kommt, dann hat der Drehbuchautor gleich 40.000 Polizeibeamte in NRW gegen sich.“  Mit Beratung würde die Polizei Drehbuchautoren und auch Schauspielern gern helfen, doch weitere Unterstützung für Fernsehkrimis ist per Erlass verboten: kein Personal, keine Streifenwagen, keine Räumlichkeiten.

 Eines haben „Tatort“ und Wirklichkeit gemeinsam, meint Lötters: „In jeden Fall muss man sich neu eindenken, das Puzzle neu zusammensetzen.“ Beim Fernsehgucken weiß der Kriminalhauptkommissar ebenso wenig sofort, wer der Mörder ist, wie bei der Arbeit.  Am liebsten sieht Lötters die skandinavischen Krimis wie Henning Mankells Wallander. Ist er auch gespannt auf den Dortmunder Tatort? „Den guck‘ ich mir auf jeden Fall an.“  

Schlagworte:

Dortmund am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter Über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Lesen Sie jetzt