Weltmarktfirma aus Dortmund findet im Krisenmodus neue Alternativen

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Die Tintometer GmbH produziert Messgeräte und Stoffe für die Wasseranalytik. Kurzarbeit gibt es dort nicht. Im Gegenteil: Man plant schon für die Zeit nach der Corona-Krise.

Dortmund

, 10.08.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ganz klar, so eine Krise muss für eine Weltmarktfirma wie Tintometer Auswirkungen haben. Das Aplerbecker Unternehmen der Familie Voss produziert und liefert Messgeräte, Tabletten und Pulver für die Wasseranalytik. Der Zusammenbruch des weltweiten Flugverkehrs führt zu Absatzproblemen und Umsatzverlusten. Dafür haben sich aber auch andere Geschäftsfelder aufgetan.

„Als zu Beginn der Corona-Pandemie Desinfektionsmittel in Deutschland nicht zu kaufen waren, haben wir überlegt und gesagt: Das können wir doch selbst herstellen“, sagt Dr. Elmar Grabert, Prokurist der Firma. Die Einführung von Kurzarbeit für die 250 Beschäftigten sollte an der Schleefstraße nur das letzte Mittel der Wahl sein.

Dr. Elmar Grabert von der Tintometer GmbH in Dortmund

Prokurist Dr. Elmar Grabert zeigt hier ein Reagenzglas mit einer Flüssigkeit zur Messung der organischen Belastung des Abwassers. Die Tintometer GmbH vertreibt solche und auch andere Produkte zur Messung von Inhaltsstoffen im Wasser weltweit. © Peter Wulle

Tatsächlich wurden im April und Mai rund 7000 Liter Desinfektionsmittel produziert und verkauft. „So konnten wir unser Umsatzminus etwas kompensieren“, sagt Elmar Grabert. Kurzarbeit ist bis heute kein Thema bei Tintometer.

Tintometer beliefert 80 Prozent der Kreuzfahrtschiffe

„Krisen“, so sagt der Firmenchef Cay-Peter Voss, „haben wir in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder erlebt. Wir haben früh auf Eigentum gesetzt, sind schuldenfrei. Das bringt uns Sicherheit. Zudem haben wir eine breite Risikostreuung und beliefern 170 Länder.“

Benötigt werden die Tintometer-Produkte, die unter dem Markennamen Lovibond vertrieben werden, in den unterschiedlichsten Branchen: zur Untersuchung von Trinkwasser, in Kläranlagen zur Abwasser-Untersuchung, bei industriellen Wasseranwendungen, bei der Wasserprüfung in Schwimmbädern oder auch in der Schifffahrt.

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„Wir beliefern 80 Prozent der Kreuzfahrtschiffe, auf denen allein bis zu zehn Tonnen Wäsche am Tag gewaschen werden. Das Wasser dafür muss wieder aufbereitet und getestet werden“, sagt Cay-Peter Voss. Mit Corona ist dieser Geschäftszweig zwar abrupt abgestorben, aber: „Dafür haben wir im privaten Bereich eine deutlich gestiegene Nachfrage, weil viele sich Pools in den eigenen Garten bauen“, so Elmar Grabert.

Tabletten-Abfüllung bei der Tintometer GmbH in Dortmund

Tabletten zur Wasseranalytik werden bei der Tintometer GmbH hergestellt und verpackt. Insgesamt produziert das Unternehmen 4000 verschiedene Artikel. In der Corona-Krise kam mit Desinfektionsmittel ein weiterer dazu. © Peter Wulle

Weil es auch gelungen ist, nach dem immensen Anstieg der Frachtkosten im Luftverkehr andere Transportwege zu finden, ist der Umsatz nicht so eingebrochen, wie befürchtet. Zudem gelang es, die eigenen Produktionsprozesse sehr schnell den Erfordernissen der Corona-Pandemie anzupassen.

„Wir haben Mitarbeiter in Hongkong. Die haben uns schon sehr früh vor dem Virus gewarnt und auch gesagt: Passt auf, euch geht das Toilettenpapier aus“, sagt Elmar Grabert.

Tintometer plant Erweiterung am Standort in Aplerbeck

Übers Wochenende wurde im März ein Schichtbetrieb eingeführt, Homeoffice eingeführt und es wurden Arbeitsplätze weiter auseinander gezogen und Videokonferenzen etabliert. „Zudem“, so der Prokurist, „haben wir die Krise sofort genutzt, um vier interne Projekte umzusetzen, die uns im Wettbewerb mit Asien besser machen.“

Unter dem Markennamen Lovibond vertreibt die Tintometer-Gruppe ihre Produkte.

Unter dem Markennamen Lovibond vertreibt die Tintometer-Gruppe ihre Produkte. Der Name geht zurück auf den Firmengründer Lovibond, der das Unternehmen 1885 in England gründete. Seit 50 Jahren ist Firma bereits in Dortmund ansässig. © Peter Wulle

Aufgrund der breiten Anwendung der Geräte und Chemikalien zur Messung von Wasserinhaltsstoffen, die von Kläranlagen in Indonesien bis hin zu Dortmunder Pool-Besitzern nachgefragt werden, setzt man bei Tintometer weiter auf Expansion.

Oberbürgermeister (OB) Ullrich Sierau gegenüber erklärte Elmar Grabert bei einem Besuch: „Wir sind hier vor Corona schnell gewachsen und arbeiten in beschränkten Baulichkeiten. Wir wollen uns jetzt hier am Standort erweitern.“

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Die Vorbereitungen dafür werden jetzt getroffen. Den OB freut diese Perspektive, denn 60 Prozent der Beschäftigten in der Produktion sind ungelernte Kräfte. Genau solche Arbeitsplätze gibt es in Dortmund noch zu wenige. In spätestens zwei Jahren will die Tintometer GmbH die neuen Gebäude in Betrieb nehmen.

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