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Das bringt die IGA 2027 für Dortmund

rnPläne für die Internationale Gartenausstellung

Die Internationale Gartenausstellung ist keine Blümchenschau. Sie zeigt, wie wir morgen im Grünen leben. Was ist machbar, wie werden die Arbeitsplätze der Zukunft aussehen? Die Finanzierung ist noch nicht ganz in trockenen Tüchern. Wir verraten trotzdem, was die IGA bringen will.

Dortmund

, 05.06.2018 / Lesedauer: 4 min

So richtig gute Erinnerungen hat man in Dortmund nicht an die letzte Bundesgartenschau in der Stadt. 33 Millionen Euro steckte die Stadt in die Blümchenschau, zu der 1991 statt der erhofften 3,9 Millionen Besucher nur 2,2 Millionen in den Westfalenpark kamen. Doch die Internationale Gartenschau 2027 ist mit einer klassischen Buga wohl nicht zu vergleichen.

„Die IGA ist keine Blümchenschau. Es geht um Strukturentwicklung“, sagt Karola Geiß-Netthöfel, Regionaldirektorin des Regionalverbands Ruhr (RVR), der die städteübergreifenden Pläne für die IGA 2027 vorantreibt. Das Konzept für die IGA erinnert denn auch eher an die Internationale Bauausstellung (IBA), die von 1989 bis 1999 städtebauliche Akzente gesetzt und das Bewusstsein für den Wert der Industriekultur im Ruhrgebiet städteübergreifend geweckt hat.

Einen ähnlichen Effekt erhoffen sich die Planer von der Internationalen Garten-Ausstellung, die wie die IBA das gesamte Ruhrgebiet umfassen soll – wenn auch erneut mit einem Schwerpunkt im Emscherraum. „Wir wollen das neue Bild der Region zeigen“, sagt Karola Geiß-Netthöfel. Und wie die IBA solle die IGA „dauerhafte und nachhaltige Effekte bringen“.

Gutachter erwarten bis zu 9000 neue Arbeitsplätze

Dass dies gelingen kann, hat der RVR nun sogar schwarz auf weiß – in Form eines Gutachtens des Bochumer Ruhr-Forschungsinstituts für Innovations- und Strukturpolitik (RUFIS). Es hat im Auftrag des RVR eine Prognose zu den gesamt- und regionalwirtschaftlichen Effekten der IGA in der Metropole Ruhr geliefert.

Die kurzgefasste Erkenntnis: Durch die IGA können bis zu 9000 neue Arbeitsplätze entstehen, mehr als 70 Prozent davon in der Metropole Ruhr. Die direkten und indirekten Produktions- und Einkommens-Effekte werden auf bis zu 800 Millionen Euro beziffert.

Die Autoren der Studie unterscheiden zwischen kurz- und mittelfristigen sowie langfristigen Effekten und verschiedenen Phasen der Entwicklung. In der Bauphase vor 2027 müssen Flächen gestaltet, Wege und Gebäude gebaut und Gärten angelegt werden. Es entstehen also Jobs vor allem in der Bauwirtschaft und im Garten- und Landschaftsbau. 168 Millionen Euro sollen dafür aus öffentlichen Mitteln investiert werden.

Dortmunder Zukunftsgarten entlang der Emscher

Dortmund soll dabei in besonderem Maße profitieren. Auf rund 50 Millionen Euro werden allein die Investitionen für den Zukunftsgarten „Emscher Nordwärts“ beziffert – neben dem Rheinpark in Duisburg und dem Nordsternpark in Gelsenkirchen einer von drei zentralen Bereichen der Gartenausstellung. Es ist ein klassisches Städtebau-Projekt.

Denn im Mittelpunkt steht die Neunutzung des früheren Geländes von Hoesch-Spundwand (HSP). Die Brache soll mit Hilfe der IGA aufblühen – neue Wohnviertel und Arbeitsplätze im Grünen sollen entstehen, alte Industriebauten belebt werden. Immer unter der zentralen IGA-Fragestellung „Wie wollen wir morgen leben?“.

