Ab 2021 wollen die Dortmunder Stadtwerke ihre neuen Stadtbahnwagen auf die Gleise setzen. Doch die B1-Haltestellen der U47 können dann nicht angefahren werden. Ein Planungsfehler.

Dortmund

, 07.07.2018, 17:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Thomas Pisula (CDU), Vorsitzender im Verkehrs- und Bauauschuss des Rates, schüttelt nur noch den Kopf. „So hatten wir uns das nicht vorgestellt.“ Grund für die Verstimmung: Die Dortmunder Stadtwerke (DSW21) sind im Begriff, ihre 74 Wagen große Stadtbahnflotte zu erneuern. 24 Wagen werden komplett neu gekauft. Weitere 64 ältere Bahnen werden runderneuert und auf denselben Standard wie die Neufahrzeuge gebracht. Die neuen Wagen sollen ab 2021 ausgeliefert und dann peu à peu und einigermaßen zeitgleich auf allen Linien in Dortmund eingesetzt werden. Doch der Plan geht nicht auf: Der Stadtbezirk Aplerbeck wird nach aktuellem Stand der Dinge als einziger Stadtbezirk für längere Zeit außen vor bleiben.

Ärger über Zeitplan

Die neuen Fahrzeuge können die fünf B1-Haltestellen Kohlgartenstraße, Voßkuhle, Lübekstraße sowie Max-Eyth-Straße und Stadtkrone Ost erst nach dem barrierefreien Umbau der Haltepunkte anfahren. Und der wird noch Jahre auf sich warten lassen. Intern geht man bei DSW21 davon aus, dass die Neufahrzeuge die Haltestellen „wohl nicht vor 2025“ ansteuern können. Genau das wollen die Stadtwerke verhindern.

Offiziell mag sich Verkehrsvorstand Hubert Jung noch nicht äußern. Doch der Ärger über den Zeitplan aus dem städtischen Tiefbauamt ist groß. So groß, dass er kommende Woche Thema im DSW21-Aufsichtsrat wird. Tatsächlich möchte man sich im Tiefbauamt aktuell nicht auf einen Zeitpunkt für den Baubeginn festlegen – erst recht nicht auf ein Datum für die Inbetriebnahme der neuen Haltestellen.

Frühestens 2024

Eine „belastbare Aussage“ dazu sei aus heutiger Sicht nicht möglich, heißt es auf Anfrage. Nur so viel: 2021 will man das notwendige Planfeststellungsverfahren auf den Weg bringen. Und das, so die städtischen Tiefbauer, könne „in einem sehr günstigen Fall“ knapp drei Jahre dauern. Heißt: Der Umbau startet frühestens 2024. „Das geht nicht“, sagt Pisula.

Der Planungsbeschluss sei bereits im September 2016 gefasst worden. Im Juli 2017 habe die Politik dann entschieden, die betroffenen Bürger im Form eines Dialogverfahrens zu beteiligen. Das ist erst vor Kurzem offiziell gestartet: im Juni 2018. „Das darf aber nicht zu einer Verzögerung von vier Jahren führen“, sagt Pisula. Die Politik habe damals alle Voraussetzungen geschaffen, damit die Bahnsteige pünktlich zum Eintreffen der neuen Fahrzeuge fertig seien.

„Kein Provisorium“

Das Problem: Die neuen, komfortableren Stadtbahnwagen können die B1-Haltestellen nur anfahren, wenn die Bahnsteige von derzeit 38 Zentimeter auf 94 Zentimeter angehoben sind. Sie sollen künftig barrierefrei sein. Erst dann können sie auch von Eltern mit Kinderwagen oder etwa von gehbehinderten Menschen ohne Probleme genutzt werden. Mit den alten, derzeit verkehrenden Hochflurbahnen ist das nur schwer möglich.

Hinzu kommt: Die am Dialog beteiligten beiden Bürgerinitiativen haben sehr unterschiedliche Vorstellungen: Wie werden die Zuwege gestaltet? Mithilfe von Brücken, die über die B1 führen? Oder doch besser mit Fußgängerampeln? Vor allem: Wie viele Bäume sollen für den künftigen Gleisverlauf geopfert werden? Die Antworten darauf bilden erst einmal die Grundlage für die weiteren Planungen und sollen frühestens Ende des laufenden Jahres vorliegen.

Ersten Gedankenspielen, die Bahnsteige auf unbestimmte Zeit provisorisch herzurichten, erteilen die Verkehrsbetriebe eine klare Absage. Ein Provisorium sei keine Alternative, heißt es. „Der Zeitplan muss gestrafft werden“, fordert DSW21.

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