Welche Kosten könnten auf Dortmund zukommen?

Europameisterschaft 2024

Anpfiff oder Abpfiff? Kommende Woche muss die Politik entscheiden, ob die Stadt endgültig ins Bewerbungsrennen um die Fußballeuropameisterschaft 2024 einsteigt - oder ob Dortmund als Spielort außen vor bleiben soll. Wir erklären, was die Sache so kompliziert macht.

DORTMUND

, 01.07.2017 / Lesedauer: 5 min
Welche Kosten könnten auf Dortmund zukommen?

Das Stadion Rote Erde könnte eine Art Medienzentrum werden. Dafür muss Geld in die Hand genommen werden.

Im September entscheidet der Deutsche Fußballbund (DFB), in welchen zehn deutschen Stadien gespielt werden soll, wenn Deutschland den Zuschlag für die EM 2024 bekommt. Warum hat Dortmund noch keine Bewerbung eingereicht?

Bis vor Kurzem hatten die Stadtspitzen kaum eine Handhabe, einigermaßen seriös die Kosten zu beziffern, die im Falle einer erfolgreichen Bewerbung auf Dortmund zukommen. Unmut hatte vor allem die Forderung des DFB ausgelöst, die Stadt möge ihn bei Organisation und Vorbereitung des Turniers „auf eigene Kosten bestmöglich unterstützen.“ Die Stadtspitzen haben das als eine Art Blankoscheck interpretiert, der nach oben offen sei. Verschärfend kam hinzu, dass sich die Stadt einem „Hoppla-Hopp-Verfahren“ ausgesetzt sah: Nach Vorstellungen des DFB sollten alle Bewerbungen bis zum 12. Juni eingereicht werden. Dagegen gab es Widerstand. Inzwischen hat der DFB die Frist bis Montag, 10. Juli, verlängert. Danach gibt es allerdings keine Möglichkeit mehr, ins Rennen einzusteigen.

Und jetzt herrscht mehr Klarheit über die Kosten, die auf die Stadt zurollen?

Nur bedingt. Es hat diverse Gespräche mit dem DFB gegeben. Dabei wird teilweise auf Erfahrungswerte aus Frankreich zurückgegriffen, das Gastgeber der EM 2016 war. Zumindest hat die Verwaltung versucht, den Ratsfraktionen für ihre Beratungen am kommenden Montag allererste Zahlen zu liefern. Dabei geht es um notwendige Maßnahmen rund ums Stadion. Dafür ist die Stadt zuständig – für alle weiteren Um- und Einbauten innerhalb des Stadions ist es der BVB. So kalkuliert die Verwaltung in einem ersten Aufschlag mit Kosten von 4,36 Millionen Euro, die bis 2024 auf rund 6,4 Millionen Euro steigen könnten.  

Welche Maßnahmen sind das?

Mehrere. Da wäre beispielsweise der sogenannte äußere Sicherheitsring mit Zaun, Licht und Beschallung, der rund um den Signal Iduna Park aufgebaut werden muss. Teile der Westfalenhalle müssen ebenso angemietet werden wie Parkplatzbereiche im Umfeld der Halle. Auch im Stadion Rote Erde werden Maßnahmen fällig, dort soll eine Art Medienzentrum entstehen.

Das heißt also, die Stadt kommt im Falle einer Bewerbung gar nicht daran vorbei, eigenes Geld zu investieren?

Darauf läuft es hinaus. Die Frage ist nur, in welcher Höhe. Zumindest sind die Stadtspitzen bemüht, den anfangs vom DFB geforderten „Blankoscheck“ zu umgehen. Sie versuchen, die bislang errechneten Kosten von bis zu 6,4 Millionen Euro auf einem anderen Weg wieder einzuspielen. Sie will vereinbaren, dass der BVB die Ausgaben der Stadt Dortmund in seine Stadionmiete einkalkuliert, die er der Uefa als Ausrichter des Turniers in Rechnung stellt. Für diesen Weg möchten sich die Stadtspitzen nächste Woche das „Okay“ aus der Politik holen – dann stünde der offiziellen Bewerbung nichts mehr im Wege.

Kann das funktionieren, spielt die Uefa da mit?

