Wenn „Hitler“ an der Kirche steht: Gotteshaus ist voller Graffiti und von Müll umgeben

rnKatholische Kirche

Von der Straßenseite aus ist der Kirche nichts anzusehen. Zum Feld hin offenbart sich jedoch ein anderes Bild: Kondome, volle Windeln und anderer Unrat liegen dort. Und damit nicht genug.

Kirchlinde

, 27.01.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Weiß mit bräunlichen Steinen umrahmt, zeigt sich die Kirche von vorne. Wer jedoch von der Feldseite aus kommt, sieht kein lupenreines Gotteshaus. Kondome, volle Windeln, Spritzen und Joghurtbecher liegen auf dem Rundweg hinter der Kirche.

Die Wände zu dieser Seite sind von Graffiti übersät. „Da ist man doch einfach nur sprachlos“, sagt Eva-Maria Trapp aus dem Kirchenvorstand der St. Josef-Gemeinde in Kirchlinde. Seit mindestens drei Jahren gebe es massive Probleme mit jungen Erwachsenen, die sich in den Abendstunden hinter der Kirche treffen.

„Wir haben hier alles: Schäferstündchen, Drogengeschäfte und die entsprechenden Hinterlassenschaften“, sagt Peter Dittmann, geschäftsführender Vorstand des Kirchenvorstandes.

St. Josef-Kirchplatz als „Hundeklo von Kirchlinde“

Mit Bauzäunen habe die Gemeinde versucht, den hinteren Teil der St. Josef-Kirche abzuschirmen. Gebracht habe das jedoch wenig. Bauzäune seien aus der Verankerung gerissen und umgeworfen worden.

„Die Leute werfen hier weiterhin ihren Müll hin und beschmieren die Wände“, sagt Pfarrer Michael Ortwald. „Der Weg hinter der Kirche scheint außerdem das ‚Hundeklo‘ von Kirchlinde zu sein.“

Wenn „Hitler“ an der Kirche steht: Gotteshaus ist voller Graffiti und von Müll umgeben

Volle Windeln und anderer Müll liegen hinter der Kirche verteilt. © Carolin West

Immer wieder habe er die Bewohner der umliegenden Straßen gebeten, Bescheid zu geben, wenn sie verdächtige Personen beobachten. Doch noch nicht einmal von der Dasselstraße aus, an der die Kirche liegt, sei der Treffpunkt der jungen Erwachsenen einsehbar.

„Das Buschwerk hat alles verdeckt“, sagt Eva-Maria Trapp. Deshalb habe die Gemeinde die Büsche hinter der Kirche kürzlich entfernen lassen. „So können die Anwohner den hinteren Teil der Kirche besser sehen und einen sichernden Blick auf unsere Kirche haben“, sagt Pfarrer Michael Ortwald.

Anwohner der St. Josef-Kirche sollen die Polizei rufen

Um diesen Blick zu erleichtern, soll der nördliche Teil der Kirche künftig besser ausgeleuchtet werden. Die Anwohner sollen dann im Notfall die Polizei rufen, um die jungen Erwachsenen auf frischer Tat zu ertappen.

„Eine Anzeige gegen Unbekannt bringt da nicht viel“, sagt Michael Ortwald. „Die Menschen müssen direkt erwischt werden.“ Häufiger habe er selbst junge Erwachsene hinter der Kirche angesprochen und sei dafür beschimpft und bedroht worden.

Wenn „Hitler“ an der Kirche steht: Gotteshaus ist voller Graffiti und von Müll umgeben

Eva-Maria Trapp und Peter Dittmann aus dem Kirchenvorstand sowie Pfarrer Michael Ortwald (v.l.) sind entsetzt über den Zustand der Kirche. Das Rohr, das der Pfarrer hält, wurde mutwillig herausgerissen. © Carolin West

Es bleibe nur, den Müll regelmäßig zu entfernen und die zerstörten Teile zu reparieren. „Es wurden Fallrohre herausgerissen oder -getreten“, erklärt Eva-Maria Trapp. „Die müssen und werden wir zeitnah erneuern.“

Eine nicht enden wollende Aufgabe für die Gemeinde ist auch das notdürftige Überpinseln der Graffiti auf den nördlichen Kirchenwänden. Schriftzüge wie „BVB 09“ oder „ACAB“ und falsch herum gezeichnete Hakenkreuze sind dort zu sehen.

„Hitler“-Schmiererei kam innerhalb weniger Tage hinzu

Nur wenige Tage nach Auftauchen des „BVB 09“-Schriftzuges wurde er schon von der nächsten Schmiererei überdeckt. „Hitler“ steht jetzt dort türkis auf schwarz-weiß. Ein Herz und ein Hakenkreuz umrahmen die türkis-farbenen Lettern.

„Auf solche rechten Schmierereien werden wir die Polizei definitiv aufmerksam machen“, sagt Michael Ortwald. Wann immer er die Polizei informiere, seien regelmäßiger Streifenwagen vor Ort, um die Situation im Blick zu behalten.

Wenn „Hitler“ an der Kirche steht: Gotteshaus ist voller Graffiti und von Müll umgeben

Die Fallrohre hinter der Kirche sind zum Teil herausgerissen worden. © Carolin West

Zudem überlegt die St. Josef-Gemeinde, die Sachbeschädigung an den Rohren doch einmal anzuzeigen. „Im Gegensatz zum hier abgelegten Müll können wir das ja anzeigen – ebenso wie die beschädigte Mauer am Kirchplatz.“

Dort wurden die obersten Steine mutwillig zerstört. „Dafür braucht man schon einiges an Kraft“, sagt Eva-Maria Trapp.

Zu den Sorgen um die Kirche und den Kirchplatz komme außerdem die Sorge um die Schüler der angrenzenden Widey-Grundschule. „Was hier alles rumliegt, kann wirklich gefährlich werden - und die Kinder gehen an der Kirche vorbei nach Hause.“

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