Steht das Dortmunder Casino auf der Kippe?

rnSpielbank Hohensyburg fürchtet um Zukunft

Die Spielbank Hohensyburg ist schon lange keine Goldgrube mehr. Sowohl die Erlöse als auch die Besucherzahlen sind dramatisch eingebrochen. Die geplante Privatisierung verunsichert die Mitarbeiter zusätzlich. Und sie trifft auch die Stadt.

Dortmund

, 03.06.2018, 04:57 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Spielcasino auf der Hohensyburg durchlebt schwere Zeiten. Die Euphorie der Anfangsjahre ist schon lange verflogen. Nach der Eröffnung Mitte 1985 stiegen die Bruttospielerträge (Einnahmen abzüglich der Spielgewinne) Jahr für Jahr kontinuierlich an. Der Höhepunkt war 2000 erreicht, als das Casino rund 97 Millionen Euro einfuhr. Man glaubte, eine Goldgrube geschaffen zu haben. Ein Irrtum. Nach dem Aufstieg ging es ebenso steil wieder bergab: 2017 ist der Bruttospielertrag auf 23,5 Millionen Euro zusammengeschmolzen.

Parallel dazu gingen auch die Besucherzahlen in den Sinkflug, und das deutlich: Im Jahre 2000 strömten rund 1,2 Millionen Gäste aus allen Teilen NRWs und darüber hinaus in den Glücksspielpalast auf dem Burgberg – 2016 waren es gerade noch 280.000. Wie der Rückgang zu erklären ist? Ein Experte, der namentlich nicht genannt sein möchte, sieht einen der Gründe in der wachsenden Konkurrenz durch Internet-Casinos und -Glücksspiele.

Ein anderer Grund seien „Managementfehler“: Es sei über einen langen Zeitraum hinweg zu wenig investiert und modernisiert worden. „Das fällt der Westpiel-Gruppe als Eigentümer jetzt auf die Füße“, heißt es. Zudem habe 2006 ein Spielcasino in Duisburg eröffnet – auch das dürfte etliche Glücksritter aus Dortmund abgezogen haben.

Privatisierungsbeschluss verunsichert Hohensyburg-Belegschaft

Für zusätzliche Verunsicherung unter den rund 250 Casino-Beschäftigten auf der Hohensyburg sorgt der Beschluss der NRW-Landesregierung, die landeseigene Westspiel-Gruppe mit ihren vier Häusern in Duisburg, Aachen, Bad Oeynhausen und Dortmund an einen Privaten zu verkaufen.

„Das kann eigentlich nur zulasten der Arbeitsplätze gehen“, fürchtet Dirk Marek, Betriebsratsvize auf der Hohensyburg. Seine Sorge: Ein privater Spielhallen- und Casinobetreiber wie etwa die Firma Gauselmann aus dem westfälischen Espelkamp werde personalintensive Spielangebote wie Roulette, Poker oder Black Jack zurückfahren und stattdessen stärker auf Automatenspiele setzen. „Dafür braucht man weniger Mitarbeiter.“

Zudem sei die Zahl der Automaten, die in einem Casino aufgestellt würden, „nicht reglementiert“. Obendrein fragt Marek, wie ernst es einem privaten Betreiber mit dem Spielerschutz sei. Die Westspiel-Gruppe habe 2017 ihre NRW-Casinos für rund 280 Spielsucht-gefährdete Gäste gesperrt. Der Staat habe die Aufgabe, das Glücksspiel in geordnete Bahnen zu lenken. „Macht das ein Privater auch?“, fragt Marek.

SPD sieht Verkauf der Spielbank kritisch

In der SPD-Landtagsfraktion stoßen die Verkaufsabsichten auf wenig Gegenliebe. „Wir sehen das überaus kritisch“, sagt Nadja Lüders, die Dortmunder Landtags-Abgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Sie fürchte, dass es am Ende nicht allein um einzelne Arbeitsplätze gehen werde. Bei einem Verkauf werde der Standort insgesamt gefährdet. „Ich bin wirklich besorgt, dass die Türen zugehen.“ Für kommenden Donnerstag, 7. Juni, ist eine Anhörung im Finanzausschuss des Landtages zu den Verkaufsabsichten geplant.

