Nach 31 Jahren: Politik-Urgestein fällt der Abschied aus dem Rat schwer

rnFriedhelm Sohn

Viele Kindergärten gebaut und die Jugendfreizeitstätten erhalten - das gehört zu den positiven Erinnerungen aus Friedhelm Sohns 31-jähriger Zeit im Rat. Aber es gibt auch Negatives.

Wickede

, 13.11.2020, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach 31 Jahren für die SPD im Rat der Stadt Dortmund gehört auch der Wickeder Friedhelm Sohn (70) zu denjenigen, für die nun in der neuen Wahlperiode ein neuer Lebensabschnitt ohne politisches Mandat begonnen hat. Er war 26 Jahre lang Jugendhilfeausschuss-Vorsitzender. Wir sprachen mit ihm.

Hallo Herr Sohn, fällt Ihnen der Abschied schwer?

Um ehrlich zu sein: Ja, schon ein bisschen. Gestern musste ich meine Parkkarte, den Schlüssel für mein Schließfach im Rathaus und meinen Dienst-Laptop abgeben. Ich gehe vielleicht als Besucher zur konstituierenden Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 1. Dezember. Schließlich habe ich dazu ja noch eingeladen. Aber ich habe mir das ja selbst so ausgesucht. Ich finde es schlimm, wenn man selbst nicht aufhören kann, obwohl vielleicht alle anderen schon lange denken, dass es genug ist.

Sie sind ja bereits seit 1994 Jugendhilfeausschuss-Vorsitzender gewesen. Warum hat Sie gerade dieses Thema interessiert?

Ich bin ein Familienmensch, habe zwei Söhne und zwei Töchter. Da denke ich doch, dass ich mich mit den Themen des Ausschusses auskenne.

Welche besonderen Situationen fallen Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an Ihre lange Amtszeit denken?

Mir fallen zuerst zwei negative Sachen ein. Zum Beispiel haben wir mal beschlossen, Kinderspielplätze aufzugeben, die nicht mehr genutzt werden. Da gab es eine riesige Protestwelle aus der Bevölkerung, obwohl sich auf den Spielgeräten teilweise schon Grünspan gebildet hatte. Die Leute haben mich beschimpft. Eine ähnliche Protestwelle gab‘s nach dem Beschluss, die Horte zugunsten der Ganztagsschulen zu schließen. Eltern und Lehrer waren sauer, obwohl der Offene Ganztag gegenüber den Horten doch den Vorteil hat, dass er sich im selben Gebäude befindet wie die Schule, die die Kinder besuchen. Die lästige Fahrerei entfällt also.

Gab‘s auch was Positives?

Natürlich. Wir haben in meiner Amtszeit viele neue Kindergärten gebaut. Und ich bin auch stolz darauf, dass es uns gelungen ist, die Jugendfreizeitstätten zu erhalten, obwohl es auch Stimmen gab, die meinten, dort kümmern sich zwei Erzieher um drei Kinder. Das stimmt aber nicht. Die Einrichtungen werden gut besucht. Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche außerhalb des Elternhauses eine Anlaufstelle haben.

Die Jugendfreizeitstätten - hier ein Archivfoto von einer Hip-Hop-Nacht in der Scharnhorster Einrichtung „Zentrum“ - bieten eine wichtige Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, meint Friedhelm Sohn

Die Jugendfreizeitstätten - hier ein Archivfoto von einer Hip-Hop-Nacht in der Scharnhorster Einrichtung „Zentrum“ - bieten eine wichtige Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, meint Friedhelm Sohn. © Archiv

Welche Themen werden für Ihre Nachfolger in der Kinder- und Jugendpolitik wichtig?

Zum Beispiel die Schulung der Medienkompetenz. Auch politische Bildung und Erinnerungsarbeit finde ich wichtig. Die Jugendforen, in denen es um Mitbestimmung bei politischen Entscheidungsprozessen geht, laufen noch nicht in allen Stadtbezirken gut. Auch in meinem Stadtbezirk Brackel zum Beispiel nicht.

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Wie geht‘s jetzt für Sie weiter? Nur noch Sofa und Fernsehen?

Ich habe hier eine ganz lange Liste mit Vereinen und Institutionen, in denen ich mitmache. Das fängt zum Beispiel mit dem Hoesch-Museum an. Da bin ich im Vorstand und habe die Mitgliedsnummer 1. Ich habe ja selbst viele Jahre bei Hoesch gearbeitet, zum Beispiel als Konstrukteur und in der Personalabteilung.

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Wie geht Ihre Liste weiter?

Ich bin im ZWAR-Vorstand (Zwischen Arbeit und Ruhestand), und ich mache in der AG 60+ in unserem SPD-Ortsverein weiter. Da haben wir manchmal 40 bis 50 Gäste - zum Beispiel einmal bei einem Vortrag, in dem es um die Frage ging, warum man als Rentner Steuern zahlen muss. Ich bin Zuchtgutachter für die Hunderassen Pinscher, Schnauzer und Continental Bulldogs. Ich bin Vorsitzender der Kinderferienparty und mache beim Fan-Projekt mit. Und ich bin im Karneval dabei. Mein Vorgänger im Rat, Willi Spänhoff, meinte damals: „Das musst du machen, wenn Du dabei sein willst.“ Also bin ich hingegangen und habe festgestellt, dass da ganz normale Menschen sind. Also bin ich geblieben. Mittlerweile bin ich sogar Ehrensenator des Festausschusses des Dortmunder Karneval, somit aller Karnevalisten in Dortmund.

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