Weltmeister steht für TU-Wissenschaftler fest

rnWissenschaftler berechnen Ausgang der Fußball-WM

Noch bevor bei der Fußball-WM in Russland der erste Ball rollt, steht in Dortmund der Gewinner bereits fest. Geht es nach Wissenschaftlern der TU Dortmund, lässt sich der Ausgang der WM nämlich berechnen. Blöd nur: Die Fakultäten kommen zu verschiedenen Ergebnissen.

Dortmund

, 14.06.2018, 11:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ein Kampf der wissenschaftlichen Giganten, oder genauer gesagt: Die Physik legt sich mit der Statistik an. Und bei dieser knallharten Auseinandersetzung geht es ausgerechnet um das wichtigste aller Themen: Fußball. Denn sowohl die Statistiker der Technischen Universität Dortmund als auch Dr. Metin Tolan, seines Zeichens Professor für experimentelle Physik an der TU, haben die Weltmeisterschaft anhand modernster Forschungsmethoden schon mal durchgespielt und wissen bereits, welche Mannschaft am 15. Juli den Titel bejubelt. Wissenschaftlich fundiert, versteht sich. Das Blöde: Sie kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Statistiker setzen auf Spanien

Für die Damen und Herren der Fakultät Statistik steht längst fest: Spanien macht‘s! Die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende die Iberer den Pokal gen Moskauer Himmel stemmen, beträgt satte 17,8 Prozent. Um auf diesen exakten Wert zu kommen, entwickelten die Anhänger der Lehre von Methoden zum Umgang mit quantitativen Informationen (hört, hört), ein eigenes Modell.

In das flossen Erkenntnisse der WM 2014 ebenso ein wie solche der Europameisterschaften 2012 und 2016; erweitert wurde das Arbeitspapier um 32 Wahrscheinlichkeiten für den Turniersieg, eine Überlebenswahrscheinlichkeit für die verschiedenen Gruppen und den wahrscheinlichsten Turnierverlauf. Danach spuckte der Computer ein einziges Wort aus: Spanien. Mit einer Titelchance von nur 17,1 Prozent liegt Deutschland stattliche 0,7 Prozentpunkte dahinter. Das dürfte kaum aufzuholen sein.

Metin Tolan glaubt an Deutschland

Wobei – und hier gerät der Unstudierte ins Grübeln – Deutschland laut Modell eigentlich das stärkste Team stellt und Spanien oder Brasilien im direkten Vergleich sogar bezwingen würde. Gäbe es da nicht den ebenfalls wissenschaftlich relevanten, mit schweren Gegnern bestückten „Turnier-Ast“, über den Jogis Jungs stolpern.

Ob Prof. Metin Tolan besagten Ast wohl vergessen hat? Gut möglich, denn der Physiker hat nach ausführlichen Berechnungen einen ganz anderen Weltmeister als die Statistiker der TU ermittelt. Es ist – fertig machen zum Jubeln: Deutschland. Und das nicht etwa mit lächerlichen 17,8, sondern mit stattlichen 32 Prozent. Die Physik, sie lebe hoch!

Den PC mit Daten gefüttert

Auf Turnier-Äste, Überlebenswahrscheinlichkeiten und ähnliches Zeug verzichtete der Professor bei seinen Forschungen kurzerhand und zog stattdessen die Qualifikationsergebnisse aller Mannschaften zurate. Damit wurde der PC gefüttert, die WM simuliert und – schwuppdiwupp – Deutschland zum Champion erkoren. Sollte dies, Gott bewahre, nicht eintreffen, könne man laut Tolan dafür nicht die Mathematik zur Verantwortung ziehen: „Dann haben die Spieler nicht richtig gespielt.“

Eine (wissenschaftlich nicht ganz fundierte) Umfrage in der RN-Redaktion ergab: Trotz allerhand Hightech und Software vertraut der gemeine Fan noch immer mehr dem Satz „Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten“ des legendären Sepp Herberger. Der hatte zwar nicht studiert, dafür aber Ahnung vom Fußball.

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