Wahlhelfer und Wahlhelferinnen zählen in einem Wahllokal Stimmzettel für die Bundestagswahl. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Bundestagswahl

Wie gut war unsere Dortmunder Wahlkreis-Prognose?

In den Wochen vor der Bundestagswahl haben wir Prognosen veröffentlicht. In Dortmund hat das für Gesprächsstoff gesorgt. Wie nah waren wir dran und wie lassen sich Abweichungen erklären?

Vorab einzuschätzen, wie eine Wahl wohl ausgehen wird, ist eine komplexe Wissenschaft. Sie beruht oft auf Meinungsbildern und statistischen Verfahren. Auch wir haben in den Wochen vor der Bundestagswahl eine Prognose zum Ausgang in den beiden Dortmunder Wahlkreisen veröffentlicht. Mit dem Ergebnis der Wahl steht nun auch fest, wie gut diese wirklich war.

Die von uns verwendete Prognose von „election.de“ basierte auf regelmäßig aktualisierten Bundes- und Landesumfragen, die in einem statistischen Modell unter Berücksichtigung lokaler Besonderheiten verarbeitet wurden. Wie sich nun bestätigt hat, erlaubte diese mathematische Methode uns einen verlässlichen Blick auf den Wahlausgang.

Auch in Sondersituation gute Prognose

Um rund 1,5 Prozentpunkte wich unsere letzte Prognose vom 24. September vom tatsächlichen Ergebnis der Wahl am 26. September ab. „Das Ziel ist immer, dass wir in dem Toleranzbereich von 3,5 Prozentpunkten bleiben, den es bei Umfragen gibt“, erklärt Matthias Moehl von election.de. „Deswegen ist 1,5 eine doch erträgliche Abweichung aus meiner Sicht.“

Auch in Bezug auf die Sondersituation im Wahlkreis Dortmund I, wo der bisherige Träger des Direktmandats, Marco Bülow, für eine neue Partei erneut antrat, war unsere Prognose verlässlich. 8 Prozent der Erststimmen sollte Marco Bülow für „Die Partei“ laut unserer Prognose auf sich vereinen. Sein Ergebnis: 8,64 Prozent.

„Das zeigt, dass diese datengestützten Methoden durchaus gute Ergebnisse erzielen können“, sagt Matthias Moehl. „Das ist ja mitunter ein bisschen umstritten.“

Systematische Verschiebungen bei der SPD und den Grünen

Beim Abgleich unserer Prognose mit den Ergebnissen in den beiden Dortmunder Wahlkreisen zeigen sich allerdings auch zwei systematische Verschiebungen: Die SPD kommt in unserer Prognose durchweg etwas besser weg als auf den Stimmzetteln. Die Grünen wurden von unserer Prognose unterschätzt - in einem Fall sogar um vier Prozentpunkte. Die stärkste Abweichung überhaupt.

„Die Erststimmen der SPD waren etwas überraschend“, so Matthias Moehl. „Die sind traditionell immer deutlich höher gewesen.“ Das liege vermutlich daran, dass weniger Wählerinnen und Wähler Stimmen-Splitting betrieben hätten.

Bei den Grünen sei auffällig, dass sie dort, wo sie bereits stark waren, noch stärker geworden seien, erklärt Matthias Moehl. Umgekehrt seien sie dort, wo sie bei vergangenen Wahlen eher schwächer waren, noch schwächer geworden. Diese Zuspitzung könne die Abweichung zwischen Prognose und Ergebnis erklären.

Alle Dortmunder Bundestagsmandate korrekt prognostiziert

Welche Dortmunder und Dortmunderinnen in den Bundestag einziehen, das hat bereits unsere erste Prognose von Anfang September korrekt kommen sehen. Und auch bei der Rangfolge der Parteien lag unsere Prognose für Dortmund fast überall richtig.

Lediglich bei den Erststimmen im Wahlkreis Dortmund II hat unsere Prognose die FDP auf Platz vier gesehen - erreicht hat diesen die AfD. Die FDP ist statt - wie von uns prognostiziert - der AfD auf Platz fünf gelandet. Bei den Erststimmen beeinflusst jedoch ohnehin nur der erste Platz die Zusammensetzung des Parlaments.

In den kommenden Wochen wird wohl auch klarer werden, was die Parteien nun aus dem Wahlausgang machen: welche Koalitionen sich bilden und wer Kanzler werden wird. Ein mathematisches Modell für die entsprechenden Verhandlungen gibt es allerdings nicht.

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Redaktion Dortmund
Gut recherchierter Journalismus liegt mir am Herzen. Weil die Welt selten einfacher wird, wenn man sie einfacher darstellt. Um Zusammenhänge zu erklären, setze ich auf klaren Text und visuelles Erzählen – in Videos, Grafiken und was sonst dabei hilft.
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Bastian Pietsch