Wie gut ist Dortmund auf eine zweite Corona-Welle vorbereitet?

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Experten fürchten in Deutschland eine zweite Corona-Welle. Auch in Dortmund steigen die Zahlen seit mehreren Wochen. Und die Stadt könnte ein spezielles Problem kriegen.

Dortmund

, 05.08.2020, 04:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Noch gibt es keine zweite Corona-Welle, aber es gibt Befürchtungen, dass diese kommen könnte. Ein Indiz dafür ist auch, dass in den vergangenen Tagen die Infektionszahlen der Coronafälle wieder gestiegen sind - auch in Dortmund. Außerdem gibt es vermehrt Bilder von Massenansammlungen aus ganz Deutschland, auch diese könnte es in Dortmund geben.

Doch wie stark wäre die Stadt von einer erneut starken Verbreitung betroffen? Wir haben mit verschiedenen Protagonisten gesprochen.

Ärzte sind optimistisch

Torsten Pollmann ist optimistisch, wenn es um die Bewältigung einer zweiten Corona-Welle geht. „Ich glaube, wir sind besser vorbereitet als auf die erste Welle. Jetzt haben wir etablierte Organisationsstrukturen“, sagt der Arzt aus dem Kreuzviertel. „Wir müssen das Rad nicht mehr neu erfinden.“

Verbesserungsbedarf sieht Pollmann vor allem in der Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern. „Die Informationskette sollte besser kommuniziert werden“, meint er.

Durch die Einrichtung von Video-Sprechstunden und den Rückgriff auf die nun etablierten Strukturen ist der Mediziner aber optimistisch: „Der Lerneffekt war da. Wir kriegen das hin, da bin ich zuversichtlich“, sagt Pollmann.

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„Ich warte noch auf die erste Welle“, sagt Carsten Grabowski, Arzt aus Eving. Bislang sei Dortmund glimpflich davon gekommen. „Daher sehe ich es gelassen“, so Grabowski.

Die Gefahr, dass es zu einem signifikanten Anstieg der Infektionszahlen kommt, sieht er aber. Zum einen werde die Situation erschwert, wenn im Herbst Influenza-Patienten hinzu kämen.

Gefahr nicht unterschätzen

Zum anderen nähmen viele Menschen die Krankheit auf die leichte Schulter. „Teilweise sehe ich hier Leute, die jeden Tag Party machen. Da ist ein Ausbruch vorprogrammiert“, sagt Grabowski.

Zudem neigten Patienten mit harmlosem Verlauf dazu, die Gefahr durch die Krankheit zu unterschätzen. „Die Aufgabe wird sein“, fasst Grabowski zusammen, „die Leute motiviert zu halten, vorsichtig zu bleiben“.

Klinikum Dortmund: „Es gibt höchstens eine zweite Hysteriewelle“

Marc Raschke, Sprecher des Klinikums Dortmund, stößt sich am Begriff „Zweite Welle“. Schließlich habe es in Dortmund gar keine erste Welle gegeben. „Wir haben das moderat gesehen. Es gibt höchstens eine zweite Hysteriewelle“, so Raschke.

Das Klinikum Dortmund sorgt sich um diejenigen, die wegen der Pandemie notwendige Behandlungen aufschieben.

Das Klinikum Dortmund sorgt sich um diejenigen, die wegen der Pandemie notwendige Behandlungen aufschieben. © Oliver Schaper (A)

Trotzdem sei das Klinikum auf das Ansteigen von Infektionen vorbereitet, so gut es eben gehe. Vorräte an Schutzmaterialien und Desinfektionsmitteln seien angelegt und die Besuchszeiten eingeschränkt worden. Zudem werde eine Abteilung für Corona-Patienten freigehalten und sei ein Krisenstab eingerichtet worden.

