Wenn Nazis neben Linken stehen: Protest gegen AfD-Veranstaltung in Dortmund

rnDietrich-Keuning-Haus

So nah kommen sich Neonazis und Antifaschisten selten: Bunter Protest traf im Dietrich-Keuning-Haus auf eine AfD-Veranstaltung. Dabei standen die Lager teilweise in derselben Schlange an.

Dortmund

, 18.09.2019, 19:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als bekannt wurde, dass die AfD-Bundestagsfraktion eine Veranstaltung im Dortmunder Dietrich-Keuning-Haus plant, formierte sich schnell Protest. So kam es am Mittwochabend dazu, dass sich bekannte Dortmunder Rechtsextreme und Antifaschisten ungewohnt nah kamen.

Mit einem bunten Parallelprogramm ist in dem Nordstadt-Kulturzentrum gegen den angekündigten „Bürgerdialog“ der rechtskonservativen Partei in einem der Räume protestiert worden. Keuning-Haus-Direktor Levent Arslan sagte, verschiedene Vereine aus der Nordstadt seien auf ihn mit der Bitte zugekommen, im Rest des Gebäudes Programm auf die Beine zu stellen.

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Eine Kinder-Tanzgruppe trat auf, auf einer Bühne im Foyer spielten Bands, im Außenbereich zeigten Skater ihre Tricks auf mobilen Rampen. „Wir treffen uns um gemeinsam ein Zeichen für gute Laune, Vielfalt, Frieden und ein kulturelles Miteinander zu setzen“, war über Facebook von einem der Veranstalter, dem „Tuk-Tuk-Soundmobil“ zu lesen.

Dieser Tag sei eine gute Gelegenheit, um AfD-Wählern zu zeigen, wie schön Völkerverständigung und ein friedliches Miteinander im Jahr 2019 sein können, meinen die Organisatoren. „Das Programm ist dafür da, zu zeigen, wofür Dortmund, die Nordstadt und dieses Haus stehen“, sagte Stadtsprecherin Katrin Pinetzki: „Wir haben hier viel zu bieten.“

Die Tür zum Saal der AfD-Veranstaltung war bis kurz vor Beginn um 19 Uhr verschlossen, davor bildete sich eine absurd durchmischte Schlange von etwa 50 Personen, nur durch ein Flatterband vom Gegenprotest im Foyer getrennt.

Bekannte Dortmunder Neonazis aus der Partei „Die Rechte“ standen dort an, viele andere sahen aber so aus, als verträten sie eher entgegengesetzte Meinungen. So nah kommen sich Nazis und Linke nicht häufig. Die Stimmung war angespannt, als die Veranstaltung dann lief, berichtete die Polizei von einer „wechselseitigen Körperverletzung“. Die Hintergründe müssen noch ermittelt werden.

Besinnlicher Tango begleitet von Anti-Nazi-Rufen

Besonders skurril wurde die Szenerie, als besinnlich Tango getanzt wurde, während ein paar Meter weiter laute Anti-Nazi-Rufe ertönten. Während der Veranstaltung kam es im Saal immer wieder zu lauten Zwischenrufen, „eine sehr rege Diskussion“, wie Polizeisprecher Sven Schönberg sagte. Nach etwas mehr als einer Stunde war die Veranstaltung bereits beendet.

Besonders kritisch wurde die Wahl der AfD-Referenten im Vorfeld gesehen. Der Bundestagsabgeordnete Martin Renner werde etwa dem völkisch-nationalen Flügel der Partei zugeordnet, sagten Grünen-Politiker. Er habe sich nach einer als antisemitisch und rechtsextrem eingeordneten Rede von Björn Höcke hinter dessen Aussagen gestellt.

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