Wie giftig sind Dortmunds Kunstrasenplätze?

Fragen und Antworten

Die Meldungen ließen aufhorchen: In den Niederlanden wurden Kunstrasenplätze gesperrt, weil erhöhte Schadstoffwerte festgestellt wurden. Auch in Dortmund wurden daraufhin Kunstrasenplätze untersucht. Wir erklären, was dabei heraus kam.

Dortmund

, 15.03.2017, 02:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wie giftig sind Dortmunds Kunstrasenplätze?

Die Stadt hat einige ihrer Kunstrasenplätze auf die PAK-Belastung testen lassen.

Wie kommen die Schadstoffe in Kunstrasen?

Kunstrasenplätze enthalten in ihrem mehrschichtigen Aufbau ein Gummigranulat. Das wird entweder aus Neugummi hergestellt oder aus Altreifen geschreddert. Das Recycling-Granulat wird hergestellt aus alten Autoreifen, die Weichmacher-Öle enthalten. Die Öle wiederum beinhalten sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), von denen einige im hohen Verdacht stehen, krebserregend zu sein.

Wie kommt man als Sportler auf Kunstrasen mit dem Granulat in Kontakt?

Untersuchungen in den USA haben gezeigt, dass Kunstrasenplätze nicht „abriebstabil“ sind und Sportler, besonders Jugendliche, den PAK im Abrieb durch Stäube und Hautkontakt ausgesetzt sind – so heißt es in einer Broschüre des Umweltbundesamtes zu PAK.

Welches Granulat gibt es auf Dortmunder Kunstrasenplätzen?

Beim Bau der 50 Kunstrasenplätze in Dortmund wurde sowohl Neugummi-Granulat als auch Recycling-Granulat verwendet. Bei den 26 Kunstrasenplätzen, die von der Stadt gebaut wurden, ist nur Neugummi-Granulat zum Einsatz gekommen. Beim Bau von Kunstrasenplätzen durch Vereine wurde diesen auferlegt, einen von der Stadt vorgeschriebenen Qualitätsstandard einzuhalten. Das heißt, dass benutztes Recycling-Granulat nach DIN zertifiziert und mit einem RAL-Gütesiegel versehen sein muss. Für PAK gibt es dabei allerdings keine Vorgaben.

Was hat die Untersuchung von Kunstrasenplätzen ergeben?

Es wurde stichprobenartig Granulat von 6 Plätzen untersucht – dabei waren 5 von Vereinen gebaute Plätze mit Recycling-Granulat und ein von der Stadt gebauter Platz mit Neugummi-Granulat.

Was ist auf Dortmunder Kunstrasenplätzen festgestellt worden?

Bei der städtischen Anlage „Hinter Holtein“ in Eichlinghofen mit Neugummi-Granulat sind die PAK-Werte unkritisch, ebenso auf dem vereinseigenen Sportplatz Gretelweg in Kemminghausen. Bei den Kunstrasenplätzen an der Berghofer Straße, Am Hombruchsfeld, an der Deusener Straße und an der Jasminstraße in Sölde liegen einige Werte über den Anforderungen der Reach-Verordnung, die das Prüflabor und das Umweltbundesamt für maßgeblich hält. Die Stadt sieht das anders: „Für die Beurteilung von Böden hinsichtlich ihres PAK-Gehaltes hält das Gesundheitsamt die Grenzwerte nach Bundesbodenschutz- und Altlastenverordnung für zutreffend“, teilt die Verwaltung dem Sportausschuss mit. Danach sind alle PAK-Werte im unkritischen Bereich. Die vom Prüflabor ermittelten Werte wurden nicht genannt – auch gegenüber den betroffenen Vereinen nicht. Man folge damit der Einschätzung des Gesundheitsamtes, erklärt die zuständige Dezernentin Birgit Zoener.

Welche Schlussfolgerung zieht die Stadt?

Sie empfiehlt allen Vereinen „im Sinne des vorbeugenden Gesundheitsschutzes“ bei Bau oder Erneuerung von Kunstrasenplätzen nur noch Neugummi-Granulat einzusetzen.

Wie gefährlich ist PAK auf Kunstrasenplätzen für die Gesundheit?

Eine unmittelbare Gesundheitsgefahr, da sind sich Stadt und Umweltbundesamt einig, besteht wohl nicht. Als wichtigste Quelle für die Belastung von Menschen mit PAK gelten Lebensmittel. „PAK kommen vor allem in Getreideerzeugnissen, geräuchertem und gegrilltem Fisch und Fleisch, pflanzlichen Ölen und Fetten sowie Tee und Kaffee vor. Die tägliche Aufnahmemenge von PAK wird daher zu einem hohen Anteil durch PAK aus Lebensmitteln bestimmt“, erklärt das Umweltbundesamt. Um die Belastung zu verringern, sollte man deshalb vor allem die PAK-Belastung durch Lebensmittel reduzieren. „Die Exposition gegenüber PAK aus Granulat auf Kunstrasenplätzen trägt dagegen nur im geringeren Maße zur täglichen Aufnahmemenge bei“, so die Experten. 

PAK – also polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe – sind in der Umwelt allgegenwärtig. Sie entstehen bei der unvollständigen Verbrennung von organischem Material wie Holz, Kohle und Öl und kommen so in Kunststoffen, aber auch in vielen Lebensmitteln vor. Enthalten sind sie auch in Recyclinggranulat aus Altreifen, die für den Bau von Kunstrasenplätzen verwendet werden.

 

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