Bankfilialen sind wegen des Coronavirus dicht: Senioren verzweifeln an Geldautomaten

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Dramatische Szenen vor einer Sparkassen-Filiale in Dortmund: Senioren können den Geldautomaten nicht bedienen und brechen in Tränen aus. Die Sparkasse bietet eine Alternative, an Geld zu kommen.

Kirchlinde

, 24.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Geldinstitute wie die Volksbank oder die Sparkasse haben ihre Filialen in den Dortmunder Vororten wegen des Coronavirus geschlossen. Lediglich die Hauptstellen in der Innenstadt bleiben geöffnet und mit Mitarbeitern besetzt.

In den äußeren Stadtbezirken müssen sich Bankkunden mit Geldautomaten und Online-Banking begnügen. Gerade für die älteren Dortmunder ist das ein großes Problem.

„Viele haben keine Möglichkeit, in die Innenstadt zu fahren“, sagt Günter Scheller vom Seniorenbeirat Huckarde. „Andere zu bitten ist auch nicht leicht – wem sollen sie ihre Pin anvertrauen, wenn sie weder Kinder noch Partner haben?“

Viele Senioren versuchen, ihre Bankgeschäfte weiterhin auf eigene Faust zu regeln – obwohl sie als Risikogruppe das Haus so wenig wie möglich verlassen sollten. Günter Scheller hat vor der Sparkassen-Filiale in Kirchlinde dramatische Szenen beobachtet.

Senioren schubsen und rempeln

„Senioren, die Geld abheben wollten, kamen gar nicht in die Nähe des Automaten, dort ging es hoch her“, sagt Günter Scheller. Wer den Automaten nicht schnell genug bediente, lief Gefahr von anderen angerempelt oder weggeschubst zu werden.

„Viele haben den Krieg erlebt – wenn es ums Geld geht, sind sie empfindlich“, erklärt Scheller. „Sie haben Panik, nichts mehr zu bekommen.“

Zudem sei es für einige Senioren problematisch, dass die Karten inzwischen anders herum einzustecken seien als zuvor. Kein Problem, wenn Mitarbeiter vor Ort sind, derzeit jedoch eine kleine Katastrophe.

„Einige standen den Tränen nahe vor dem Automaten, andere haben wirklich angefangen zu weinen“, sagt Günter Scheller. Er wolle keinesfalls die Banken kritisieren, jedoch auf die Schwierigkeiten aufmerksam machen.

Senioren können Bankgeschäfte telefonisch und per Post regeln

Sein Vorschlag: Die Banken könnten die Filialen auch in Corona-Zeiten einmal wöchentlich für Senioren öffnen, um ihnen die Sicherheit bei Bankgeschäften zurückzugeben. Das sei derzeit keine Option, sagt jedoch eine Sparkassen-Sprecherin auf Anfrage.

„Damit versuchen wir, unsere Mitarbeiter und Kunden – speziell die Risikogruppe – zu schützen“, erklärt sie. Dennoch gebe es eine Möglichkeit für Sparkassen-Kunden, die die Geldautomaten nicht bedienen können, Geld abzuheben oder zu überweisen.

„Telefonisch unter (0231) 183 0 können Kunden Bargeld in Höhe von maximal 500 Euro bestellen“, erklärt die Sprecherin. „Das Geld wird dienstags und freitags zwischen 9 und 13 Uhr zu den Kunden nach Hause geliefert. Der Service kostet 12 Euro.“

Überweisungen können in die Briefkästen aller Beratungs-Center der Sparkasse Dortmund eingeworfen werden. Die Volksbank Dortmund-Nordwest verweist indes aufs Online-Banking sowie den VR-SISy-Schalter, einen Bankservice per Video-Übertragung (Mo-Fr: 8-18 Uhr). Einen bedienten Kassenservice gebe es weiterhin in Mengede, Am Amtshaus 22.

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