Wie ein Dortmunder mit Fischen Gemüse züchtet - und umgekehrt

Aquaponik im Unionviertel

Fisch, nicht Fleisch. Und Gemüse. Das ist die Welt von Axel Störzner. Sein Geschäftsmodell: Fische düngen Pflanzen, die wiederum das Wasser der Fische filtern. Es ist ein altes Prinzip. Doch in Zeiten, in denen regionale Selbstversorgung en vogue ist, will Störzner ihm zu neuem Glanz verhelfen. Und natürlich Geld verdienen.

DORTMUND

, 01.10.2015, 01:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wie ein Dortmunder mit Fischen Gemüse züchtet - und umgekehrt

Nur für das Foto kamen die beiden Schleien kurz in dieses Schaubecken. Ihnen geht es gut ? wie den Tomaten.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur so genannten Aquaponik:

Um was geht es?

Um Fisch und Gemüse. Die beiden Systeme Aquakultur (Fischzucht) und die Hydrokultur (Pflanzenzucht) werden dabei verbunden. Der Nährstoffüberschuss, salopp formuliert die Fischkacke, düngt die Pflanzen. Das gefilterte Wasser wird dann den Fischen wieder zugeführt. Es ist ein geschlossenes System und damit wenig anfällig für Schadstoffe von außen.

Und das ist nicht neu?

Nein. Beziehungsweise jein. Das Prinzip ist kein neues, schon die Khmer in Kambodscha haben Karpfen in ihre Reisfelder gesetzt, um so den Reis zu düngen. Als geschlossenen Kreislauf in einem Gewächshaus kennt man es aber erst seit einigen Jahren.

Welche Fische und welches Gemüse passen zusammen?

Das ist unterschiedlich, letztlich müssen PH-Werte zusammenpassen. In den im Moment laufenden Systemen düngen Schleien Tomaten, Zucchini und diverse Kartenkräuter. Laut Störzner gäbe es rund 400 Pflanzensorten, die so ernährt werden können. Weitere Fischsorten sind Welse oder Karpfen.

Was ist der Vorteil dieser Art der Nahrungsmittelgewinnung?

Neben dem geschlossenem Kreislaufsystem gibt es Dinge, die auf der Hand liegen: Da ist einerseits die Überfischung der Meere, die so abgemildert werden könnte. Andererseits ist das System ziemlich effizient. So müssen in der Rindfleischproduktion acht Kilogramm Futter für ein Kilo Rind eingesetzt werden. Laut Störzner ergibt ein Kilo Futter (hier getrocknete Soldatenfliegenlarven) ein Kilo Fisch.

Was kostet eine solche Anlage?

Unterschiedlich: Preislich geht es bei 1500 Euro los, sagt Störzner, aber ein vernünftiges Modell mit Gewächshaus und allem drum und drin liegt bei rund 5000 Euro.

Wie viel Platz braucht man für so eine Anlage und was bringt sie ein?

Kommt darauf an. Mit einem Fischbecken von einem Kubikmeter Größe kann man 10 Quadratmeter Pflanzfläche düngen. Wie viel Fisch eine solche Anlage produziere, darauf will sich Störzner nicht festlegen lassen, das hänge neben der Fischart auch von der Erfahrung des Betreibers ab. Systemabhängig sei der Ertrag, der Hobbygedanke stehe noch im Vordergrund. „Und darum, Fisch und Gemüse selbst zu produzieren.“

Was ist sonst noch interessant?

Wenn Störzner von seiner Arbeit erzählt, werden ihm immer zwei Fragen gestellt. Schmecken die Tomaten nach Fisch? Und: Wie geht es den Fischen? Die erste Frage lässt sich klar mit "Nein" beantworten. Die Tomaten schmecken nach Tomaten. Die zweite Frage ist schwierig, Fische sagen ja für gewöhnlich nichts. Störzner hingegen sagt: Wenn es den Fischen schlecht gehe, würden sie Stresshormone abgeben, die könne man wiederum im Wasser nachweisen. Ihnen ginge es gut.

Wo kann man sich weiter informieren?

Auf der Firmenhomepage. Und, nicht nur, aber auch bei einem Symposium, das am 1. Oktober im Saal des Zentrums für Gehörlosenkultur e.V. Dortmund auf dem Gelände des Union-Gewerbehofes, Huckarder Straße 2-8, stattfindet. Beginn ist um 9.30 Uhr, der Eintritt ist frei. Der etwas sperrige Titel der Veranstaltung lautet „Urbane Landwirtschaft – Innovationspotentiale und Zukunftsperspektiven in der Stadtentwicklung“.

Darin soll es um den aktuellen Stand der Dinge im „Urban Gardening“ gehen, also um die Produktion von Lebensmitteln in Ballungsgebieten. Verschiedene Redner betrachten die unterschiedlichen Perspektiven dieser Lebensmittelgewinnung, so spricht etwa Dr. Lutz Kosack über die „essbare Stadt“, gemeint ist hier Andernach. Dort hatte der städtische Sachbearbeiter Kosack die Idee, statt Blumenrabatten auf den städtischen Flächen Gemüse und Obst anzupflanzen. Am Anfang hielt man das für einen Scherz, inzwischen verbreitet sich die Idee immer weiter.

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