Das Coronavirus führt dazu, dass sich zeitweise zahlreiche Gewohnheiten verändern. So auch bei der Internet- und Telefonnutzung. Das normale Telefongespräch erlebt eine Renaissance.

Dortmund

, 28.03.2020, 17:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Ausdruck „Home Office“ dürfte in den vergangenen Tagen in beinahe jedem Unternehmen gefallen sein, in dem das Arbeiten von zu Hause aus eine realistische Alternative ist. Wer nicht unbedingt raus muss, hält sich also weitestgehend in den eigenen vier Wänden auf.

Gerade in solchen Zeiten sind Internet und Telefon augenscheinlich wichtiger denn je. Dabei sind erstaunliche Veränderungen zu beobachten, die scheinbar veraltete Praktiken wieder aufleben lassen.

Frühzeitige Reaktion auf erwarteten Anstieg

Konferenzen via Laptop, vermehrte Telefonate und die innerbetriebliche Kommunikation über Chats und Messenger - die Netze für Internet und Telefonie werden derzeit auf eine anspruchsvolle Probe gestellt. Dennoch ist bislang keine Überlastung festgestellt worden, erklärt unter anderem Christian Fischer von der Telekom.

„Es ist zwar grundsätzlich schon ein enormer Anstieg in der Datennutzung bemerkbar, allerdings konnten wir uns eigentlich frühzeitig auf die jetzige Situation vorbereiten“, sagt er. Bereits Anfang des Jahres habe man reagiert und die Kapazitäten erhöht. Deshalb funktioniere die derzeitige Internet- und Mobilfunkversorgung weitestgehend problemlos.

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Derart reibungslos scheint die Situation in manchen Dortmunder Unternehmen allerdings nicht zu sein: „Gerade zu unseren Stoßzeiten zwischen 10 und 12 Uhr gibt es doch das eine oder andere Problem mit unseren Telefonleitungen. Aber ansonsten läuft unsere IT-Infrastruktur ganz solide“, betont Michael Schneider vom Dortmunder Jobcenter.

„Bis zu 100 Prozent der Angestellten ins Home-Office“

Da es aktuell keinen persönlichen Kundenkontakt vor Ort gebe und man lediglich das Telefon und das Internet als Kommunikationsmöglichkeit habe, seien funktionierende Netze für die tagtägliche Arbeit auch unabdingbar.

Gleiches gilt bei der Signal-Iduna-Gruppe. Hier sind laut Sprecherin Ann-Kathrin Wacker bereits rund 60 Prozent der Belegschaft im Home Office. Das Ziel: „Wir arbeiten daran, dies für bis zu 100 Prozent unserer Angestellten zu ermöglichen.“

Erfahrungen aus China helfen bei Umsetzung in Dortmund

Aus rein technischer Sicht ein enormes Unterfangen. Doch man weiß sich offenbar zu helfen. „Unsere IT hat die externen Zugänge zu unserer IT-Infrastruktur noch einmal nachgerüstet, sodass wir komfortabel aufgestellt sind. Damit laufen unsere Zugänge sehr stabil“, unterstreicht Wacker.

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Beim Pumpenhersteller Wilo profitiert man diesbezüglich von Erfahrungen aus China und dem anstehenden Umzug in Dortmund. Dadurch, dass das Unternehmen auch in China zahlreiche Angestellte beschäftigt und so frühzeitig mit den Auswirkungen des Virus konfrontiert wurde, sind in Deutschland rechtzeitig erforderliche Maßnahmen ergriffen worden, betont Sprecher Klaus Hübscher.

Mancherorts sind technische Nachrüstungen erforderlich

„Zudem haben wir wegen des Umzugs ohnehin schon weitreichende Veränderungen in der IT-Infrastruktur vorgenommen. Dies betrifft beispielsweise die Ausstattung der Beschäftigten mit Laptops. Das kommt uns in dieser Phase natürlich zugute. Wir haben demzufolge aktuell keine Schwierigkeiten mit Internet oder Telefonie.“

Die Notwendigkeit einer technischen Nachrüstung ist laut Telekom-Sprecher Christian Fischer keinesfalls ungewöhnlich: „Es kann vorkommen, dass gewisse Server oder Plattformen zunächst nicht für derart steigende Anforderungen ausgelegt sind. Dann können Kapazitäten in den zuständigen Rechenzentren dazugekauft werden.“

Derweil stellt man bei Vodafone zeitgleich ein gänzlich anderes Phänomen fest. Dadurch, dass sich die Menschen überwiegend in den eigenen vier Wänden aufhalten, nimmt das mobile Surfen deutschlandweit ab. „Deutschland surft zu Hause im WLAN und telefoniert auch wieder mehr“, erklärt Sprecher Volker Petendorf.

Deutlich mehr Telefonate über den Festnetzanschluss

Der Grund: „Die persönlichen Telefongespräche mit Freunden, Verwandten und Kollegen nehmen natürlich deutlich zu. Stattdessen fallen im beruflichen Umfeld persönliche Konferenzen, Tagungen und Meetings weg.“

Die Entwicklung lässt sich laut Petendorf auch in Zahlen festhalten: Während es derzeit im Mobilfunk deutschlandweit bereits 38 Prozent mehr Gespräche gibt als an normalen Tagen und abseits der Corona-Krise, haben sich die Gespräche im Festnetz sogar um 50 Prozent gesteigert.

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All diejenigen, die aufgrund der aktuellen Entwicklungen einen Zusammenbruch des Internets oder des Telefonnetzes befürchten, kann der Konzernsprecher beruhigen: „Die Netzte arbeiten sehr stabil und können bei Bedarf auch ein Vielfaches der bisherigen Last aufnehmen.“

Diesen Eindruck bestätigt auch Markus Isenburg vom regionalen Anbieter Dokom 21. Auch beim hiesigen Dienstleister seien deutliche Anstiege in der Telefon- und Internetnutzung bemerkbar.

„Wenn sich die Situation in den kommenden Tagen und Wochen nicht dramatisch verändert, wird es bei der Versorgung aber keine Probleme geben“, unterstreicht Isenburg. Er betont: „Wir überprüfen die Leistungsfähigkeit ständig und können sagen, dass die Netzte grundsätzlich sehr standhaft sind.“

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