Wenn schon ein Straßenname in Dortmund potenzielle Mieter abschreckt

rnNordstadt

Hanns-Michael Haldy hat ein Haus in der Nordstadt aufwändig renoviert - und trotzdem ist das Interesse bislang gering. Ein anderes Haus ist derzeit überhaupt nicht vermietbar.

Dortmund, Nordstadt

, 30.11.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine gesunde Portion Optimismus, gepaart mit einer Prise Mut, kann man Hanns-Michael Haldy nicht absprechen. Der 55-Jährige hat in der Nordstadt zwei - na, sagen wir mal: ziemlich mitgenommene - Immobilien erworben, um sie zu renovieren und die Wohnungen an „bildungsnahe Menschen“ zu vermieten. „Gerne an Studenten“, sagt Haldy, „und dabei ist es ganz egal, wo sie herkommen.“ Wie gesagt: Die Nordstadt baulich und kulturell aufzuwerten, darf als ziemlich kühnes Unterfangen bezeichnet werden. Zumal Haldy gar nicht aus dem Ruhrpott, sondern aus Darmstadt stammt und erst vor vier Jahren der Liebe wegen nach Dortmund zog.

Wenn schon ein Straßenname in Dortmund potenzielle Mieter abschreckt

Auch die Fassade des Hauses Missundestraße 62 hat ein neues Gesicht bekommen: Vom alten Bau aus den 1950er-Jahren ist nichts mehr zu sehen. © Michael Schuh

Aber vielleicht spielt ja auch das Schicksal eine gewisse Rolle, denn mit seinem Projekt schließt sich ein Kreis: Schon sein Ururgroßvater Wilhelm Klein, der in Darmstadt einen großen Malerbetrieb besaß, war in Dortmund tätig und zeichnete beim Neubau der Gartenstadt 1913/1914 für alle Maler-, Stuck- und Putzarbeiten verantwortlich.

Und so entschied sich Haldy, in Sachen Immobilien ebenfalls aktiv zu werden und erwarb neben den Häusern Missundestrasse 62 und dem sogenannten „Problemhaus“ Nordmarkt 5 auch noch eine Eigentumswohnung an der Feldherrnstraße.

Viel Geld investiert

Der Darmstädter, eigentlich gelernter Gärtnermeister, begann mit der Sanierung des Zwölf-Familien-Hauses an der Missundestraße - und nahm eine Menge Geld in die Hand, um das Gebäude aus dem Jahr 1953 auf Vordermann zu bringen. In mehreren Räumen hatte der Schimmel Einzug gehalten, Elektrik, Heizung und Bäder wurden komplett erneuert. Inzwischen sind die Arbeiten weitgehend abgeschlossen - und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Wenn schon ein Straßenname in Dortmund potenzielle Mieter abschreckt

Eine Wohnung an der Missundestraße ist komplett eingerichtet. Hanns-Michael Haldy wünscht sich, dass hier Studenten oder andere "bildungsnahe Menschen" einziehen. © Michael Schuh

Mit den aufgearbeiteten Holzböden und den französischen Balkonen, die viel Licht hereinlassen, wirken die Wohnungen beinahe wie Neubauten; vom vermeintlichen Nordstadt-Flair keine Spur. Und trotzdem hält sich die Nachfrage potenzieller Mieter in Grenzen. „Wenn Interessenten die Adresse hören, kommen sie erst gar nicht“, schildert Haldy seine bisherigen Erfahrungen.

Noch deutlich komplizierter präsentiert sich die Situation am Nordmarkt 5, mitten im Herzen der Nordstadt. „Hier lebten früher mal 60, 70 Leute“, sagt der Neu-Dortmunder, „ohne Wasser, ohne Strom.“ Und nach dem Kauf musste er feststellen, dass der Sanierungsbedarf in dem 1903 errichteten Gebäude größer war als erwartet. Feuchtigkeit, kaputte Balken, Schimmel.

Die Folge: Die notwendigsten Arbeiten hat er zwar erledigen lassen, doch mit der Komplettsanierung lässt sich Haldy - zwangsläufig - noch Zeit. „Die Kosten für die Renovierung werden höher als vorgesehen, also müssen auch die Mieten höher sein. Aber die hier zu erzielen, ist momentan nicht möglich. Deshalb muss ich warten, bis sich das Umfeld stabilisiert hat.“ So hart es klingt: Angesichts der Nachbarschaft finden sich einfach keine Menschen, die hier einziehen möchten.

Wenn schon ein Straßenname in Dortmund potenzielle Mieter abschreckt

Aus der Not eine Tugend gemacht: Das derzeit nicht zu vermietende Gebäude Nordmarkt 5 wird - zumindest temporär - zum Atelier- und Galeriehaus. © Michael Schuh

Doch Haldy, ein durch und durch kreativer Mensch, hat sich für die Übergangszeit etwas einfallen lassen und das Haus Nordmarkt 5 kurzerhand in das Atelier- und Galeriehaus „Nixnuz“ verwandelt. Ab dem 13. Dezember können Künstler dort für kleines Geld sechs Räume in der ersten Etage anmieten und diese als Atelier nutzen - mit Blick auf den Nordmarkt.

Den künstlerischen Anfang machte Hanns-Michael Haldy am 29. November aber selbst: Bei einer Vernissage stellt er im Keller und im Erdgeschoss über 100 seiner künstlerischen Arbeiten aus: Fotos, Gemälde, Kalligrafien. Den Erlös der Ausstellung leitet er ebenso wie fünf Prozent der Mieteinnahmen der Ateliers als Spende an das interkulturelle Familienzentrum „Bunte Schule“ weiter.

„Denn dort wird nachhaltige Arbeit geleistet“, sagt Haldy. Arbeit, die über kurz oder lang vielleicht dafür sorgt, dass mögliche Mieter auch kommen, wenn sie eine Adresse in der Nordstadt hören.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt