Weniger Mode in der City – Design und Lifestyle rücken nach

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Wo Modeanbieter schlossen, ziehen Geschäfte für den gepflegten Lifestyle daheim ein. In der City werden zwei Ladenlokale für Händler von Designer-Möbeln und -Leuchten hergerichtet. Ein Trend?

Dortmund

, 26.08.2020, 11:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nachdem der Modeanbieter Strenesse im vergangenen Jahr in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, Insolvenz anmeldete und das Ladenlokal im Hansa-Carré Ende November schloss, werden die leerstehenden Räume jetzt wieder eingerichtet. Light 11, ein Fachgeschäft für Leuchten und Lichtplanung, kündigt seine Eröffnung an.

Gleiches gilt für das Einrichtungshaus Bo Concept. Das dänische Unternehmen vertreibt moderne Designermöbel - und kommt jetzt auch nach Dortmund. Auch Bo Concept wird Nachfolger eines Modeanbieters und zieht in das einstige Modehaus Deters in den Propstei-Arkaden ein.

Die Light 11 Dortmund GmbH betreibt bisher einen großen Showroom im Inhouse an der B1. Das Geschäft dort wurde 2015 eröffnet. „Inzwischen verzeichnen wir hier aber sinkende Umsätze im Laufkundengeschäft. Die Laufkundschaft gab es hier mal, aber das ist vorbei“, sagt der Store-Leiter Andreas Oschatz. Er spielt damit auf den Wandel des Inhouses an. 2008 mal als exklusives Einrichtungshaus eröffnet, sind dort nach einem Eigentümerwechsel fast alle einstigen Händler von Möbeln oder Wohntextilien ausgezogen.

Hochmoderner Showroom für Designerleuchten

Bei Light 11 laufen inzwischen die Umzugsvorbereitungen auf Hochtouren. Ende September oder Anfang Oktober soll das Geschäft am neuen Standort an der Brauhausstraße 1-5 mitten in der City eröffnet werden. „Das ehemalige Ladenlokal der Modemarke Strenesse wird zurzeit umgebaut zu einem hochmodernen Showroom für Designerleuchten im mittleren bis oberen Preissegment“, sagt Andreas Oschatz.

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Light 11 komme zwar aus dem Onlinehandel, setze aber stark auch auf die Präsentation von Leuchten und die persönliche Beratung der Kunden. „Licht ist ein komplexes Thema, das auch unmittelbar erfahrbar sein muss. Unser Ansatz ist es, das Beste aus dem Einzelhandel mit den digitalen Möglichkeiten des Onlinehandels zu verbinden“, so Andreas Oschatz.

Auf einer Fläche von rund 400 m² mit über 400 Exponaten werden demnächst die neuesten Designerleuchten international bekannter Premiummarken präsentiert. Über den Light11-Onlineshop kann dabei aus rund 20.000 Leuchten gewählt werden. Dabei sind die Bestseller entweder im Ladengeschäft direkt verfügbar oder können innerhalb weniger Tage aus dem Zentrallager zur Ansicht bestellt werden.

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„Unsere kompetenten Lichtberater“, sagt Andreas Oschatz, „planen gerne das Licht für private Wohnhäuser oder Gewerbe - sowohl die Außen- als auch die Innenbeleuchtung. Unsere Referenzen reichen von hochwertigen Wohnhäusern und Villen, Arztpraxen, Anwaltskanzleien, Galerien und Restaurants bis hin zu Kirchen und Gemeindehäusern.“ Als Teil der Lichtplanung stehe hier zudem ein Montageservice zur Verfügung.

Bo Concept: Innerstädtische Lage für ein Einkaufserlebnis

Auch mit Bo Concept kommt ein Unternehmen in die City, das sich als Premium-Lifestylemarke im Einzelhandelssegment versteht und die Kundenfrequenz sucht. „Die innerstädtische Lage ist für uns deshalb interessant, weil wir dem Kunden dort ein einmaliges Einkaufserlebnis bieten. Individuelle Einrichtungsberatung ist eine unserer Kernkompetenzen“, sagt Guido Rickert, Franchisenehmer von Bo Concept.

Bo Concept zieht in das ehemalige Modehaus Deters in Dortmund ein.

Nachdem das Modehaus Deters geschlossen hat, gibt es jetzt einen Nachmieter: Bo Concept bietet hier demnächst Möbel in skandinavischem Design an. © Thomas Thiel

Seine Möbel in skandinavischem Design vertreibt das Unternehmen über Franchisepartner in über 300 Bo-Concept-Stores weltweit. Der Standort in Dortmund soll „im Laufe des Monats November“ eröffnet werden.

Für Thomas Schäfer, den Geschäftsführer des Handelsverbandes Westfalen-Münsterland, ist es sehr erfreulich, dass es gelungen ist, die langjährigen Modestandorte in der Dortmunder City durch andere Branchen zu beleben. „Aber ein echter Trend ist das nicht. Die Leitbranche Textil wird in den Innenstädten nicht abgelöst werden können“, sagt er.

Thomas Schäfer vom Handelsverband Westfalen-Münsterland

Handelsverband-Geschäftsführer Thomas Schäfer begrüßt eine Entwicklung hin zu einem größeren Branchenmix in der Dortmunder City. © Archiv

So sieht es auch Patrick Voss, Leiter des Referats Handel und Stadtentwicklung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund. „Diese Neueröffnungen sind für die City reiner Zufall“, sagt er. Gleichwohl zeichne sich aktuell schon ab, dass es wieder zu einem größeren Branchenmix in den Innenstädten kommen kann. „Die Konsumenten wollen schon mehr Erlebnis und Unterhaltung, da spielen Gastronomie- und Lifestyle-Angebote eine Rolle“, so Patrick Voss.

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„Die beiden Beispiele Bo Concept und Light 11 zeigen“, unterstreicht Thomas Schäfer, „dass es die Möglichkeiten dazu gibt. Und auch der Lebensmittel-Einzelhandel kommt wieder in die Innenstädte zurück, wenn sich das mit der Miete rechnet.“

„Bunter Strauß an Einkaufsmöglichkeiten“

In Dortmund wird Rewe im nächsten Jahr in der City tatsächlich wieder einen Supermarkt eröffnen. Nach dem Auszug aus der Thier-Galerie vor wenigen Jahren will die Unternehmensgruppe ab der zweiten Jahreshälfte 2021 im Erdgeschoss des neuen Basecamps an der Kampstraße Lebensmittel anbieten.

„Das ist insgesamt schon eine positive Entwicklung“, sagt der Handelsexperte Thomas Schäfer. „Je bunter der Strauß an Einkaufsmöglichkeiten ist, desto größer ist auch die Chance, dass die Textilanbieter überleben, weil mehr Kunden kommen.“

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