Jensen und Monti sind Polizisten - und Rapper. Ihr Beruf spielt für die Dortmunder dabei eigentlich keine Rolle. Über ein Polizei-Thema schrieben die beiden dann doch einen Song: „Respekt“.

von Marie Frieling

Dortmund

, 10.06.2019 / Lesedauer: 4 min

„Wenn ich dich privat treffe, steche ich dich ab“, hat mal jemand zu Daniel Montrone gesagt. Das ist erst einmal nichts Besonderes, denn der 35-Jährige ist Polizist. Und Bedrohungen und Angriffe wie diese sind im Berufsalltag für Polizisten keine Seltenheit, wie Statistiken zeigen.

Außergewöhnlicher ist, dass Montrone zusammen mit seinem Kollegen und Freund Jens Schauer - als Hip-Hop Duo nennen sie sich Jensen&Monti - einen Song über eben dieses Thema geschrieben hat: „Respekt“ ist ein deutlicher Appell gegen Gewalt gegen Einsatz- und Rettungskräfte und für mehr Anerkennung für alle Kollegen von Polizei und Feuerwehr.

Besonders bei Rettungssanitätern ist die Zunahme körperlicher Gewaltangriffe spürbar. „Heutzutage muss gefühlt zu jedem Einsatz die Polizei kommen, weil die Einsatzkräfte Probleme haben. Das hat es früher definitiv nicht gegeben“, erzählt Jensen.

Die Gründe für diese Entwicklung sieht Jensen in fehlendem politischen Rückhalt und dem immer währenden Vorwurf der Polizeigewalt. „Wenn wir eigentlich immer am Pranger stehen und nicht derjenige, der eine Straftat begangen hat, dann hat das ja auch ´nen Effekt auf die Leute. Dann sagen sie, okay. Ich kann ´nen Polizisten schlagen und mir passiert nichts.“

Dabei habe bis vor einigen Jahren das Strafmaß für Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sogar unter dem für Sachbeschädigungen gelegen. Der Mann, der Monti bedroht hatte, wurde dafür zu einer Geldstrafe verurteilt - fürs Schwarzfahren musste er aber drei mal so viel zahlen. „Polizisten werden dafür bezahlt, die müssen das abkönnen“: So sei die Einstellung lange Zeit gewesen, kritisiert Jensen. Erst seit wenigen Jahren sieht Jensen eine Trendwende zu mehr Rückhalt in der Bevölkerung.

Polizeithemen stehen sonst gar nicht im Vordergrund

Jensen und Monti machen seit eineinhalb Jahren zusammen Rap-Musik - und normalerweise geht es nicht wie in „Respekt“ um Polizeithemen. Vor kurzem haben sie ihr zweites Album veröffentlicht. Kennengelernt haben sie sich auf der Dortmunder Leitstelle der Polizei. Obwohl Jensen inzwischen nicht mehr dort arbeitet, geht das gemeinsame Projekt weiter: Hip-Hop produzieren, im Stil ihrer Idole aus den Neunzigern. „Wir machen die Musik, die uns damals bewegt hat,“ erklärt Jensen.

Musik soll etwas zu sagen haben - und so rappen Jensen und Monti über das, was sie im Alltag bewegt. Wie mit dem Song „Für euch da“, den sie für ihre Kinder geschrieben haben, oder „Therapie“, ein sehr persönlicher Track, der von der früheren Alkoholsucht von Montis Vater und dem Ausweg durch die Musik erzählt.

Den Mainstream Hip-Hop lehnen die Polizisten komplett ab

Zu aktuellem Mainstream Hip-Hop hingegen haben die beiden eine klare Meinung. „Das ist ja Vergewaltigung für die Ohren,“ sagt Jensen. Die Musik - schnelles Auto-Tune, die Beats-Taktung, stimmenverzehrtes Gejaule - findet er schrecklich, die Texte noch schlimmer. „Immer das Gleiche, nichts mehr mit Aussage wie früher“, so auch Monti. „Einfach nur Provozieren um jeden Preis“, wirft Jensen ein und betont: „Damit können wir uns gar nicht identifizieren.“

In ihrer Musik könnte diese Ablehnung kaum deutlicher zu spüren sein. Statt fremdenfeindlicher Lines ein Song über Flüchtlinge mit dem Titel „Willkommen“, anstelle frauenverachtender Texte das Lied „Wunderschön“. Fäkalsprache? Fehlanzeige: „Ich glaube, das schlimmste Wort war Scheiße“, so Jensen. Und um Drogen und Polizeikonflikte geht es bei den beiden ja sowieso nicht.

„Dass die uns nicht feiern, ist ja klar“

Dass die Polizei im Hip-Hop oft nicht ganz so gut wegkommt, sieht Monti entspannt: „Ist ja nicht so, dass die ganze Hip-Hop Gemeinde Anti-Polizei ist, das ist ja der Gangsta-Rap. Dass die uns nicht feiern, ist ja klar.“ Einzelne polizeikritische Zeilen hingegen, zum Beispiel bei Samy Deluxe, finden beide durchaus legitim.

Jensen und Montis vom deutschen Oldschool-Hip-Hop geprägte Musik gefalle vielen Leuten gut, die bisher noch nichts mit Rap-Musik am Hut hatten. „Mein Vater feiert das auch total mit seinen 70 Jahren“, erzählt Jensen.

Posen vor der Kamera ist fremd

Zu „Goldene Zeiten“, Titelsong des neuen Albums, ist sogar ein erstes Musikvideo entstanden. Der Dreh war für alle Beteiligten Premiere: Für den Produzenten René Habersaat, der normalerweise Hochzeitsvideos dreht, war es das erste Musivideo, Jensen fand das Posen in der Öffentlichkeit zunächst befremdlich. „Kollegen, die mich kennen haben gesagt, du fühlst dich nicht so ganz wohl, das sieht man irgendwie.“

So richtig widersprechen konnte er da nicht. „Jetzt fange ich hier mit 40 an, einen auf Rapper zu machen.“ Monti war da mehr Feuer und Flamme. „Ich lauf ja auch so rum wie so‘n hängengebliebener 17-Jähriger“, sagt er lachend. „Unter der Dusche hab´ ich auch das ein oder andere Musikvideo schon nachgespielt.“ Bald wird er sich auch außerhalb der Dusche wieder austoben können: Ein weiteres Musikvideo, wieder mit René Habersaat, ist in Planung.

Und bald sind Jensen und Monti als rappende Polizisten nicht mehr die Einzigen. Für ihre Feautures auf dem neuen Album haben sie Polizei-Kollegen mit ins Boot geholt: Stefanie Kelch aka Kelle und Mirko Skroblin aka Mille. Der bringt, von Jensen&Monti inspiriert, bald auch seine eigene EP raus. „Die Familie wächst“, sagt Monti.

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