Die Westfalenhallen haben an der Corona-Pandemie hart zu knacken. © Gregor Beushausen
Dortmunder Westfalenhallen

Westfalenhallen in Dortmund durchleben schon das zweite Horror-Jahr

Nach fast einem Jahr Stillstand beginnt sich der Kalender der Westfalenhalle nur langsam zu füllen. Die finanziellen Schäden durch Corona sind dramatisch.

Endspurt fürs Messe- und Veranstaltungsgeschäft. Nach einem weiteren Jahr zum Abwinken richten sich die Blicke bei den Westfalenhallen noch auf die letzten drei Monate 2021. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass die Veranstaltungen für den Jahresendspurt genauso umgesetzt werden, wie sie geplant sind“, sagt Sabine Loos, Hauptgeschäftsführerin der Westfalenhallen Unternehmensgruppe.

Während die für Oktober geplante Messe Hund & Pferd abgesagt ist, soll es beim Ausweichtermin für die Intermodell (17.11. bis 20.11.) bleiben. Auch die ComicCon beispielsweise (3.12. bis 5.12.) soll ihren Platz im Terminkalender behalten. Darüber hinaus stehen 24 Konzerte, Musicals sowie Sport- und Comedy-Veranstaltungen in den Westfalenhallen an.

Die entscheidende Frage: Legen Aussteller und Besucher ihre durch die Coronapandemie geprägte Zurückhaltung ab und kehren wieder zurück? Hallen-Chefin Loos hofft darauf: „Die Menschen möchten ihre Freizeit wieder gestalten und Messen, Veranstaltungen und Konzerte besuchen“, sagt sie. Das sei in der Vergangenheit deutlich zu spüren gewesen.

Allein die Messe musste rund 30 Termine streichen

Nachdem bereits 2020 zum Vergessen war, hangelte es auch 2021 reihenweise Absagen. Allein aus dem Messekalender mussten rund 30 Termine gestrichen werden. Im Veranstaltungsgeschäft sieht es kaum besser aus: Der Großteil der rund 100 geplanten Konzerte, Shows und Sport-Events musste teilweise bis ins Jahr 2024 hinein verschoben werden. Konsequenz: Die Westfalenhallen GmbH erleben ein zweites Horrorjahr in Folge.

Die Intermodellbau 2021 ist von April auf den 17.11. bis 20.11. 2021 verschoben worden.
Die Intermodellbau 2021 ist von April auf den 17.11. bis 20.11. 2021 verschoben worden. © Gregor Beushausen © Gregor Beushausen

Schon 2020 war der Terminkalender so ausgedünnt wie nie. Hallen-Chefin Loos spricht vom „Jahr mit der geringsten Zahl an Veranstaltungen in der Geschichte der Westfalenhallen.“ 2021 schließe sich daran an. Verglichen mit dem Vor-Corona-Jahr 2019 sei der Umsatz im Messe- und Eventbereich um „rund 75 Prozent“ gesunken.

Auch die Stadt weiß, wie es um die Finanzen ihrer 100-prozentigen Tochter am Rheinlanddamm bestellt ist: Die Coronapandemie hat die Halle insgesamt bislang rund 75 Millionen Euro an Umsatz gekostet, wie aus einem Papier der städtischen Beteiligungsverwaltung an die Politik hervorgeht.

Besucherzahlen dramatisch abgestürzt

Der Absturz ist dramatisch: 2019 waren noch mehr als 1,6 Millionen Besucher durch die Hallentore geströmt. 2020 waren es coronabedingt gerade noch gut 437 100. Entsprechend sind auch die Umsätze in den Keller gerauscht: von gut 56,6 Millionen Euro auf 25,1 Millionen Euro.

Auch das Messegeschäft lag lange Zeit brach. Aussteller und Besucher kehren nur langsam zurück.
Auch das Messegeschäft lag lange Zeit brach. Aussteller und Besucher kehren nur langsam zurück. © Gregor Beushausen © Gregor Beushausen

Das wirkt sich massiv aufs Ergebnis aus: Noch 2019 schrieb die Halle im Betriebsergebnis (operatives Ergebnis) ein Plus von 5,1 Millionen Euro. Das hat sich 2020 in ein Minus von 7,3 Millionen Euro verwandelt. Noch schlechter fällt das Gesamtergebnis aus: Unter dem Strich rutsche die Halle 2020 dabei auf ein nie gekanntes Minus von rund 13,4 Millionen Euro ab.

Stadt greift ihrer Tochter kräftig unter die Arme

Hätte die Stadt ihrer Tochter in der Coronapandemie nicht unter die Arme gegriffen, sähen die Zahlen noch schlechter aus. Um die Löcher zu stopfen, hatte die Stadt 9,5 Millionen Euro in drei Tranchen überwiesen. Eine vierte Tranche von 10,2 Millionen Euro soll auf Beschluss des Rates aktuell folgen. Gleichzeitig ist es der Halle gelungen, rund 7,1 Millionen Euro aus Töpfen der November- und Dezemberhilfe zu fischen.

Zu einer Prognose, wie hoch das neue Minus Ende 2021 ausfallen wird, mochte sich Hauptgeschäftsführerin Loos noch nicht hinreißen lassen. Auf die Aus- und Umbauvorhaben werde das keinen Einfluss haben, sagt Stadtkämmerer Jörg Stüdemann auf Anfrage. Aktuell wird der Bau der Hallen 9 und 10 geplant. Die Kosten von zuletzt genannten 87,1 Millionen Euro trägt die Stadt.

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Freier Mitarbeiter
Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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