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Weihnachtsgeschäft lief für Dortmunds Händler gemischt

Einzelhandel

Große Händler in Dortmund sind mit dem Weihnachtsgeschäft sehr zufrieden, kleine nicht unbedingt. Auch, weil die Adventszeit sehr kurz war und Verkaufstage fehlten. Die Rabatte nach Weihnachten werden aber noch für Umsatz sorgen. In den nächsten Jahren ist für die Einzelhändler eines unerlässlich.

DORTMUND

, 29.12.2017 / Lesedauer: 4 min
Weihnachtsgeschäft lief für Dortmunds Händler gemischt

Zwischen Weihnachten und Neujahr ist traditionell viel los in der Dortmunder City. Unangenehm voll ist es in der Fußgängerzone jedoch nicht. © Oliver Schaper

Wer in diesen Tagen aus der Dortmunder Innenstadt nach Hause zurückkehrt, wird von den Daheimgebliebenen garantiert gefragt, ob es voll war. Hier die Antwort für alle Fragesteller: Ja, es ist voll. Aber, nein, richtig unangenehm voll, sodass die zentrale Achse zum Westen- und Osten-Höllweg würde, ist es auch wieder nicht. Viele Menschen bummeln mit leicht gefüllten Tragetaschen und entspanntem Gesichtsausdruck daher, sie wirken – so darf das zum Jahresende mal sein – zufrieden.

Black Friday und Cyber Monday leerten Geldbeutel

Und die Händler, sind die auch zufrieden? Für den Online-Handel sei das Weihnachtsgeschäft „super“ gewesen, sagte am Donnerstag (28.12.) Thomas Schäfer, Geschäftsführer des Handelsverbands NRW Westfalen-Münsterland. Für den stationären Handel in Dortmund sei es „ein normales Jahr“ gewesen, nicht überall seien die prognostizierten Zahlen erreicht worden.

Massenrabatt-Aktionen wie der „Black Friday“ und der „Cyber Monday“ Ende November hätten bereits vor Beginn des Weihnachtsgeschäfts „den Geldbeutel der Verbraucher geleert“, sagt Schäfer. Der dennoch glaubt: „Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr wird noch für viele zufriedene Gesichter im Handel sorgen.“

Große Händler sind mit Weihnachtsgeschäft zufrieden

Ein „sehr gutes Weihnachtsgeschäft“ meldete Karstadt-Filialgeschäftsführer Thomas Schlich, „sehr zufrieden“ äußerte sich Steffen Siewert, Chef von Galeria Kaufhof in Dortmund. Und bei C&A freut sich der stellvertretende Filialleiter Dirk Obermeyer über ein „super Jacken-Geschäft und ein super Strickwaren-Geschäft“. Auch bei anderen Bekleidungshändlern hat spätestens der Wintereinbruch am zweiten Dezemberwochenende das Geschäft mit Winterkleidung belebt.

Von kleineren Händlern erhielt Thomas Schäfer öfter die Rückmeldung, sie seien mit dem Weihnachtsgeschäft nicht zufrieden. Häufig auch mit dem Verweis darauf, dass sie wegen der kurzen Adventszeit Umsatz einbüßten.

Die im Vergleich zu 2016 um sechs Tage kürzere Adventszeit beim Umsatz aufzuholen, „ist schwer“, sagt Nicole Ostermann von „Violas‘ Gewürze & Delikatessen“ an der Kleppingstraße. Davon abgesehen berichten sie und ihre Kollegin Nicole Weinert jedoch von einem „sehr guten Weihnachtsgeschäft“.

Dortmunder kauften gezielter Weihnachtsgeschenke

Ob die Dortmunder mehr oder weniger in Geschenke investierten als im Vorjahr, lässt sich pauschal nicht sagen. Thomas Schäfer vom Handelsverband berichtet aus Gesprächen mit Händlern: „Es wird offensichtlich weniger geschenkt.“

Dortmunds Kaufhof-Chef Steffen Siewert hat beobachtet, „dass die Leute mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben“. Unisono berichten indes viele Händler, dass gezielter geschenkt wurde. „Die Leute machen sich vorher Gedanken, hochwertige Artikel werden auch früher bestellt“, sagt etwa Juwelier Rudolf Tewes, der ein gutes Geschäft verzeichnete. Auch Siewerts Eindruck ist, dass viele Kunden überlegter schenkten – oder lieber Gutscheine kauften. Die waren bei vielen Händlern wie in den Vorjahren stark gefragt.

Kein Online-Shop ist „sträflich“ in manchen Branchen

Es ist eine Binsenweisheit, wenn Schäfer sagt: „Wer als stationärer Händler nicht auch im Internet zumindest präsent ist, kann vom Onlineboom nicht profitieren.“ Kunden müssten auf einer Website sehen können, welche Produkte ein Händler führt. „Das ist ein Werbemedium, ein Schaufenster für jeden Händler“, sagt auch Matthias Hilgering vom gleichnamigen Weinhaus. Für seine Branche sagt er sogar, dass es ohne Online-Shop nicht mehr gehe, „das wäre sträflich“.

Kaufhof-Chef Siewert hat beobachtet, dass Kunden die Vorzüge des Online- und des stationären Handels mehr und mehr verbinden. Sprich: Viele Kunden des Warenhauses ließen sich inzwischen Produkte in die Filiale liefern oder dort reservieren. Die „Verfügbarkeit“ von Waren im Geschäft sei für Kunden immens wichtig, so Siewert.

„Gefühlt ist immer Sale“ in der Innenstadt

Die vielen Kunden, die nach Weihnachten wieder die Dortmunder Innenstadt bevölkern, kommen, um Geschenke umzutauschen. Wenngleich früher mehr umgetauscht wurde, wie viele Händler berichten.

Die Kunden lösen also vor allem Gutscheine und Bargeldgeschenke ein – und profitieren von Prozenten gerade bei den Bekleidungshändlern. Die haben nicht nur die Preise, sondern auch ihre Schaufenster optisch reduziert: Bei Tom Tailor stehen lediglich zwei Puppen mit weißem Shirt und dem Aufdruck „Sale“ im Fenster, bei Anson’s ist die Glasfront gleich völlig mit Prozente-Plakaten zugepflastert.

Nicht nur bei C&A „brummt der Bär“ (O-Ton Dirk Obermeyer) wegen der reduzierten Ware, sondern bei vielen Händlern. Das ist aber nicht neu, „nach Weihnachten wollen die Händler die Verbraucher zusätzlich locken“, sagt Handelsverbands-Geschäftsführer Schäfer. Wobei auch für ihn inzwischen „gefühlt immer Sale ist“; eine heikle Sache sei das. „Es gibt immer weniger Menschen, die bereit sind, den regulären Preis zu bezahlen.“

Besonders häufig seien Uhren, Schmuck, Parfums gekauft worden, berichten viele Händler. Auch Spielwaren standen hoch im Kurs. Und Bekleidung geht natürlich immer. Der Handelsverband hebt hervor, dass neben Feinkost und Wohnaccessoires auch Blumen wieder stärker gefragt waren. „Das heißt, die Menschen machen es sich wieder gemütlich zu Hause und feierten in schöner Umgebung mit gutem Essen im Kreise der Familie“, sagt Handelsverbands-Geschäftsführer Thomas Schäfer.
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