Weil der Schutz bei über 70-Jährigen, die im Januar gegen das Coronavirus geimpft worden sind, wieder nachlässt, empfiehlt die Stiko eine drittes Dosis. © dpa
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„Wenn es mit dem Booster jetzt schnell geht, haben wir gewonnen“

Im Winter 2020 starben vergleichsweise viele über 70-Jährige an Covid-19. Wie wird die Situation in diesem Jahr? Das haben wir den Dortmunder Gesundheitsamtsleiter gefragt.

Rund 72 Prozent der Menschen in Dortmund gelten als vollständig gegen das Corona-Virus geimpft (Stand 25.10.). Doch bei einem Teil von ihnen lässt der Schutz bereits wieder nach.

Bis zu 60 Prozent der Menschen über 70 Jahre, die im Januar geimpft worden sind, seien bereits wieder für eine Infektion und möglicherweise auch einen schwereren Verlauf empfänglich, lautet die bisherige Erkenntnis des Dortmunder Gesundheitsamts. Der Schutz sinkt von 90 auf rund 70 Prozent.

Es gibt in Dortmund mehr als 100.000 Menschen, die älter als 70 Jahre sind. Für sie empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Auffrischung mit einem mRNA-Impfstoff.

Impfdurchbrüche führen auch zu Todesfällen von Geimpften

„Die Schutzhöhe reicht nicht mehr aus. Die Sterblichkeit bei Über-70-Jährigen beginnt deshalb bereits wieder anzusteigen“, sagt Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamts. Dies erkläre sich durch Impfdurchbrüche, wie sie zuletzt in Dortmund bei 3 der letzten 16 Todesfällen zu beobachten waren.

„Wenn wir das laufen lassen, dann kämen wir in eine Situation zurück wie vor Weihnachten 2020“, sagt Renken. Nahezu täglich waren damals mehrere Todesfälle vermeldet worden.

„Deshalb brauchen wir die Booster-Impfungen jetzt dringend“, sagt der Gesundheitsamtschef. „Es hat zu lange gedauert. Aber wenn es mit dem Booster jetzt schnell geht, haben wir gewonnen.“

Booster-Impfungen laufen über die niedergelassenen Ärzte

Bis Ende September war die dritte Dosis noch im Impfzentrum auf Phoenix-West verabreicht worden. Seit der Schließung laufen die Booster-Impfungen über die niedergelassenen Ärzte der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). In Ausnahmefällen kann ein mobiles Team des Gesundheitsamts eingreifen.

Die KVWL hat am 25.10. (Montag) die aktuellen Booster-Zahlen veröffentlicht. Demnach haben 11.382 Personen in Dortmund bisher eine Nach-Impfung erhalten. Damit ist erst knapp ein Fünftel der Menschen erreicht worden, für die eine Booster-Impfung derzeit empfohlen wird.

Zusätzlich gilt die Empfehlung für Dortmunderinnen und Dortmunder, die das Vakzin von Johnson&Johnson erhalten haben. Die Zahlen für ganz Westfalen-Lippe zeigen immerhin, dass die Zahl der Booster-Impfungen seit einigen Wochen stabil ist.

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth