Westphal (SPD) siegt in der Stichwahl – und stimmt versöhnliche Töne an

rnOB-Stichwahl

Thomas Westphal ist der neue Dortmunder Oberbürgermeister. Er siegte bei der Stichwahl um das OB-Amt am Sonntag mit 52 zu 48 Prozent gegen CDU-Kandidat Dr. Andreas Hollstein.

Dortmund

, 27.09.2020, 22:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Wahlsieger ließ sich Zeit. Erst als um 19 Uhr fast alle Stimmbezirke ausgezählt waren, kam Thomas Westphal zu „seiner“ SPD in den Saal Westfalia im Rathaus, wo er mit „Thomas, Thomas“-Sprechchören empfangen wurde.

Der Sieg in der Stichwahl um das Oberbürgermeister-Amt fiel bei leicht gestiegener Wahlbeteiligung (32,6 Prozent) zwar knapp, aber am Ende eindeutig aus.

Westphal gewinnt mit vier Prozentpunkten Unterschied

Thomas Westphal holte mit 75.755 Stimmen fast genau so viele wie im ersten Wahlgang vor zwei Wochen (75.565), sein Konkurrent Dr. Andreas Hollstein mit 70.005 Stimmen sogar deutlich mehr als am 13. September, als er auf 54.505 Stimmen kam. In Prozent lag Westphal mit 52 zu 48 Prozent vorn.

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Es war eine Nervensache, als die ersten Wahlbezirke ausgezählt wurden und Hollstein rund zehn Prozentpunkte hinter Westphal lag. Im Hintergrund lief im Saal der CDU beruhigende Fahrstuhlmusik, während die Spannung mit der fortschreitenden Auszählung der Wahlbezirke stieg und der Vorsprung des SPD-Konkurrenten am Ende auf vier Prozent zusammenschmolz.

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Wahlsieger Westphal brauchte einen Moment, um das Ergebnis zu verarbeiten. Und um sich auch ganz sicher sein zu können, dass es auch wirklich dabei bleibt. „Das ist ein Ergebnis, über das wir uns alle riesig freuen“, verkündete Westphal unter dem Jubel der SPD-Anhänger, denen er für einen „riesigen und beherzten Wahlkampf“ dankte. Westphal gönnte sich eine Siegerfaust - verzichtete aber auf große Worte der Genugtuung.

Die Siegerfaust des neuen Oberbürgermeisters. Eine Stunde nach Schließung der Wahllokale konnte im SPD-Saal gejubelt werden.

Die Siegerfaust des neuen Oberbürgermeisters. Eine Stunde nach Schließung der Wahllokale konnte im SPD-Saal gejubelt werden. © Stephan Schütze

Nachdem der Wahlkampf in den Tagen vor der Stichwahl vor allem nach der Grünen-Wahlempfehlung für CDU-Mann Andreas Hollstein noch einmal an Fahrt aufgenommen hatte, waren am Sonntagabend wieder versöhnliche Töne zu hören.

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Man werde nun Gespräche mit den anderen Parteien führen, kündigte Westphal an, der das OB-Amt offiziell zum 1. November von Amtsvorgänger Ullrich Sierau übernimmt. „Wir wollen eine stabile Mehrheit für diese Stadt organisieren.“

Hollstein dankt der CDU und den Grünen

Schon bevor bei der SPD gejubelt wurde und das Endergebnis noch nicht ausgezählt war, räumte Andreas Hollstein im Saal der CDU seine Niederlage ein. „Die Stadt und ihre Bürger haben sich für das Weiter-so entschieden“, sagte er, „jetzt geht es weiter so.“

Die Enttäschung war spürbar: CDU-Kandidat Andreas Hollstein am Wahlabend im Rathaus.

Die Enttäschung war spürbar: CDU-Kandidat Andreas Hollstein am Wahlabend im Rathaus. © Stephan Schtze

Er dankte der CDU und den Grünen. „Ich hätte die Zukunft der Stadt gern mitgestaltet“, sagte Hollstein, „wir hätten das auch gemeinsam hingekriegt.“ Er hoffe „zutiefst, dass CDU und Grüne zusammen weitermachen“ und die Projektpartnerschaft nach seiner Wahlniederlage nicht zusammenbreche.

Demonstrative Nähe zwischen CDU und Grünen am Wahlabend

Die Nähe, die sich zwischen der CDU und den Grünen in Dortmund entwickelt hat, war auch am Stichwahl-Abend spürbar. Bezeichnend war die Szene, als Andreas Hollstein zu den Grünen in den „Saal Hanse“ ging, nachdem die Niederlage feststand.

Erste Annäherung: Thomas Westphal mit der früheren Grünen-OB-Kandiddatin Daniela Schneckenburger.

Erste Annäherung: Thomas Westphal mit der früheren Grünen-OB-Kandiddatin Daniela Schneckenburger. © Stephan Schuetze

Dort bekundete man noch einmal die gegenseitige Wertschätzung, man applaudierte sich gegenseitig. Und ging dann in dem Wissen auseinander, dass es ab jetzt um konkrete Politik im Rat und in den Ausschüssen gehen wird und nicht um Interessensbekundungen im Wahlkampf.

Die relativ hohe Wahlbeteiligung sei gut für die Demokratie, stellte Andreas Hollstein fest. Thomas Westphal wünschte er bei einer kurzen Begegnung auf den Rathausflur „eine gute Hand und das Feingefühl, die Stadt zu führen im Sinne aller Bürgerinnen und Bürger - und Dortmund nur das Allerbeste“.

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