Wie aus einem Keimling eine schöne Geschichte für Vater und Sohn wurde

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In dieser Geschichte geht es nicht um den BVB und nicht um Kriminalität. Es geht um einen Vater und seinen Sohn, um einen Spaziergang und um das, was gut 50 Jahre später daraus geworden ist.

Loh

, 08.08.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Norbert Obst (79) lebt so, wie er es sich als Schüler erträumt hatte. Beim Blick aus dem Fenster seines Hauses schaut er in die Natur, ins Grüne. Der Diplom-Bauingenieur wohnt seit 1973 mit seiner Frau in einem Haus in Loh, seine Kinder sind hier groß geworden. Sein ältester Sohn ist zwar schon lange ausgezogen, und doch ist jeden Tag ein Teil von ihm da, weil er Anfang der 70er-Jahre mal mit seinem Vater spazieren gegangen ist.

Auch die Enkelkinder wissen, wo der Baum herkommt

Seine Enkelkinder kennen die Geschichte, auch der Sohn freue sich immer noch, wenn er im Garten auf sein Werk schaut, sagt Norbert Obst. Dieses Werk ist gut 24 Meter hoch, hat einen Durchmesser von 22 Metern – und ist ein Eichenbaum.

Wie aus einem Keimling eine schöne Geschichte für Vater und Sohn wurde

24 Meter hoch und 20 Meter im Durchmesser hat der Eichenbaum im Garten. © Michael Nickel

Knapp 50 Jahre ist es her als Norbert Obst und sein Sohn den Baum pflanzten. Damals lebte die Familie Obst zwar noch in Wichlinghofen, hatte aber schon das Grundstück in Loh gekauft und baute dort das Haus, in dem sie noch heute lebt. Der zweite Sohn war schon unterwegs, Obsts Frau war am Wochenende arbeiten, also ging Norbert Obst mit seinem Nachwuchs in der Bittermark spazieren. In der Nähe des Waldhausweges hatte der Junge etwas gesehen.

Keine besondere Pflege, sondern einfach wachsen lassen

„Mitten im trockenen Laub hat er grüne Triebe gefunden“, sagt Norbert Obst. Es war eine Eichel, die Frucht der Eiche, die schon gekeimt war. „Er hat gefragt, was das ist und ob wir das bei uns auf dem Grundstück einpflanzen könnten. Ich sagte: Klar, warum nicht?“

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Also hat der Junge, damals 3 oder 4 Jahre alt, den Boden gelockert, die Eichel eingesetzt und danach nichts Außergewöhnliches mehr gemacht. „Wie haben sie einfach wachsen lassen, es gab keine besondere Pflege“, sagt Norbert Obst.

Wie aus einem Keimling eine schöne Geschichte für Vater und Sohn wurde

Im Garten von Norbert Obst haben es sich bis vor wenigen Jahren auch Tiere aus dem benachbarten Lohwald gemütlich gemacht. Dieses Reh zum Beispiel. © Michael Nickel

Seit 1973 steht das Haus der Familie Obst, die Eiche wächst also ungefähr seit 46 Jahren und ist mehr als einfach nur ein Baum. Sie ist lebendes Zeugnis dafür, dass man einfach mal machen kann und dann was Schönes daraus wird, dass aus etwas Kleinem etwas so Gewaltiges werden kann, dass es auch einfach schöne Geschichten gibt, die während eines Herbstspaziergangs entstehen und ein halbes Jahrhundert später noch präsent sind.

Ein Zuhause für Vögel und andere Tiere

In den vergangenen Jahren haben Stürme den einen oder anderen Baum im Garten umgeknickt, entwurzelt und zerstört. Die Eiche aber hat es geschafft. Heute ist sie Zuhause für zahlreiche Vögel. „Es sind viele Nester drin, früh morgens um 4.30 Uhr geht das Gezwitscher los“, sagt Norbert Obst.

Wie aus einem Keimling eine schöne Geschichte für Vater und Sohn wurde

Auch dieser Fuchs hat mal vorbeigeschaut. © Michael Nickel

Die Eichenprozessionsspinner haben den Baum in diesem Sommer in Ruhe gelassen. Bevor Ende 2017 Arbeiten am benachbarten Lohwald gelaufen waren, besuchten Rehe und Füchse den Garten. Ein Anblick, wie man sich ihn nur eträumen kann.

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