Das ist die große Unbekannte. Der DFB zumindest soll deutlich gemacht haben, dass er sich bei der Uefa für „kostendeckende Stadionmieten“ stark machen will. Eines ist aber auch klar: Funktioniert der Weg nicht, bleiben die Kosten eben doch an der Stadt hängen. Der BVB jedenfalls will in dem Fall für alle Maßnahmen rund ums Stadion freigestellt werden.

Könnten noch weitere Kosten auf die Stadt zurollen?

Davon muss man seriöserweise ausgehen. Niemand, auch nicht in der Stadtverwaltung, kann in der heutigen Situation zuverlässig prognostizieren, welche Anforderungen die Uefa in ein Sicherheitskonzept packt, das erst in sieben Jahren greifen soll. Wer kann heute schon sagen, ob die Uefa weitere Anforderungen an die Infrastruktur stellt? Darüber hinaus gibt es noch ganz andere Kostenblöcke, die zu einem späteren Zeitpunkt zu betrachten sind. Etwa die Organisation von Fan-Festen oder begleitenden Kulturprogrammen. Hinzu kommen Aufwendungen für ein EM-Büro, für Hostessen, für die Entsorgung und vieles mehr. Bei der WM2006 beliefen sich die Aufwendungen im Zusammenhang mit dem WM-Büro auf rund vier Millionen Euro. Zudem gab es Infrastrukturmaßnahmen wie etwa den Neubau von Brücken über Ardeystraße und B54. Maßnahmen, die der Stadt bis heute zugute kommen. Sie waren insgesamt 23 Millionen Euro schwer, von denen die Stadt rund 15 Millionen Euro getragen hat.

Und wo liegt umgekehrt der Profit, wenn Dortmund an der Euro 2024 teilnimmt?

Die Verwaltung hebt auf verschiedene Untersuchungen ab. Sie zeigen, dass alle Städte, die Spielorte eines internationalen Turniers sind, große Werbewirkung und Beachtung finden. Die wirtschaftlichen Vorteile seien enorm: Bei der EM 2016 in Frankreich etwa seien in den einzelnen Städten Umsätze zwischen 66 und 221 Millionen Euro erwirtschaftet worden – im Handel, im Hotel- und Gaststättenbereich usw. Die Botschaft, die dahintersteckt: Die Chancen, die die Euro 2024 für Dortmund mit sich bringt, sind größer als die Risiken – auch, wenn die noch nicht in vollem Umfang beziffert werden können.

Wie geht es nun weiter?

Die Zeit ist knapp, bis Montag, 10. Juli, muss Dortmund seine Bewerbung eingereicht haben. Die Entscheidung trifft eigentlich der Rat der Stadt. Der aber tagt erst am Donnerstag, 13. Juli. Das heißt: Die Würfel müssen vorher fallen. Kommenden Montag, 3. Juli, beraten die Ratsfraktionen über die Beschlussvorlage, für die OB Ullrich Sierau vor den Politikern noch einmal in den Ring steigen wird. Einen Tag später, am Dienstag, 4. Juli, steht der Verwaltungsvorschlag im Sonderältestenrat auf dem Prüfstand – entscheiden kann das Gremium über die Bewerbung aber nicht. Ebenso wenig der Finanzausschuss, der sich am Donnerstag, 6. Juli, mit dem Thema befasst. Für OB Sierau geht es darum, sich ein sicheres Stimmungsbild zu verschaffen – um dann, im Falle der Zustimmung aus der Politik, gemeinsam mit CDU-Fraktionschef Ulrich Monegel eine Dringlichkeitsentscheidung des Rates zu unterschreiben. Die muss schnellstmöglich auf die Reise zum DFB nach Frankfurt geschickt werden.

Und dann gehört Dortmund automatisch zu den Spielorten für die Euro 2024?

Noch nicht ganz. Am 15. September wählt der DFB jene zehn deutschen Stadion aus, in denen gespielt werden soll. Man rechnet mit bis zu 14 Bewerbern – inklusive Dortmund. Ein Jahr später, im September 2018, ist die Uefa am Zug und entscheidet endgültig welches Land die Euro 2024 ausrichten soll: Deutschland oder die Türkei.

Lesen Sie jetzt