Was Sie über die Flüchtlings-Situation in Dortmund wissen müssen

Neue Unterkunft geplant

Rund 2500 Flüchtlinge sind am Sonntag und in der Nacht zu Montag in Dortmund angekommen. Mit Bussen wurden sie auf andere NRW-Städte verteilt. Die Stadt rechnet in dieser Woche mit weiteren Flüchtlingen. Was der Krisenstab jetzt plant und was Sie über die Flüchtlings-Situation wissen müssen, erklären wir an dieser Stelle.

DORTMUND

, 07.09.2015, 02:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Was Sie über die Flüchtlings-Situation in Dortmund wissen müssen

Rund 2000 Flüchtlinge sind am Sonntag in Dortmund angekommen.

Was passierte in der Nacht zu Montag?

Der letzte Zug mit Flüchtlingen erreichte Dortmund kurz vor 0 Uhr am späten Sonntagabend. Rund 150 Personen waren laut der Stadt in ihm unterwegs, auch sie kamen ins Dietrich-Keuning-Haus. Besondere Vorkommnisse habe es nicht gegeben.

Ein weiterer Zug hätte um 1.51 Uhr Dortmund erreichen können, so war es ursprünglich geplant. Bereits am frühen Sonntagabend hatte es aber bei einer Pressekonferenz im Dortmunder Rathaus geheißen, dass Düsseldorf die wahrscheinlichere Endstation des Zuges werden würde. Auf dem Weg der Amtshilfe hätte man Düsseldorf gebeten, sich um die in dem späten Zug anreisenden Menschen zu kümmern.

Tatsächlich erreichte laut DPA-Informationen in der Nacht ein Zug den Düsseldorfer Hauptbahnhof, 105 Menschen seien dort versorgt worden.

Was ist am Wochenende passiert?

Die Nachricht der bevorstehenden Ankunft von rund 2500 Flüchtlingen löste am Samstagabend und in der Nacht zu Sonntag eine Welle der Hilfsbereitschaft aus, wie sie Dortmund lange nicht erlebt hat. Hunderte Helfer warteten in der Nacht zu Sonntag im Hauptbahnhof auf die Ankunft der Züge. Sie machten sich nützlich, indem sie teilweise in eindrucksvollen Menschenketten Sach- und Lebensmittelspenden verluden. 

Überschattet wurde der Einsatz für die Flüchtlinge am Hauptbahnhof von einer Kundgebung von knapp 30 Rechtsextremisten gegen die Aufnahme von Asylbewerbern, die unter lautem Gegenprotest am Samstagabend an der Katharinentreppe stattfand.

Noch bis spät in den Sonntagabend fuhren Züge in Dortmund ein. Mit dem letzten Zug um 0.15 Uhr kamen 110 Flüchtlinge am Dortmunder Hauptbahnhof an. Insgesamt sind am Wochenende rund 2500 Flüchtlinge in Dortmund eingetroffen.

Die Hilfsbereitschaft sei nach wie vor ungebrochen, erklärte Volker Stall, Pressesprecher der Bundespolizei, auf Anfrage. Ausschreitungen wie am Samstagabend habe es am Sonntag und in der Nacht zu Montag nicht gegeben. Die in Dortmund ankommenden Menschen konnten sich zwischenzeitlich im Dietrich-Keuning-Haus erholen. Anschließend wurden sie mit Bussen in andere NRW-Städte gebracht. 

Auf einer Pressekonferenz am Sonntagabend bedankte sich Oberbürgermeister Ullrich Sierau bei allen Helfern. Die Stadt rechnet in den kommenden Tagen mit weiteren Flüchtlingen. Schon in der Nacht zu Montag sollten zwei weitere Flüchtlingszüge Dortmund erreichen. 

Was wird heute wichtig?

Im Laufe des Tages wird bekannt gegeben, ob und wie viele Flüchtlingszüge angesichts der angespannten Lage am Münchener Hauptbahnhof wieder Dortmund ansteuern werden. Es ist davon auszugehen, dass weitere in den nächsten Tagen ankommen.

Die Stadt ist bereit, eine Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber (EAE) in Hacheney mit 900 Plätzen plus 100 Notplätzen einzurichten, um die Flüchtlinge menschenwürdig aufzunehmen. Das Land wird die Außenstelle betreiben. Der Standort, an dem zunächst Tragluftzelte aufgestellt werden, wird erst am Montag nach Gesprächen mit Bezirksvertretern bekanntgegeben.

Nach Informationen unserer Redaktion liegt er außerhalb von Wohngebieten. Die Politik will der Verwaltung dafür den Rücken stärken. Auf Initiative der CDU-Fraktion soll Oberbürgermeister Ullrich Sierau eine Sondersitzung für nächsten Montag (14.9.) einberufen, wenn die Ratsfraktionen ohnehin im Rathaus tagen.

Eine Herausforderung von dieser Dimension, so CDU-Fraktionschef Ulrich Monegel, sei kein laufendes Geschäft der Verwaltung. Der Rat wolle ein Bekenntnis zum Standort der geplanten Außenstelle und zum Gesamtkonzept abgeben, das möglicherweise über mehrere Jahre tragen müsse.

Über das Vorhaben soll die Verwaltung in der Sondersitzung des Rates umfassend informieren. Man geht davon aus, dass die Flüchtlinge in der künftigen Außenstelle auf das Kontingent, das die Stadt an dauerhaft unterzubringenden Asylbewerbern hat, angerechnet wird. Bislang musste die EAE in Hacheney schon acht Mal geschlossen werden, weil sie mit 350 Plätzen hoffnungslos überfüllt war. Das hatte zu Kritik beim Land und bei Teilen der lokalen Politik geführt.

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