Trotz Corona: Busse zu Behinderten-Werkstätten werden wie Linienbusse voll besetzt

rnWerkstätten Gottessegen

Die Werkstätten Gottessegen sind wegen einiger Corona-Fälle geschlossen. Zuletzt hatten die Werkstätten Kritik am Hygiene-Konzept in ihren Bussen einstecken müssen. Dabei sind sie dafür gar nicht zuständig.

Kirchhörde, Mengede, Schnee

, 15.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Betrieb steht weitgehend still: Nachdem in den Dortmunder Werkstätten Gottessegen sieben Corona-Fälle aufgetreten waren, beschloss der verantwortliche Christopherus-Haus e.V. gemeinsam mit dem Kostenträger LWL und dem Dortmunder Gesundheitsamt die Schließung der Werkstätten.

In Kirchhörde und Mengede arbeiten deshalb seit dem 9. November (Montag) nur noch die Verwaltung und die Gruppenleiter, die sich nicht Quarantäne befinden. Sie versuchen, das Tagesgeschäft aufrecht zu erhalten, halten Kontakt zu den Kunden und Beschäftigten, die sie teilweise mit kleinen Aufgaben zur „Heimarbeit“ versorgen.

Zudem bleibt der Werkstatt-Laden in Kirchhörde geöffnet. Hunderte Mitarbeiter mit und ohne Unterstützungsbedarf müssen indes voraussichtlich bis Ende November zu Hause oder in ihren Wohngruppen bleiben.

186 von ihnen befinden sich sogar in häuslicher Quarantäne, da sie Kontakt zu den Mitarbeitern hatten, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Nach weiteren Tests steht inzwischen fest (Stand 13.11.), dass es insgesamt 13 Corona-Fälle unter allen Mitarbeitern gibt.

Angehörige üben Kritik an Hygiene-Konzepten

Weil vor allem die Beschäftigten mit Behinderung, aber auch die älteren Beschäftigten ohne Unterstützungsbedarf zur Corona-Risikogruppe zählen, hatte der Christopherus-Haus e.V. zu Beginn der Pandemie ein umfangreiches Hygiene-Konzept für die Werkstätten erarbeitet.

„Masken tragen, Hände waschen, Desinfektion von Händen, Türklinken und Arbeitsflächen und der allgemeine aufmerksame, abstandhaltende Umgang miteinander ist allen Mitarbeitern in Fleisch und Blut übergegangen“, sagte Pressesprecherin Anke Gerwing Anfang November im Gespräch mit der Redaktion.

Sowohl in der Hauptwerkstatt in Kirchhörde (Foto) als auch in der Zweigwerkstatt Gottessegen in Mengede hat es Corona-Fälle gegeben.

Sowohl in der Hauptwerkstatt in Kirchhörde (Foto) als auch in der Zweigwerkstatt Gottessegen in Mengede hat es Corona-Fälle gegeben. © Christopherus-Haus

Dennoch sei es angesichts der derzeit rasant ansteigenden Zahlen und des „Lockdowns light“ nicht verwunderlich, dass auch in den Werkstätten Gottessegen das Risiko einer Ansteckung gestiegen sei. Die vorläufige Schließung sei die Notbremse, um Infektionsketten zu unterbrechen, so Anke Gerwing.

Dennoch mussten die Werkstätten Gottessegen zuletzt Kritik einstecken. Eine Angehörige eines Mitarbeiters der Mosterei Gottessegen Auf dem Schnee, die ebenfalls von der Schließung betroffen ist, meldete sich bei der Redaktion. Wie auch ein weiterer Dortmunder, der seinen Namen ebenfalls nicht öffentlich nennen möchte, kritisierte sie die Verantwortlichen der Werkstätten.

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Busverkehr gerät in den negativen Fokus

Während Gottessegen-Pressesprecherin Anke Gerwing Kritikpunkte wie die zu späte Information der Angehörigen oder die Einstellung eines Praktikanten, der sich nicht an die Corona-Regeln halte, bereits restlos ausräumen konnte, blieb der größte Kritikpunkt bestehen: der Busverkehr zu den Werkstätten.

Die Busse seien oft randvoll mit Mitarbeitern mit Unterstützungsbedarf besetzt, Abstand halten sei kaum möglich, so der Dortmunder. Bei der Ankunft an den Werkstätten seien die Scheiben der Busse wegen fehlender Lüftung beschlagen.

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„Dabei fahren dort Mitarbeiter aller Werkstattbereiche gemischt mit“, erzählten der Dortmunder und die Angehörige des Mosterei-Mitarbeiters im Gespräch mit der Redaktion. Gerade für behinderte Menschen könne das in Corona-Zeiten sehr gefährlich werden. Ein schwerer Vorwurf, der jedoch bei den Werkstätten Gottessegen falsch angesetzt ist.

„Die eigentliche Fahrsituation in den Bussen unterliegt der Regelung durch das Verkehrsministerium NRW“, erklärt Anke Gerwing. Die Busse werden indes in Zusammenarbeit mit dem Kostenträger LWL gestellt. In einer Mitteilung des Landschaftsverbandes heißt es, dass der Fahrdienst für die Beförderung von Menschen mit Behinderungen denselben Regeln unterliege wie der reguläre Linienverkehr.

Werkstätten suchen individuelle Lösungen

Demnach ist die Einhaltung des Mindestabstandes in Bussen beim Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes nicht nötig. Dennoch habe der Christopherus-Haus e.V. teils individuelle Lösungen gesucht.

Beispielsweise sei eine Fahrlinie für eine Wohnstätte, ein Einzelfahrdienst für eine Person im Rollstuhl, die keine Maske tragen könne, die räumliche Trennung der Personen, die keine Masken tragen können und über ein Attest verfügen, ermöglicht worden.

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