Das Privatisierungsverfahren werde in drei Einzelprozessen ablaufen, erklärte das NRW-Finanzministerium auf Anfrage dieser Redaktion. Im ersten Schritt werde die landeseigene NRW-Bank mit einer europaweiten Ausschreibung einen „Transaktionsbeauftragten“ suchen. Darüber hinaus werde ein Verfahren zur Änderung des NRW-Spielbankgesetzes auf den Weg gebracht. Im dritten Schritt folge dann das eigentliche europaweite Ausschreibungs- bzw. Bieterverfahren für Westspiel. Eine Prognose zur Zeitdauer könne in „diesem frühen Stadium noch nicht gegeben werden.“

Verkauf nur als Einheit

Fest stehe, dass Westspiel als Einheit verkauft werde - eine Veräußerung einzelner Spielbanken an unterschiedliche Bewerber scheide aus. Die Kunstwerke in den Casinos würden aber nicht mitveräußert, heißt es im Finanzministerium. Ein Hinweis darauf, dass Westspiel in der Vergangenheit bereits zwei Andy Warhol-Gemälde zu Geld machen musste. Weitere Verkäufe soll es nun nicht mehr geben. Stattdessen sollen „bedeutsame Kunstwerke für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden“, teilt das Ministerium mit.

Die Spielbank-Leitung war angesichts der aktuellen Pläne zu keiner Stellungnahme bereit. Auch Westspiel in Duisburg zeigt sich zugeknöpft. „Wir kommentieren die Überlegungen des Landes nicht“, sagt Sprecher Marco Lippert auf Anfrage. Trotz des Defizits von 2,9 Millionen Euro im Jahr 2016 sei Westspiel im Kern eine „hochprofitable Gruppe“, sagt Lippert.

Weniger Geld aus der Spielbank für die Stadtkasse

Auch bei der Stadt macht man sich Sorgen. Bislang durfte der Kämmerer jedes Jahr zwölf Prozent des Bruttospielertrages aus dem Hohensyburger Casino für seinen Haushalt einplanen. Allerdings: Der Euro-Strom, der sich lange Zeit von der Hohensyburg in die Stadtkasse ergoss, ist über die Jahre zu einem Rinnsal geschmolzen. Im Jahr 2000 kassierte die Stadt noch satte 14,68 Millionen Euro Spielbankabgabe - 2017 sind es gerade noch 2,827 Millionen Euro.

Besser als gar nichts, mag sich der Kämmerer sagen. „Sollte die Spielbankabgabe künftig entfallen, fordern wir Ersatz“, kündigt Verwaltungssprecher Michael Meinders an. Schließlich seien Spielbanken von Gewerbe- und von Vergnügungssteuer befreit. Daher sei die Spielbankabgabe der Ausgleich für entgangene Steuereinnahmen der Städte. Zudem müsse gesehen werden, dass die Spielbank ein „wichtiger Attraktivitätsfaktor für Dortmund“ sei. Sollte es zu einem Verkauf an Dritte kommen, so Meinders, seien auch „Garantien für eine Standortsicherung zu verhandeln.“

Die Westspiel-Gruppe gehört der landeseigenen NRW-Bank. 2016 fuhr Westspiel in NRW 81,3 Millionen Euro Bruttospielerträge ein. Die Hälfte (gut 40 Millionen Euro) überwies die Gruppe im Rahmen der Spielbankabgabe ans Land. Die weiteren gut 40 Millionen Euro verblieben zur Deckung der Ausgaben (u.a. der Personalkosten) bei Westspiel. Daraus ergab sich am Ende ein Minus von 2,9 Millionen Euro. Aus dem Geschäftsjahr 2017 wird ein ähnlich hoher Fehlbetrag erwartet. Das jeweilige Defizit gleicht wiederum das Land NRW aus.
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Die von der Landesregierung geplante Privatisierung der NRW-Spielbanken bereitet nicht nur den Mitarbeitern des Casinos Hohensyburg Sorgen, sondern auch der Stadt Dortmund – aus einer ganzen Reihe von Gründen. Von Oliver Volmerich

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