„Es ist eine Katastrophe“: Dortmunds Handel leidet schon jetzt

rnLockdown des Freizeit-Sektors

Die Gastronomien bleiben geschlossen, Kontakte sollen reduziert werden. Das spüren auch die Einzelhändler - obwohl sie ihre Geschäfte offen lassen dürfen. Die Rede ist sogar von einem Quasi-Lockdown.

Dortmund

, 03.11.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Abstandhalten fällt deutlich leichter auf dem Westenhellweg. Am Tag eins des so genannten „Lockdowns light“ ist es auf der Einkaufsmeile spürbar leerer als sonst, der Menschenstrom hat abgenommen. „Es ist eine Katastrophe. Wir sind am Monatsanfang, es hat gerade Geld gegeben. Aber, es gibt deutlich weniger Laufkundschaft als üblich“, sagt Tobias Heitmann von der Galerie an der Wißstraße.

Seit wenigen Tagen ist Tobias Heitmann neuer Vorsitzender des Cityrings, der Interessenvertretung der Kaufleute in der Innenstadt. „Mit dem Lockdown in der Gastronomie kommen einfach weniger Besucher in die Innenstadt, weil die Aufenthaltsqualität nicht mehr so gegeben ist“, stellt er fest. Dies führe an manchen Stellen zu einem Quasi-Lockdown auch für den Einzelhandel.

Bestätigt wird das durch Zahlen, die das Datenportal Hystreet ausspuckt, das täglich die Passantenfrequenz auf dem Westenhellweg misst. Statt der durchschnittlich 3450 Menschen sind dort an diesem Montagmittag während einer Stunde nur 1179 Personen unterwegs.

„Der Einzelhandel ist kein Hotspot“

Kein Wunder, dass der Handelsverband NRW sich zur gleichen Zeit mit einem Aufruf an die Medien wendet. „Einkaufen im Einzelhandel ist auch im November weiterhin möglich und nötig“, lautet die Botschaft.

„Der Einzelhandel ist kein Hotspot und Einkaufen auch weiterhin sicher!“, sagt Dr. Peter Achten, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes NRW. „Die Hygiene- und Abstandsmaßnahmen haben sich seit Beginn des ersten Lockdowns bewährt und wurden beständig weiterentwickelt. Unsere Kunden können sich also in den Geschäften absolut sicher fühlen“, ergänzt er.

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Ist das Weihnachtsgeschäft in Gefahr? „Wenn der Lockdown light nicht verlängert wird, kann es der Dezember noch retten“, sagt Tobias Heitmann. Er gibt allerdings zu bedenken, dass viele Familien in diesem Jahr deutliche Einkommenseinbußen hatten oder noch haben und aufs Geld gucken müssen.

Vielleicht, weil es die meisten gastronomischen Angebote in der City derzeit nicht gibt, spürt man in den Discountbäckereien von Backwerk noch keinen allzu großen Kundenrückgang. „Im Vergleich zur vorigen Woche verzeichnen wir gerade 10 bis 15 Prozent weniger Umsätze. Das ist tatsächlich weniger schlimm als gedacht“, sagt Mohammad Jafar Vahdatnejad. Er ist Franchisepartner von Backwerk und betreibt vier Selbstbedienungs-Bäckereien in der Innenstadt.

Zu Monatsbeginn meist bessere Umsätze

Am Monatsanfang allerdings, das sagt Vahdatnejad genauso wie Cityring-Chef Heitmann, hätte der Umsatz auch besser sein können. Für den Rest des Monats, der ja gerade erst begonnen hat, verheißt das vielleicht nichts Gutes.

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„Die Leute müssen sich gezielt in die Innenstadt aufmachen zum Einkaufen. Das wirkt sich natürlich aus. Wir haben 30 Prozent weniger Kunden im Geschäft“, sagt Petra Metzing, Geschäftsführerin von Sawall Moden an der Kleppingstraße. „Wir können nur hoffen, dass die Kunden weiter auf die persönliche Beratung in den Fachgeschäften setzen. Der Einkauf sollte ein Vergnügen bleiben“, so Petra Metzing.

Der Handelsverband NRW sieht, dass „sich eine bereits angespannte Situation bei vielen Händlern verschärft“, und richtet einen klaren Appell an die Dortmunder: „Halten Sie dem Einzelhandel die Treue und kaufen Sie Ihre Weihnachtsgeschenke vielleicht in diesem Jahr schon früher ein!“, sagt der Hauptgeschäftsführer Peter Achten.

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