Das bringt die IGA 2027 für Dortmund

„Emscherschlösschen“ wird diese alte Industriehalle auf dem verlassenen HSP-Gelände genannt. Auch sie soll mit der IGA 2027 neu belebt werden. © Volmerich

Eine Kranbahn-Anlage als Palmengarten ist dabei nur eine von vielen Ideen, die sich am Band der Emscher in Richtung Norden aneinanderreihen. Denn der Zukunftsgarten reicht von der Rheinischen Straße über einen Grünzug entlang der Emscher bis zur Kokerei Hansa in Huckarde mit dem Deusenberg. Ein spektakuläres Wegekreuz soll entstehen, die Museumsbahn vom Nahverkehrsmuseum am Mooskamp über eine alte Güterbahn-Trasse bis zur Rheinischen Straße rollen.


Das IGA-Konzept für Dortmund - klicken Sie auf die Zahlen für mehr Infos:

Bestehende Parks werden aufgemöbelt

Doch die IGA geht über die Zukunftsgärten hinaus. Unter dem Titel „Unsere Gärten“ sollen weitere Flächen hergerichtet werden – in Dortmund Fredenbaumpark, Revierpark Wischlingen und das „Parkkreuz Phoenix“, das vom Westfalenpark über Phoenix-West bis zum Botanischen Garten und zum Phoenix-See reicht. Die Halde Zollern in Bövinghausen wird zum Naturparadies, die Arbeitergärten der Siedlung vor der Museumszeche sollen wiederbelebt werden. Das alles muss bis 2027 geplant und gebaut werden.

Die Ausgaben im Präsentationsjahr 2027 werden IGA-weit auf 88 Millionen Euro beziffert. Zwischen 3 und 4,2 Millionen Besucher werden an den IGA-Standorten erwartet, rund 200.000 Übernachtungen in der Region.

Offen ist, ob sich die Hoffnungen erfüllen. Bei der IGA 2017 in Berlin blieben im vergangenen Jahr die Besucherzahlen unter den Erwartungen. Statt der erwarteten 2,4 Millionen, kamen – bedingt wohl auch durch das schlechte Sommerwetter – nur 1,6 Millionen Besucher auf das IGA-Gelände im Stadtteil Marzahn. Auch dort spricht man aber von langfristigen Effekten durch die investierten 125 Millionen Euro.

Das bringt die IGA 2027 für Dortmund

Vom Bahnhof Mooskamp nördlich der Kokerei Hansa soll die Museumsstraßenbahn bis zur Rheinischen Straße fahren. © Heimann

Wie viele Gäste auch immer kommen. Profitieren dürfte im IGA-Präsentationsjahr 2017 vor allem das Hotel- und Gastronomiegewerbe, aber auch der Einzelhandel. „Es entstehen Job, die dringend gebraucht werden“, erklärt Karola Geiß-Netthöfel. „Und jeder Euro, der öffentlich investiert wird, wird fast vervierfacht“. Denn neben den Arbeitsplatzeffekten sollen auch private Investitionen angestoßen werden.

Die Studie liefert dazu eine „Input/Output-Analyse“ – nach dem Motto „Was wird reingesteckt und was kommt heraus“. Nicht alles lässt sich dabei beziffern. „Insbesondere die Lebens- und Umweltbedingungen sowie die Wohn- und Immobilienqualität werden auf allen Ebenen der IGA Metropole Ruhr gesteigert“, heißt es im Fazit der Studie.

Warten auf eine Finanzierungszusage des Landes

Die Hoffnung wächst, dass das auch die Landesregierung so sieht und die IGA wie erhofft mit Millionensummen fördert. Ministerpräsident Armin Laschet sehe ein deutliches Potenzial in der IGA für die Strukturverbesserung, interpretiert Karola Geiß-Netthöfel die aktuelle Kommunikation mit der Landesregierung. Die IGA könnte ein Thema für die von Laschet angekündigte Ruhrkonferenz werden.

Möglichst rasch soll dann eine verbindliche Vereinbarung mit dem Land unterzeichnet werden, auf dessen Basis dann auch die Finanzpläne präzisiert und die beteiligten Städte entscheiden können.

Allerdings drängt die Zeit. Das Projekt IGA ist auf zehn Jahre angelegt. Die Uhr bis 2027 läuft also schon. Möglichst bald muss deshalb eine Durchführungsgesellschaft an den Start gebracht werden, die die Planungen vorantreibt. „Am besten gestern“, sagt Geiß-Netthöfel.

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