Verbesserungspotenzial sieht Raschke aber trotzdem. „Wer finanziert die Ausfälle? Was passiert mit Patienten, die auf Termine warten?“, fragt der Klinikumssprecher und betont: „Da sehe ich schon eher eine Welle auf uns zukommen.“

Kassenärztliche Vereinigung: „Schwierig, gesunde und kranke Patienten getrennt zu behandeln“

Genügend Schutzmaterial ist vorhanden, sagt der Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung, Doktor Prosper Rodewyk „Außerdem wissen wir, wie Infektionssprechstunden eingerichtet werden.“

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Gleichzeitig, und hier kann es problematisch werden, stoße diese Handhabung an Grenzen - insbesondere in Dortmund. „Teilweise haben wir Praxen, die im dritten Stock des Gebäudes sitzen. So etwas gibt es vor allem in Ballungsräumen“, berichtet Rodewyk, „da ist es schwierig, gesunde und kranke Patienten voneinander getrennt zu behandeln“.

Dass die Infektionszahlen auch weiter steigen, daran hegt Rodewyk nur wenig Zweifel: „Wenn ich mir anschaue, was an einigen Orten los ist, werden wir immer Infektionsherde haben.“

Trotzdem bleibt der Facharzt für Innere Medizin optimistisch: „Ich glaube, dass wir das hinkriegen. Im Augenblick haben wir ausreichend Schutz für die Praxen.“

Apotheken sehen sich besser vorbereitet als im März

Die Apotheken sind besser vorbereitet als im März, meint Michael Mantell, Vorsitzender des Dortmunder Apothekervereins. „Wir haben alle viel aus der ersten Phase gelernt und ich glaube, wir sind erheblich besser vorbereitet“, sagt der Inhaber der Stifts-Apotheke in Hörde. „Wir haben gezeigt, dass unser Hygienekonzept funktioniert hat und dass es schlüssig ist.“

Michael Mantell würde zur Not auch wieder selbst Desinfektionsmittel herstellen.

Michael Mantell würde zur Not auch wieder selbst Desinfektionsmittel herstellen. © Marius Paul (A)

Mantell sieht allerdings auch ein Manko. Der Handel mit Masken sei zu unübersichtlich. Infolgedessen habe es viele zweifelhafte Anbieter gegeben. Dort müsse der Staat mit einer Zertifizierung eingreifen.

Insgesamt ist Mantell aber nicht bange, selbst wenn die Apotheken wieder in Eigenregie Desinfektionsmittel herstellen müssten. „Ich bin optimistisch, dass wir die Zukunft gut bewältigen können“, sagt Mantell.

Altenheime: Brauchen regelmäßige Corona-Tests für Pfleger

Die Dortmunder Altenheime sehen sich ebenfalls gewappnet. Schutzausrüstung sei ausreichend vorhanden, bestätigen sowohl die Städtischen Seniorenheime Dortmund (SHDO) als auch die Caritas Altenhilfe. Zudem sei auch das Personal für entsprechende Lagen geschult.

Die Caritas Altenhilfe sieht bei Coronatests Verbesserungsbedarf: Lehrer und Erzieher könnten sich regelmäßig und kostenlos testen lassen, Gleiches müsste auch für Pflegepersonal ermöglicht werden.

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Gesundheitsamt: Personelle Engpässe drohen

Das Gesundheitsamt der Stadt sieht sich im Falle stark steigender Infektionszahlen ebenfalls gut vorbereitet. Bereits im Mai betonte das Gesundheitsamt, jederzeit in der Lage zu sein, Behelfskrankenhäuser zu errichten, um die Behandlungskapazitäten in kurzer Zeit zu erhöhen.

Die aktuelle Sorge von Verbandsvertretern vor personellen Engpässen kann Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Renken aber durchaus nachvollziehen. Schon in der Vergangenheit habe man versucht, durch verwaltungsinterne Umbesetzungen und studentische Hilfskräfte das Personal aufzustocken. Etwa zwei Dutzend zusätzliche Kräfte seien nun im Einsatz.

Das sei vor allem nötig, um die Infektionsketten von Corona-Erkrankten nachvollziehen zu können, erklärt Renken. Knapp sei vor allem das Fachpersonal. Allein seit März hätte die Kernmannschaft des Gesundheitsamtes etwa 4000 Überstunden angesammelt, rechnet Renken vor.

Feuerwehr: Schlagkraft nicht gefährdet

Auch die Feuerwehr sieht ihre Schlagkraft durch eine zweite Welle nicht gefährdet. Sie sehe sich gut aufgestellt, heißt es auf Anfrage. Außerdem würden die getroffenen Maßnahmen „kontinuierlich geprüft und gegebenenfalls beleuchtet“, heißt es weiter.

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