Was sagen Eltern zum Thema Unterrichtsausfall?

"Problem nicht kleinreden"

Was sagen Lehrer, Elternvertreter und die Schüler selbst zum Thema? Wir haben uns umgehört. Nach der Lehrergewerkschaft GEW und der Bezirksschülervertretung kommen nun die Elternvertreter beim Projekt www.unterrichtsausfall-check.de zu Wort. Die Fragen beantworten die Vorsitzenden Werner Volmer und Anke Staar (Stellvertreterin) sowie Anika Cyrus, Stellvertretende Vorsitzende der Stadtelternschaft der Gesamtschulen, Hauptschulen und Sekundarschulen.

DORTMUND

, 17.02.2017, 10:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Werner Volmer und Anke Staar vertreten als Vorsitzende der Dortmunder Stadteltern die Interessen der Mütter und Väter von Schulkindern.

Werner Volmer und Anke Staar vertreten als Vorsitzende der Dortmunder Stadteltern die Interessen der Mütter und Väter von Schulkindern.

Das Landesministerium gibt an, dass 1,8 Prozent der Unterrichtsstunden in NRW ausfallen. Was sagen Sie dazu?

Werner Vollmer: 1,8 Prozent Unterrichtsausfall sind nicht glaubhaft. Das widerspricht komplett der Wahrnehmung. Die große Diskrepanz liegt in der Definition. Für mich ist Unterrichtsausfall immer dann, wenn eine vorgesehene Stunde nicht erteilt wird. Ausfallende Stunden können für die Schüler durchaus auch ein Highlight sein und gehören zum Schulalltag dazu. Wir dürfen aber nicht die Statistik dazu benutzen, ein Problem kleinzureden. Auf diese Weise geht viel zu viel effektive Lernzeit verloren.

Anika Cyrus: Es sind definitiv mehr als 1,8 Prozent der Unterrichtsstunden, die ausfallen!

Was sind Ihrer Meinung oder Erfahrung nach Hauptursachen für Unterrichtsausfall?

Anika Cyrus: Hauptursache ist der Lehrermangel. Dadurch können Lücken durch Krankheit und Klassenfahrten, an denen mehrere Lehrer teilnehmen müssen, nicht geschlossen werden.

Anke Staar: 200 Referendare werden eingestellt, das wird groß gemeldet. Aber wie viele Lehrer sind dafür in Ruhestand gegangen oder aus anderen Gründen ausgeschieden? Es gibt dafür zu wenig Ausgleich und zu wenig Kapazitäten für Vertretungen. Wenn ein Fach deshalb über lange Zeit ausfällt, dann ist das ganz schwer zu kompensieren.

Wie ließe sich dem Stundenausfall entgegenwirken?

Anika Cyrus: Es müssten mehr Lehrer eingestellt werden. Eventuell solche, die als Springer zwischen Schulen arbeiten und bei Bedarf angefordert werden können. Oder gibt es so etwas schon? *

Anke Staar: Vertretungs- und Selbstlernstunden sind manchmal unvermeidlich, wir fordern aber dafür mehr Qualität. Aufgaben, die für die ausfallenden Stunden gestellt werden, bringen gar nichts, wenn das nicht später kontrolliert wird. Wenn klar ist, dass ein Lehrer eine Woche lang ausfällt, beispielsweise wegen einer Klassenfahrt, dann sollte für den Vertretungslehrer Material hinterlassen werden.

Selbst fachfremd vertretene Stunden sind besser als nichts. Wenn in der Mathestunde ein Philosophie-Lehrer ein philosophisches Problem erörtert, bringt das auf jeden Fall mehr als irgendwelche Spielchen. Grundsätzlich lässt sich das Problem nur mit mehr Personal, am besten mit einem Lehrer-Vertretungspool lösen. Uns wird dazu immer gesagt, es gibt keine Lehrer auf dem Markt.

Aber es müssten nicht unbedingt Lehrer sein, die die Lage entschärfen. Schulassistenten könnten die Lehrer an vielen Stellen entlasten, um mehr Kapazitäten für die eigentliche Aufgabe zu schaffen. Lehrern wird heute so viel aufgebürdet an Statistik und Evaluation, da böte sich vieles an für eine Entlastung.

* Für Grundschulen stellt das Schulamt einen so genannten Vertretungspool bereit. Zu Vertretungen bei den weiterführenden Schulen teilt die Bezirksregierung Arnsberg mit: „Im Gegensatz zu den Grundschulen gibt es für die anderen Schulformen keinen Vertretungspool. Hier werden Ausfälle unter anderem durch Vertretungen aus dem bestehenden Lehrkörper, durch Abordnungen aus benachbarten Schulen oder durch kurzfristige Vertretungseinstellungen aufgefangen.“

Die wichtigsten Infos zum Projekt:

  • Der „Unterrichtsausfall-Check“ ist ein Projekt der Ruhr Nachrichten mit dem gemeinnützigen Recherchezentrum Correctiv. Jeder kann sich nach einer einmaligen Anmeldung an der Datensammlung beteiligen. 
  • Erfassungszeitraum ist der 1. bis 31. März. Öffentlicher Auftakt  ist am 23. Februar (Donnerstag), 19 Uhr im Lensing-Carrée Conference Center, Silberstraße 21. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht nötig. Dort wird genau erklärt, wie die Erfassung funktioniert. 
  • Wir begleiten das Projekt mit einer fortlaufenden Berichterstattung zu aktuellen Schul-Themen und Zwischenberichten zur Datensammlung. Auch der von vornherein nicht eingeplante Unterricht wird Thema. Anmeldung für den Newsletter und ab 23.2. für die Datenbank unter www.unterrichtsausfall-check.de

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt