Wegen des Brexits: Zahlreiche Dortmunder Briten beantragen deutsche Staatsbürgerschaft

rnEU-Austritt

Die scheinbar endlose Hängepartie hat ein Ende. Großbritannien tritt endgültig aus der EU aus. Sowohl für Unternehmen als auch für in Dortmund lebende Briten sind die Folgen immens.

Dortmund

, 31.01.2020, 15:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist so weit: Um Mitternacht zum 1. Februar (Samstag) verlässt Großbritannien endgültig die Europäische Union. Im Laufe des jahrelangen Prozesses war das politische Treiben in London gelenkt von hitzigen Debatten und personellen Wechseln.

Sowohl für etliche Unternehmen als auch für zahlreiche in Dortmund lebende Briten bedeutet der Austritt weitreichende Veränderungen.

Starker Anstieg der Einbürgerungsanträge

Deutschlandweit erhöhte sich die Anzahl der Briten, die unmittelbar nach dem Referendum im Jahr 2016 die deutsche Staatsbürgerschaft erhielten, um 162 Prozent.

Waren es 2016 noch 2865 Personen, die eingebürgert wurden, so verzeichnete das Statistische Bundesamt für das Folgejahr bereits 7493 vergleichbare Vorgänge.

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Auch an Dortmund ist diese Entwicklung nicht vorbeigegangen. Die Stadt registriert seither einen immensen Anstieg der von Briten gestellten Einbürgerungsanträge.

Ende 2019 lebten laut Pressesprecher Maximilian Löchter 610 Personen mit der Staatsangehörigkeit „Vereinigtes Königreich“ in Dortmund. Dazu zählen Engländer, Waliser, Schotten und Nordiren.

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Seit dem 23. Juni 2016, dem Tag des Brexit-Referendums, haben 213 Briten einen Einbürgerungsantrag gestellt, so Löchter. Davon erhielten schlussendlich 187 Personen tatsächlich die deutsche Staatsbürgerschaft.

„Unternehmen müssen wachsam bleiben“

Für die Dortmunder Unternehmen, die entweder über einen Standort in Großbritannien verfügen, oder Geschäftsbeziehungen ins Vereinigte Königreich unterhalten, beginnt am 1. Februar ein neuer Countdown.

Denn dann startet die Übergangsphase, in der Großbritannien noch Mitglied des EU-Binnenmarktes und der Zollunion bleibt.

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Diese endet im Dezember 2020. In der IHK-Region gibt es rund 300 Unternehmen, die über Handelsbeziehungen mit Großbritannien verfügen. Zu diesen zählen unter anderem Wilo, Materna und Dula International.

Zwar werden sich die Auswirkungen des Brexits in der Übergangsphase zunächst in Grenzen halten, erklärt der Präsident der Dortmunder Industrie- und Handelskammer Heinz-Herbert Dustmann. „Aber angesichts der unklaren Lage ab 2021 sollten die Unternehmen wachsam bleiben.“

Hunderte Unternehmen in der Region betroffen

Allerdings habe der gesamte Prozess bereits Spuren hinterlassen und ohnehin sei NRW stärker vom Brexit betroffen als andere Bundesländer, so Dustmann. Im Vorfeld des EU-Austritts sank das Exportvolumen von Januar bis November 2019 in Nordrhein-Westfalen um 12,1 Prozent.

„Die drohenden Belastungen für die regionale Wirtschaft müssen in den anstehenden Verhandlungen minimiert werden“, sagt der IHK-Präsident.

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