Wie weit kommt man auf Dortmunds Weihnachtsmarkt mit EC-Karte? Wir haben es getestet

rnWeihnachtsstadt Dortmund

Auf dem Weihnachtsmarkt in Dortmund laden rund 300 Stände zum Geldausgeben ein. Doch was ist, wenn einem das Bargeld ausgeht? Wie weit kommt man mit einer EC-Karte? Wir haben es getestet.

von Johannes Bauer

Dortmund

, 26.11.2019, 12:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Besuch der Dortmunder Weihnachtsstadt geht schnell ins Geld. Hier eine Bratwurst, dort eine Tasse Glühwein und die ersten Weihnachtseinkäufe kann man auch gleich erledigen.

Doch was passiert, wenn einem das Bargeld ausgeht? Kann man an den Ständen des Dortmunder Weihnachtsmarktes auch mit der EC-Karte oder gar mit dem Smartphone zahlen?

Für einen Test haben wir bei 18 Ständen auf dem Hansaplatz, am Alten Markt und rund um die Reinoldikirche nachgefragt. Das Ergebnis: Nur drei Stände akzeptierten neben Bargeld auch andere Zahlungsmittel. Bei der Frage, ob die Kunden überhaupt mit Karte zahlen wollen, gehen die Meinungen der Betreiber auseinander.

Räucherfisch nur gegen Barzahlung

„Wir haben eher ältere Kundschaft. Da ist der Prozentsatz an Leuten, die mit Karte zahlen wollen, so gering, das rechtfertigt den Aufwand nicht“, meint Gerhard Hans von der Waldecker Forellen- und Aalräucherei mit Stand auf dem Hansaplatz.

Wie weit kommt man auf Dortmunds Weihnachtsmarkt mit EC-Karte? Wir haben es getestet

Gerhard Hans verkauft geräucherten Fisch auf dem Weihnachtsmarkt. Kartenzahlung würde den Aufwand nicht lohnen, meint er. © Johannes Bauer

Direkt nebenan, im „Chiemseer Stamperltreff“, steht Matthias Stöger hinter dem kleinen Ausgabefenster, die Hände gemütlich in die Jackentaschen gesteckt. Noch ist wenig los, der große Andrang beginnt erst am Abend – und da könne er mit Kartenzahlung nicht arbeiten.

„Wenn es abends turbulent zugeht, funktioniert die Abhandlung mit Bargeld einfach schneller“, erklärt Stöger und schiebt eilig hinterher: „Wir machen das jetzt seit 30 Jahren und fast niemand hat überhaupt nach Kartenzahlung gefragt.“

Einsatz von Kartenlesegeräten umstritten

An Buden mit Ausschank hört man diese beiden Argumente häufig. Glühwein nur gegen Bargeld – das gilt zumindest für die fünf Stände, bei denen wir nachgefragt haben. Noch. Denn zumindest Rudi Isken möchte ab nächstem Jahr in seiner runderneuerten Hütte an der Marienkirche Kartenzahlung anbieten.

Ob sich das lohnt? „Das ist eine reine Serviceleistung. Die Nachfrage ist extrem gering, ich glaube nicht, dass sich das rentiert“, so Isken. Sein Großvater hatte die Idee, Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt auszuschenken, im Jahr 1969 überhaupt erst nach Dortmund gebracht. Damals zahlte noch jeder in bar. Heute machen Apps wie „Google Pay“ auch aus dem Smartphone ein Zahlungsmittel.

Wie weit kommt man auf Dortmunds Weihnachtsmarkt mit EC-Karte? Wir haben es getestet

Rudi Isken will in seiner Glühwein-Hütte ab kommendem Jahr Kartenzahlung anbieten. © Johannes Bauer

Nicht alle sind von der Digitalisierung bei der Bezahlung begeistert, weiß Weihnachtsstadt-Geschäftsführerin Verena Winkelhaus: „Gerade Schausteller und Marktkaufleute kämpfen für die Erhaltung von Bargeld.“ Im Vergleich zum Einzelhandel seien die Standbetreiber in der Weihnachtsstadt deshalb zögerlich beim Thema Kartenzahlung.

Schlechte Erfahrung mit Kartenzahlung schreckt Sibylla Dietrich ab

Besonders vorsichtig sind alle, die mit bargeldloser Bezahlung bereits schlechte Erfahrungen gemacht haben. Sibylla Dietrich gehört dazu. Eingehüllt in zwei Daunenjacken steht sie an der Theke des Glühweinstands „Alt Dortmund“.

Als sie über Kartenzahlung redet, verzieht sie die Mundwinkel kurz nach unten: „Wir haben das System ausprobiert, als es noch nicht ausgereift war. Einmal war das Netz überlastet und hat meinem Onkel die kompletten Tageseinnahmen versemmelt.“ Das sei zwar viele Jahre her, aber Barzahlung ist ihr trotzdem noch lieber.

Wie weit kommt man auf Dortmunds Weihnachtsmarkt mit EC-Karte? Wir haben es getestet

Sibylla Dietrich hat an ihrem Glühweinstand schlechte Erfahrungen mit Kartenzahlungen gemacht. © Johannes Bauer

Ein paar Stände, die Kartenzahlung anbieten, gibt es in der Weihnachtsstadt aber doch. An einem von ihnen schauen der Belegschaft hunderte leblose Augen bei der Arbeit zu. Es ist der Puppenstand Kumquats am alten Markt. Auf den Regalen sitzen bunt angezogene Stoffpuppen und blicken auf das Ehepaar Zellmann hinunter.

Katja und Stephan sind dieses Jahr zum ersten Mal als Mitarbeiter dabei. Die zusätzliche Möglichkeit, per Karte zu zahlen, hätten die Betreiber bereits vor zwei Jahren eingeführt. Und trotz der geringen Erfahrung ist sich Katja Zellmann sicher: „Die Kunden finden es besser.“

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