Wer nicht widerspricht, wird Paydirekt-Kunde

Sparkasse Dortmund

Die deutschen Banken wollen mit Paydirekt dem US-Online-Bezahldienst Paypal Konkurrenz machen. Um neue Paydirekt-Nutzer zu gewinnen, registrieren die Sparkassen nun sogar ihrerseits Kunden für den Dienst – sofern die Kunden nicht widersprechen. Bei der Sparkasse Dortmund sind 27.000 Kunden betroffen.

DORTMUND

, 29.08.2017, 09:30 Uhr / Lesedauer: 1 min
Wer nicht widerspricht, wird Paydirekt-Kunde

Die Sparkassen wollen dringend neue Kunden für Paydirekt gewinnen - und registrieren daher ihrerseits Kunden für den Bezahldienst.

Fürs Bestellen im Internet sind einfache Bezahlmöglichkeiten gefragt. Marktführer ist der US-Dienst Paypal, die deutschen Banken halten mit Paydirekt dagegen: Auch hier kann man online mit wenigen Klicks bezahlen, Paydirekt ist mit dem Girokonto des Kunden verbunden. Die Banken werben für Paydirekt, indem sie betonen, dass die Daten in Deutschland bleiben.

27.000 Kunden der Sparkasse Dortmund sind betroffen

Bloß hinkt der Dienst, was teilnehmende Händler und Nutzer angeht, arg hinter Paypal hinterher. Um mehr Nutzer zu gewinnen, haben sich die Sparkassen etwas überlegt: Sie ändern die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) für das Girokonto – wer nicht binnen zwei Monaten widerspricht, wird automatisch Paydirekt-Kunde.

Auch rund 27.000 Online-Banking-Kunden der Sparkasse Dortmund werden derzeit über ihr elektronisches Postfach von der Bank informiert, dass sie ohne Widerspruch bei Paydirekt registriert werden. Zwar müssen Kunden ihren Account noch selbst aktivieren, um Paydirekt zu nutzen. Datenschützer sehen aber schon ein Problem darin, dass die Sparkassen überhaupt Daten an Paydirekt übermitteln.

Der hessische Landesdatenschutzbeauftragte überprüft einen Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz. Er sei wohl zuständig, da Paydirekt seinen Sitz in Frankfurt hat, sagte am Montag auf Anfrage der Sprecher der NRW-Datenschutzbeauftragen.

Sparkasse spricht von "Komfortregistrierung"

Sophie Donat, Sprecherin der Sparkasse Dortmund, verwies darauf, dass Paydirekt als von der Deutschen Kreditwirtschaft gegründetes Gemeinschaftsunternehmen „den gleichen strengsten Sicherheits- und Datenschutzvorgaben wie die Banken und Sparkassen“ unterliege.

Ohnehin würden nur „Stammdaten“ wie Name, Adresse und Kontonummer an Paydirekt weitergegeben. Die „Komfortregistrierung“ soll die Anmeldung erleichtern. Bislang sei nur „ein relativ geringer Anteil“ der Kunden der Sparkasse Dortmund bereits aktiv bei Paydirekt.

Bei der Dortmunder Volksbank nutzten 3000 Kunden Paydirekt, sagte gestern Sprecher Carsten Jäger. „Die Zahl wächst langsam, aber sie wächst.“ Kunden seitens der Volksbank für Paydirekt zu registrieren, sei aber „nicht vorgesehen“: „Wir sprechen Kunden persönlich an, um sie zu überzeugen.“ Auch die Commerzbank teilte mit, ihre Kunden müssten sich selbst bei Paydirekt anmelden.

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