Wie eine Dortmunder Firma Bello Saibu wohl das Leben rettete

Arbeitsvertrag statt Abschiebung

Die Geschichte von Bello Saibu hätte schlimmer kaum beginnen können. Nun endete sie vorläufig in Dortmund - mit einem glücklichen jungen Mann, der selbst keine Mühen ausließ, um seinem Glück auf die Sprünge zu helfen. Und einem Dortmunder Unternehmen, das dem jungen Nigerianer half.

DORTMUND

, 30.05.2017, 11:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wie eine Dortmunder Firma Bello Saibu wohl das Leben rettete

Auch Henrick Hoffmann von Green IT sieht in Bello Adamu Saibu eine Bereicherung für die IT-Spezialisten.

Bello musste aus Nigeria flüchten, weil er in seiner Heimat ums Leben gekommen wäre. Nun studiert er tatsächlich Mathematik an der TU Dortmund und ist Werkstudent beim Unternehmen Green IT.

Ursprünglich sollte der 20-Jährige abgeschoben werden, aber dank des Engagements von Wolfgang Euteneuer, dem Projekt-Leiter von „Angekommen in Deiner Stadt Dortmund“ (Adam’s Corner) wurde über den Petitionsausschuss Bellos Ausweisung verhindert. Jetzt hat der junge Nigerianer einen Duldungsstatus ohne Anspruch auf Sozialhilfe.

In der Kirche verbrannt

Rückblende: Bello Adamo Saibu, so sein vollständiger Name, reiste im Dezember 2013 als unbegleiteter Minderjähriger in die Bundesrepublik ein. Er musste um sein Leben fürchten wegen seiner christlichen Religionszugehörigkeit. Die Islamistengruppe Boko Haram hatte Mitglieder seiner Kirchengemeinde in der Kirche angegriffen und verbrannt. Nach seiner Flucht über Spanien erlernte Bello Saibu in Kürze die deutsche Sprache. Schon ein halbes Jahr später, im Sommer 2014, entschied die Stadt, ihn in die Oberstufe des Leibnitz-Gymnasiums einzustufen. Nach nur zwei Jahren erlangte Bello mit seinen deutschen Mitschülern die Allgemeine Hochschulreife, seit letztem Sommer studiert er Mathematik an der Technischen Universität Dortmund.

In seiner Freizeit ist der junge Mann aktives Mitglied beim VfL Schwerte und engagiert sich in einer christlichen Gemeinde in Dortmund. Wolfgang Euteneuer lernte den Flüchtling im Sommer 2016 im Fußballprojekt vom BVB und dem TSC Eintracht und darüber hinaus beim eigenen Projekt „Angekommen“ kennen. Euteneuer war beeindruckt vom Engagement des 20-Jährigen und nahm dankend dessen Angebot an, anderen Jugendlichen ehrenamtlich nachmittags Mathematikförderunterricht zu erteilen.

Arbeitsvertrag zwingend

Aber: Die Anerkennung als Asylbewerber wurde Bello am 23. August 2016 verweigert, trotz der Einmischung der Kanzlei Agusil-Kokoschka, die genug Argumente vortrug und Belege vorlegte, Nigeria nicht als sicheres Herkunftsland einzustufen. Als Bevollmächtigter von Bello Saibu konnte Wolfgang Euteneuer mit dem Projekt „Angekommen“ und der Kanzlei vor dem Petitionsausschuss Ende Februar doch noch erreichen, dass die Abschiebung nicht erfolgt.

Seit dem 1. Mai ist der 20-Jährige Werkstudent im Systemhaus Green IT. Sein Arbeitsvertrag war letztlich die Voraussetzung, um seine Abschiebung zu verhindern. „Für uns ist Integration keine lästige Pflicht. Sie ist eine Chance für den jungen Mathematikstudenten und für uns in Zeiten des Fachkräftemangels“, sagt Andreas Heiermann, Generalbevollmächtigter bei Green IT.

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