Wie gefährlich ist der Giftcocktail, der unter Derne liegt?

rnAltlasten-Problem

Seine industrielle Vergangenheit holt Derne ein, wenn es um schadstoffbelastete Flächen geht. Zwei von ihnen sollen zwangsversteigert werden. Möglicherweise ist dort Wohnbebauung geplant.

Derne

, 01.08.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer im Herzen Dernes investieren möchte, fasst möglicherweise ein heißes Eisen an. Denn so manch gefährlicher Stoff schlummert dort, wo einst die Zeche Gneisenau stand, und auf Nebenflächen im Boden. Deutlich wird dies aktuell anhand zweier Teilflächen, die auf Beschluss des Amtsgerichtes Dortmund im Dezember zwangsversteigert werden sollen.

Es handelt sich um ein brachliegendes Industriegelände mit Waldstücken an der Glückstraße 10 und ein stark verwildertes Grundstück, In der Kumke 17 a. Die aus 13 Grundstücken bestehende Fläche an der Glückstraße war früher mit einem Heizkraftwerk mit Nebenanlagen bebaut, das bis 2005 in Betrieb war und Wärme auf Grubengas-Basis lieferte. Die Gebäude wurden größtenteils abgerissen.

Die Liste reicht von Schwermetallen über PCB bis zu Arsen

Laut Exposé zum Wertermittlungs-Gutachten ist das Grundstück im Flächennutzungsplan als Grünfläche und teilweise Wohnbaufläche dargestellt. Ein Bodengutachten vom 23.2.2018 stellt fest, dass die Fläche mit Giftstoffen belastet ist: unter anderem mit Mineralölkohlenwasserstoffen, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, Schwermetallen, Arsen und polychlorierten Biphenylen (PCB). Das Grundwasser sei mit Kohlenwasserstoffen, Ammonium und Naphtalin belastet. Massiv seien die Verschmutzungen des Grundwassers nach Aussage früherer Gutachter nicht.

Was mit der Fläche geschehen soll, weiß die Stadt noch nicht. Es gebe keine vorgesehene Nutzung, heißt es auf Anfrage. Deshalb sind auch noch keine konkreten Untersuchungen des Bodens und des Grundwassers geplant. Denn die Analysen, die vorzunehmen wären, hängen laut Stadt von der Nutzung des Geländes ab.

Der Gutachter geht von einer Gefährdung des Grundwassers aus. Er schließt nicht aus, dass auch Verunreinigungen von außerhalb der Betriebsfläche des Heizkraftwerkes kommen. Wie belastet oder gefährdet ist das Grundwasser? Antworten darauf würden nur neue Untersuchungen geben.

Die Stadt kennt jedenfalls das Problem. Es sei bekannt, dass einige lokale Grundwasserbereiche in Derne aufgrund diverser industrieller und gewerblicher Nutzungen erhöhte Schadstoffgehalte aufweisen, heißt es in einer Stellungnahme der Verwaltung. Dazu zählten auch die Zeche und Kokerei Gneisenau sowie die nördlich des Kraftwerkstandortes gelegenen Klärteiche Gneisenau.

Wer trägt derzeit die Verantwortung für die Altlasten im Boden? Ist es noch der Bergbau, die Stadt oder der bisherige Eigentümer, die Elektrizitätsversorgung West? Verantwortlich für die Altlasten sei in erster Linie der Verursacher, antwortet die Stadt allgemein. Sei diesem eine Verantwortung nicht nachzuweisen oder existiere der Verursacher nicht mehr, sei rein rechtlich der Grundstückseigentümer als Inhaber der „tatsächlichen Gewalt“ für seine Fläche und die von ihr möglicherweise ausgehenden Gefahren verantwortlich.

Hauseigentümer übernimmt alle Rechten und Pflichten

Der Flächennutzungsplan beschreibt das Gebiet teilweise als Wohnbaufläche. Nach einem Hinweis im Gutachten kann der zukünftige Grundstückseigentümer als sogenannter „Zustandsstörer“ haftbar gemacht werden für Verunreinigungen, auch wenn er sie nicht selbst verursacht hat. Da stellt sich die Frage, ob dies auch für neue Hauseigentümer gelten würde. Hier stellt die Stadt klar: Sollte ein Erwerber die Fläche weiter entwickeln wollen, dann müsse er alle Voraussetzungen für eine planungs- und baurechtlich zulässige Nutzung schaffen. Dazu würden auch Untersuchungen und Sanierungen gehören, die wiederum von der Nutzung abhängen. Wenn ein neuer Eigentümer die Fläche dann nach einer Aufbereitung weiter verkaufe, übernehme der neue Erwerber oder Hauseigentümer alle Rechte und Pflichten, unter Umständen auch die Pflichten eines „Zustandsstörers“. Doch seien im Rahmen des Kaufvertrages anderslautende privatrechtliche Regelungen möglich.

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