Wie eine Fototapete den Patienten im Klinikum helfen soll

Schmerzmanagement

Wolken im Aufwachraum des Klinikums: Seit dem Neubau ziert eine Fototapete die Decke. Der Blick auf die Wolken beweist: Die OP ist geglückt. Wir erklären, was hinter der ungewöhnlichen Dekoration steckt.

DORTMUND

, 28.03.2016, 15:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wie eine Fototapete den Patienten im Klinikum helfen soll

Das sieht man nach einer OP im Klinikum: Einen Streifen Himmel.

Seit dem Umbau vor drei Jahren ist die Fototapete mit flauschigen Wolken auf strahlend blauem Grund im zentralen Aufwachraum des Klinikums an der Beurhausstraße Teil des Schmerzmanagements. Die – wissenschaftlich belegte – Idee: Durch Ablenkung tritt der Schmerz in den Hintergrund.

Der Fachbegriff dafür: Gate-Control-Theorie. Jeder Reiz kann von einem anderen Reiz überdeckt werden. Der kann optisch sein, oder zum Beispiel akustisch. Wer möchte, bekommt im Aufwachraum Musik auf die Ohren. Patienten benötigen so unter Umständen weniger Schmerzmittel als sonst. "Wir wissen auf jeden Fall, dass es was bringt", sagt Klinikumsprecher Marc Raschke. Auch wenn der Erfolg nicht in Litern messbar sei.

Weniger Schmerz durch Ablenkung

Ausgedacht hat sich das Ganze Schmerzspezialist Stefan Heckner, Mitglied im siebenköpfigen Pain-Nurses-Team, einer Art „Anti-Schmerz-Einheit“. "Das kennt jeder von sich selbst: Nachts sind die Schmerzen oft größer als tagsüber, wenn wir abgelenkt sind", erklärt Heckner. Bei vielen Zahnärzten bringen bunte Blumen oder exotische Fische an der Decke den Patienten auf andere Gedanken. Das gelangweilte Starren an die weiße Decke gehört seit dem Umbau im Klinikum der Vergangenheit an.

Das richtige Motiv für den Aufwachraum zu finden, war dabei gar nicht so einfach. Zunächst musste die Tapete hygienische Standards einhalten, dann ging es an die Motiv-Auswahl. Erst hatte die Agentur einen Wasserlauf mit Steinen angeboten. "Aber das hätte gleich aus zwei Gründen negative Assoziationen wachrufen können", sagt Heckner. Alle Patienten haben unmittelbar nach der Operation Durst.  Darum die Wolken – sie sind unverfänglich. "Man kann sich Details angucken, aber auch im Ganzen verlieren", ergänzt Klinikumssprecher Marc Raschke. Mit etwas Glück liegt man sogar dort, wo ein Papierdrache im Wind segelt.

Positives Feedback

Die Fototapete ist über den insgesamt 24 Aufwachplätzen in Streifen an die Decke geklebt. Wer nicht hingucken mag, schaut einfach weg. "Wir bekommen ganz, ganz viel Feedback. Vor allem positives." Nur manchmal glaube ein Patient erschrocken, er sei im Himmel gelandet. Das käme aber nur sehr selten vor, weiß Sprecher Raschke. "Dann würde man auch eigentlich durch die Wolken auf die Erde runtergucken."

 

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