Wie alt ist Deusen? Warum ein großes Jubiläum beinahe vergessen wurde

rnDeusener Geschichte

Heimatforscher Paul Koslowski fand 1993 die älteste Urkunde, in der Deusen erwähnt wird. Die Auswertung hat jetzt überraschende Folgen.

Deusen

, 19.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Das Jahr 1220 hat es nicht mit allzu großen historischen Ereignissen in die Geschichtsbücher geschafft. Am 22. November wird Friedrich II. zum Kaiser gekrönt, Dschingis Khan gründet seine Reichs-Hauptstadt Karakorum in der heutigen Mongolei und Franz von Assisi tritt von der Leitung seines Ordens zurück.

Ach ja, und der Graf von Isenberg-Altena listet in seiner Voigtei-Rolle die Ober- und Unterhöfe in 600 Örtchen auf, auf die er Anspruch erhebt. In dieser Liste, die Paul Koslowski im fürstlichen Archiv zu Rheda-Wiedenbrück entdeckte, taucht auch Deusen auf. Es ist die älteste bislang bekannte Urkunde, in der Deusen erwähnt wird und das Jahr 1220 gilt nun als Berechnungsgrundlage für das Alter Deusens.

Erster Bericht im „Deusener Boten“

Erstmals berichteten Andreas Müller und seine ebenfalls historisch interessierte Schwester und SPD-Ratsfrau Susanne Meyer im Jahr 1997 in ihrem „Deusener Boten“ über diese Entdeckung. Damals wurde Deusen 777 Jahre alt und die Chronik im Zeitungsformat fand unter Deusenern riesigen Absatz - und geriet in Vergessenheit. Erst jetzt erinnerte sich Susanne Meyer wieder an die Geschichte, denn das Jahr 2020 steht vor der Tür. Deusen wird 800 Jahre alt. Aktuell gibt es offenbar aber überhaupt noch keinen Plan, wie, wo und ob dieses Jubiläum gefeiert werden soll.

Deusen war offenbar eine kleine Bauernschaft, die auf den fruchtbaren Ländereien an der Emscher ihre Felder bestellte. Der Unterhof „Dusene“ gehörte demnach mit den benachbarten Bauernschaften, wie Ellinghausen und Holthausen zum Oberhof Evenecke, dem heutigen Hof Schulte-Göcking in Eving, heißt es in dem Bericht.

Gekauft, vererbt, geliehen

Ortsgeschichte ist in dieser Zeit adelige Familiengeschichte und damit eine Geschichte voller Erbschaften und Verkäufe. Man nimmt an, dass Gyselbert durch Einheirat auch das Haus Bodelschwingh erwarb. 1311 teilt Gyselbert sein Erbe unter seiner Frau Jutta, seinen vier Söhnen und vier Töchtern auf.

Noch ein Anwesen gab es in Deusen, das Mitte des 14. Jahrhunderts dem Ritter Hermann Pentlink gehörte. 1351 verkaufte der Ritter „dat gut do Dosen“ an Friedrich von Lindenhorst, einem Bruder des Grafen Konrad V. Zu Deusen lag auch der Dosinghhof („manus thoe Dosingh“) den in demselben Jahr Roytzeyr Hivinchus an den Dortmunder Rat zu „ewigem Besitze aufließ“.

Nach Gehör geschrieben

Weitere Namen tauchen im Dortmunder Urkundenbuch als Deusener auf. 1371 tätigt der Neubürger Hilbrant van Dosene seine Geschäfte. Ein Jahr später kommen mit Hinricus de Dozene und Johannes de Dozene weitere Einwohner nach Deusen. 1381 zieht Hannes vanme Düzene van Welynchoven (wohl aus Wellinghofen) in den Ort und 1384 wird ein Wilhelmus Bultynog, de Dozene

genannt.

Dosene, Düsene, Dusene, Dosen, Dusen, Düzene, Düzere, Doyzen, Doosene Deuwsen, Doysen, Doessen, Doesen: Mehr als ein Dutzend Schreibweisen gab es in den vergangenen Jahrhunderten für das heutige Deusen. Das lag laut Andreas Müller daran, dass die meisten Menschen, die damals lesen und schreiben

konnten, nach Gehör schrieben.

Das Schilf an der Emscher

Deshalb lässt die Ortsbezeichnung Deusen gleich mehrere Deutungen zu, über die sich schon etliche Experten den Kopf zerbrochen haben. Der Holthauser Heimatforscher Paul Koslowski meint, Deusen könnte nach den Binsen, dem Schilf benannt sein, das das Landschaftsbild in der Flussniederung an der Emscher beherrschte.

In dieser Gegend soll es auch einen Burgfried gegeben haben, eine kleine Wasserburg. Die Heimatforscher vermuten den Standort an der Stelle einer deutlichen Erhebung in den Feldern westlich der Deusener Straße. Dort findet man noch einen schmalen Graben. Der könnte ein versandeter ehemaliger Emscherlauf gewesen sein. Kaum sichtbare Reste einer turbulenten Geschichte.

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