Welche Stadtfirmen-Chefs um ihren Job zittern müssen

Auslaufende Verträge

Chefsessel zu vergeben: Bis Ende 2018 laufen etliche Verträge von Vorständen und Geschäftsführern wichtiger städtischer Unternehmen aus. Die Politik will nach der Sommerpause erste Personalpläne schmieden. Einige Chefs müssen um ihre Jobs bangen, andere sitzen hingegen fest im Sattel. Ein Überblick.

DORTMUND

, 21.06.2016 / Lesedauer: 2 min

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Bei diesen Führungskräften laufen die Verträge aus

Es wird spannend: Bis Ende 2018 laufen mehr als ein halbes Dutzend Verträge von Führungskräften bei der Stadt, Stadt-Töchtern und in kommunal geprägten Betrieben aus.
20.06.2016
/
Dr. Frank Brinkmann (49) ist kaufmännischer Geschäftsführer der Dortmunder Energie und Wasser (DEW21). Sein Vertrag endet 2017. Die Zeichen stehen wohl auf Abschied. Der Vertrag von Dr. Brinkmann ist zuletzt im März 2014 verlängert worden. Allerdings nicht mehr um die volle Laufzeit von fünf Jahren. Brinkmann gilt als ausgewiesener Energie-Experte an der Spitze von DEW21, hatte in DSW21-Chef Guntram Pehlke von Beginn an einen mächtigen Gegenspieler und sich während seiner Zeit in Dortmund auch im Rathaus nicht nur Freunde geschaffen. © Foto: Dieter Menne
Uwe Samulewicz (60) ist Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Dortmund. Sein Vertrag endet 2017. Zu einem möglichen weiteren Engagement über 2017 hinaus gibt es derzeit aktuell keine Auskünfte. Seit 1992 gehört Samulewicz dem Vorstand der Sparkasse an, im Juli 2002 wurde er Vorstandsvorsitzender. Für die Dortmunder Politik gilt der Sparkassenchef als „sichere Bank“. © Foto: Dieter Menne
Manfred Kossack (63) ist Arbeitsdirektor der Dortmunder Stadtwerke (DSW21). Sein Vertrag endet Ende September 2018. Er kann sich ein weiteres Engagement vorstellen. Voraussetzungen: Die Arbeitnehmer – sie haben das Vorschlagsrecht für die Besetzung des Arbeitsdirektor-Postens – müssen Kossack erneut vorschlagen. Und: Kossack möchte weiterhin seine Doppelfunktion bei DSW21 und bei DEW21 ausfüllen. Kossack ist seit 2008 Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor bei DSW21. © Foto: Andreas Teichmann
Klaus Niesmann (50) ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Entsorgung Dortmund (EDG). Sein Vertrag endet 2018. Nach aktuellem Stand ist aber keine politische Mehrheit erkennbar, den Vertrag von Klaus Niesmann nicht verlängern zu wollen. Er dürfte also im Amt bestätigt werden. Seit Anfang 2009 leitet Niesmann, der sich selbst eher im Hintergrund hält, die Geschicke der EDG. Dabei gilt das Verhältnis zum Minderheitsgesellschafter DSW als nicht unkompliziert. © Foto: Dieter Menne
Jörg Stüdemann (59) ist Stadtdirektor, Kulturdezernent, Personaldezernent und Kämmerer der Stadt Dortmund. Sein Vertrag endet im März 2018. Ob er sich nach Auslaufen seiner Amtszeit Anfang 2018 für eine Wiederwahl zur Verfügung stellt, bleibt vorerst offen. In der Politik zumindest geht man davon aus – sie erwägt aber auch, 2018 ein Personaldezernat mit einem eigenen Dezernenten zu installieren. Seit September 2000 steht Stüdemann in Diensten der Stadt Dortmund und führt mehrere Dezernate gleichzeitig© Foto: Peter Bandermann
Frank Hengstenberg (47) ist Geschäftsführer der Entsorgung Dortmund (EDG). Sein Vertrag endet 2018. Zuletzt ist sein Vertrag verlängert worden, allerdings nicht mehr um volle fünf Jahre. Das weitere Engagement von Frank Hengstenberg bei der EDG über 2018 hinaus ist daher vorerst offen. Im März 2010 aus der CDU-Ratsfraktion zur EDG gewechselt hat sich Frank Hengstenberg als kaufmännischer Geschäftsführer beim kommunalen Entsorger etabliert.© Foto: Knut Vahlensieck
Hubert Jung (61) ist Verkehrsvorstand der Dortmunder Stadtwerke (DSW21). Sein Vertrag endet 2017. Bis vor Kurzem gingen Teile der Politik davon aus, dass sich Hubert Jung, 2003 zu DSW21 gestoßen, nach drei Amtszeiten als Verkehrsvorstand zurückziehen würde. Inzwischen hat Hubert Jung deutlich gemacht, länger bleiben zu wollen.© Foto: Knut Vahlensieck
Schlagworte "44137-Dortmund,

„Bis Frühjahr 2017 müssen die ersten Durchsagen kommen“, kündigt CDU-Fraktionschef Ulrich Monegel an. Denn in dem Jahr stehen auch die ersten Entscheidungen an. Und die Signale müssen früh kommen: Vorstände und Geschäftsführer von Stadt-Töchtern, deren Spielzeiten sich dem Ende zuneigen, müssen ein Jahr (bzw. ein dreiviertel Jahr) vorher informiert werden, wo es für sie lang gehen soll. Entweder direkt in den Ruhestand, zu einem anderem Unternehmen – oder aber ihre auf fünf Jahre befristeten Verträge werden um eine Laufzeit von zweieinhalb bzw. drei Jahren verlängert. Alles ist möglich.

Die Entscheidung darüber trifft der Rat der Stadt. Er spielt die erste Geige, nach deren Melodie sich die Gesellschafterversammlungen und Aufsichtsräte der jeweiligen Unternehmen zu richten haben. Sie kommen erst im Nachgang an die Reihe, um die Entscheidung des Rates zu bestätigen - diese Reihenfolge war nicht immer so. Nach der Sommerpause wollen die beiden größten Ratsfraktionen SPD und CDU beginnen, sich die Karten fürs politische Farbenspiel zu legen.

„Wir werden dabei langfristig denken und Personalpakete schnüren müssen“, sagt jemand aus der Politik, der ungenannt bleiben möchte. Es wird ein Poker im erster Linie zwischen SPD und CDU, der seinen Höhepunkt erreicht, wenn beide Lager ihre Personalkarten über Kreuz legen.

Lesen Sie jetzt