„Sie hinterließen massive Zerstörungen“ – Mitarbeiter nach Einbruch noch immer fassunglos

rnWerkstätten Gottessegen

Nachdem bisher Unbekannte in die Werkstätten Gottessegen einbrachen und massiven Vandalismus betrieben, ist das Kollegium noch immer schockiert. Die Einbrecher hinterließen Schutt und Asche.

von Anika Hinz

Kirchhörde

, 20.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Erst wenige Tage ist der Einbruch in die Werkstätten Gottessegen her. Noch immer sind die Mitarbeiter geschockt über den Vorfall, der die soziale Einrichtung an der Kobbendelle 40 in Kirchhörde am Montagmorgen (13. Mai) erschütterte. „Unsere Arbeit haben wir wieder aufgenommen, aber erst mal nur schleppend“, sagt Anke Gerwing. Sie ist Sprecherin der Werkstätten und war am Montag, als der Einbruch von der Reinigungskraft festgestellt wurde, den ganzen Tag vor Ort.

„Sie hinterließen massive Zerstörungen“ – Mitarbeiter nach Einbruch noch immer fassunglos

Die Werkstätten Gottessegen in Kirchhörde: eigentlich ein friedlicher Ort. Jetzt gehen die Mitarbeiter zum Teil mit einem mulmigen Gefühl zur Arbeit. © Anika Hinz

„Mithilfe der Gemeinschaft haben wir den Tag gut gemeistert. Wir haben uns im großen Saal getroffen und da gab es literweise Kaffee, den der Koch schnell für uns gekocht hat“, sagt sie. „Das hat sehr geholfen und wir konnten überlegen, wie es weitergeht.“ Der große Saal ist der einzige Raum, in den nicht eingebrochen wurde. Er wurde deshalb nicht wie der Rest der Einrichtung gesperrt.

Werstätten Gottessegen

Eine Einrichtung für Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen

Die Werkstätten Gottessegen sind eine sozialtherapeutische Einrichtung zur Arbeits- und Berufsförderung von Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen. An vier Standorten in Dortmund und Bochum arbeiten 540 Menschen.

„Eigentlich wollte die Polizei zwecks Ermittlungen das ganze Gelände dicht machen, aber das geht natürlich nicht“, sagt Gerwing. „Unsere ganzen Mitarbeiter standen am Montag vor der Tür und ein Großteil von ihnen sitzt in Rollstühlen. Die konnten wir nicht in der Kälte stehen lassen.“

Diebesgut sorgt für Verwirrungen

Am Montag konnte die Verwaltung der Werkstätten Gottessegen noch keine Angaben zu den gestohlenen Gegenständen machen. Das ist mittlerweile anders, doch die Liste der entwendeten Sachen überrascht. „Die Schadensaufzeichnung ist neun Seiten lang. Da sind nachvollziehbare Wertgegenstände wie Laptops und Geld bei, aber eben auch komische Dinge“, sagt Ulrich Ehlert vom technischen Dienst.

„Sie hinterließen massive Zerstörungen“ – Mitarbeiter nach Einbruch noch immer fassunglos

Die Einbrecher sind äußerst brutal vorgegangen - haben im Lager nur noch Schutt und Asche hinterlassen. © Anika Hinz

Zu diesen „komischen Dingen“ zählt das Diabetiker-Medikament Insulin, das in großen Mengen geklaut wurde. „Ich vermute, dass die Einbrecher ihr Diebesgut danach ausgewählt haben, ob es sich gut verkaufen lässt“, so Ehlert. „Immerhin müssen viele Diabetiker ihr Insulin zum Teil selber zahlen.“ Neben Technik und Medikamenten wurde auch hochwertiges Werkzeug sowie Autoschlüssel und Tankkarten entwendet. Im Lager versuchten die Einbrecher zudem, den Tresor zu knacken. „Völlig unverständlich. Wir sind eine soziale Einrichtung. Hier gibt es nichts zu holen“, sagt Anke Gerwing.

Lagermitarbeiter haben vor Angst geweint

Durch das Fenster verschafften sich die Einbrecher Zugang zum Lager. Dort nutzten sie den Gabelstapler, um den Tresor zu knacken. „Wir vermuten, dass sie den Tresor vor die Wand stellten und dann mit dem Gabelstapler dagegen gefahren sind“, sagt Lagerleiter Stefan Klejniak. Die Einbrecher zerstörten dabei die Wand und die Treppe und hinterließen Schutt und Asche. „Das wird definitiv einige Zeit beanspruchen, wir müssen auf Handwerker und Statiker warten“, sagt er. „Bis dahin liegen der Hausladen und zum Teil auch der Onlineshop still.“

„Sie hinterließen massive Zerstörungen“ – Mitarbeiter nach Einbruch noch immer fassunglos

Die Treppe im Lager kann momentan nicht mehr genutzt werden. Was bedeutet, dass niemand in die zweite Etage kann. © Anika Hinz

Aktuell ist Stefan Klejniak der einzige Mitarbeiter im Lager. Seine Kollegen habe er direkt am Montag nach Hause geschickt: „Die saßen hier und haben geweint. Sie arbeiten lassen? Keine gute Idee.“ Die Geschäftsleitung hat ihnen Sonderurlaub gewährt, der allerdings in dieser Woche beendet ist. Sie werden auf andere Arbeitsgruppen der Werkstätten verteilt.

Sicherheit nachrüsten

Letztlich stellt sich die Frage, wie der Einbruch überhaupt passieren konnte. „Sie sehen ja, wo wir hier sind. Am Ende der Straße inmitten von Bäumen – hier bekommt niemand was mit und man kann ungestört einsteigen“, sagt Anke Gerwing. Zusätzlich fehle es der Einrichtung an Überwachungskameras. Die Alarmanlage an der Außenfassade wurde von den Einbrechern gekappt.

„Sie hinterließen massive Zerstörungen“ – Mitarbeiter nach Einbruch noch immer fassunglos

Die Alarmanlage wurde gekappt. Jetzt brauchen die Werkstätten ein neues Sicherheitskonzept. © Anika Hinz

„Wir müssen jetzt in Sachen Sicherheit aufrüsten, damit sowas nicht noch mal passiert“, sagt Gerwing. „Auch zum Schutz unserer Mitarbeiter. Die Reinigungskraft, die den Einbruch bemerkte, kam diese Woche mit einem mulmigen Gefühl zur Arbeit.“

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