Corona in Dortmunder Behinderten-Werkstätten: Träger zieht die Notbremse

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In den Werkstätten Gottessegen in Dortmund haben sich in den letzten Wochen Corona-Infektionen, -Verdachtsfälle und Quarantänen gehäuft. Mitarbeiter sind um ihre Gesundheit besorgt.

Kirchhörde, Mengede

, 06.11.2020, 17:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Mitarbeiter der Werkstätten Gottessegen in Kirchhörde hätten Angst, sagt ein anonymer Anrufer im Gespräch mit dieser Redaktion. Es gebe mehrere Corona-Infizierte und -Verdachtsfälle. Einige Mitarbeiter seien bereits in Quarantäne, die übrigen sorgten sich um eine Ansteckung im Betrieb.

Beim Gesundheits- und Ordnungsamt könne oder wolle auf Nachfrage der Beschäftigten niemand helfen. Auch die Verantwortlichen des Christopherus-Haus e.V., zu dem die Werkstätten in Kirchhörde gehören, seien für sie nicht erreichbar.

Eine katastrophale Situation für die Beschäftigten mit geistiger oder körperlicher Behinderung, die nicht nur am Dortmunder Hauptstandort in Kirchhörde, sondern auch am Nebenstandort in Mengede in den Werkstätten tätig sind.

Werkstätten müssen wegen Corona schließen

Auf Anfrage dieser Redaktion bestätigt Anke Gerwing als Pressesprecherin der Werkstätten Gottessegen, dass es mehrere Corona-Fälle gebe. Wie viele genau, konnte sie bis Freitagabend (6.11.) nicht sagen. Nur so viel: „Innerhalb der letzten drei Tage mussten mehrere Arbeitsgruppen geschlossen werden, in denen es positive Corona-Fälle gab.“

Alle Mitarbeiter dieser Arbeitsgruppen und weitere Erstkontakt-Personen seien vorsorglich in Quarantäne geschickt worden. Im Laufe des Donnerstags (5.11.) seien dann in den Werkstätten Gottessegen weitere Corona-Fälle gemeldet worden.

Auch die Zweigstelle in Mengede muss ab Montag vorsorglich schließen.

Auch die Zweigstelle in Mengede muss ab Montag vorsorglich schließen. © Christopherus-Haus

Obwohl auch hier alle Kontaktpersonen vorsorglich in Quarantäne geschickt und teilweise sogar Schnelltests vor Ort gemacht wurden, die aber negative Ergebnisse hatten, sei die aktuelle Situation dem Christopherus-Haus zu unsicher.

„In Absprache mit dem Dortmunder Gesundheitsamt, das in alle Entscheidungen und Testungen eingebunden war, und dem Kostenträger LWL werden die Werkstätten Gottessegen an den Standorten in Dortmund ab dem 9. November für voraussichtlich drei Wochen geschlossen“, sagt Anke Gerwing.

Risiko für Mitarbeiter zu hoch

Angesichts der immer neuen Höchststände der Corona-Neuinfektionen, die das Robert-Koch-Institut täglich herausgebe, sei das Risiko, dass sich Mitarbeiter der Werkstätten mit und ohne Unterstützungsbedarf mit dem Coronavirus anstecken, einfach zu groß geworden. Zumal es bereits Fälle gebe.

Und das trotz der strikten Einhaltung des Hygienekonzeptes in allen Bereichen. Veranstaltungen und Konferenzen seien abgesagt worden. Begegnungen der Mitarbeiter wurden auf ein Minimum reduziert.

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„Masken tragen, Hände waschen, Desinfektion von Händen, Türklinken und Arbeitsflächen und der allgemeine aufmerksame abstandhaltende Umgang miteinander ist allen Mitarbeitern mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen“, sagt Anke Gerwing.

Bei insgesamt circa 650 Mitarbeitern mit Behinderung an jeweils zwei Standorten in Dortmund und Bochum seien strenge Maßnahmen und die Einhaltung aller Regeln essentiell für den reibungslosen Betrieb.

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Werkstätten möchten Infektionsketten unterbrechen

Da die Maßnahmen aktuell dennoch weder in den Werkstätten noch andernorts ausreichen, um alle zu schützen, habe man sich zu der Schließung entschlossen. „Die Werkstätten Gottessegen sehen sich aufgrund der aktuellen Situation zu dieser vorbeugenden Maßnahme verpflichtet, um mögliche Infektionsketten innerhalb der Werkstätten zu unterbrechen“, erklärt Anke Gerwing.

Der Werkstattladen in Kirchhörde und die Zweigwerkstatt in Bochum-Wattenscheid bleiben indes geöffnet. Die Mitarbeiter der geschlossenen Bereiche, ihre Eltern, Angehörigen und Betreuer seien noch im Laufe des Freitages über die Schließung informiert worden. Auch die Firmen, die Arbeitsaufträge in den Werkstätten Gottessegen bearbeiten lassen, seien informiert, so Anke Gerwing.

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