Tauben vergiften? Nein, pflegen! - Konzepte gegen die Taubenplage

rnKampagne #RespektTaube

Der Tierschutzbund wirbt bei der Kampagne #RespektTaube fürs „konfliktfreie Miteinander von Mensch und Taube“. In Körne gibt es ein vielversprechendes Projekt - und in der City Pläne.

Dortmund

, 14.06.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie sind aus den Innenstädten kaum wegzudenken, auch wenn viele Menschen sie lieber heute als morgen los wären: Tauben. Verschrien als „Ratten der Lüfte“ sorgt besonders der Kot der Tiere immer wieder für Ungemach.

Ansätze, um der Vielzahl von Tauben auch in Dortmund Herr zu werden, gibt es einige. Die Wirkungen sind allerdings umstritten. Vergrämung, also das Verjagen von Tauben etwa durch Spikes, Netze oder Drähte, verlagert das Problem lediglich, sagen Tierschützer.

Generelles Fütterungsverbot soll wirkungslos sein

Auch ein generelles Fütterungsverbot, das es in Dortmund laut Stadt seit 1983 gibt, helfe nicht, sondern verstärke nach Ansicht der Tierschützer das Leid der Tauben. Die konsequente Umsetzung eines Fütterungsverbots sei nur sinnvoll und tierschutzgerecht, wenn man Tauben an „Brennpunkten“ mit erhöhtem Taubenaufkommen kontrollierte Fütterungsplätze einrichte.

Effektiver sei, darauf weist der Deutsche Tierschutzbund mit der Kampagne #RespektTaube hin, ein „konfliktfreieres Miteinander von Mensch und Taube“ zu unterstützen. Etwa mit flächendeckendem Einsatz von Taubenhäusern.

Die Eier von nistenden Vögeln werden hier durch Gips oder Kunststoffattrappen ausgetauscht und die Vermehrung wird eingedämmt. „Das funktioniert gut“, sagt Katrin Müller vom Stadttaubenprojekt Dortmund Körne West dazu.

Hunderte Taubeneier gegen Attrappen getauscht

Zusammen mit drei weiteren ehrenamtlichen Mitstreiterinnen betreut Müller eine Taubenpopulation an einer S-Bahnunterführung in der Nähe der Haltestelle Körne West. In Absprache und mit Genehmigung von Stadt und Deutscher Bahn, wie sie erklärt. Seit 2016 hätten sie rund 350 bis 400 Taubeneier gegen Attrappen ausgetauscht.

Tauben vergiften? Nein, pflegen! - Konzepte gegen die Taubenplage

Mit Leitern klettern die ehrenamtlichen Tierschützerinnen unter einer S-Bahnbrücke in Dortmund Körne zu den Niststellen der Tauben. Sie entfernen Kot, liefern Futter und tauschen die Eier in den Nestern gegen Attrappen aus. © Stadttaubenprojekt Körne West

Mit Leitern klettern die Frauen etwa alle zwei Wochen (manchmal wöchentlich) zur Niststelle der Tauben. Eier austauschen, Futter verteilen, Kot und Müll entfernen.

Das bleibt nicht unbemerkt. „Wir erwecken großes Interesse. Mittlerweile gibt es überwiegend positive Reaktionen“, so Müller. Das war nicht immer so. Manche Menschen seien unbelehrbar, beschimpften die Frauen. „Wir sollten die Tauben doch besser vergiften und ähnliches.“

Förderung hilft, Spenden werden gebraucht

Dass das Stadttaubenprojekt aber funktioniert, haben mittlerweile auch Stadt und Politik erkannt. „Wir mussten lange dafür kämpfen, aber wir werden jetzt von der Bezirksvertretung gefördert“, sagt Müller.

Die Futterkosten, immerhin etwa 130 Euro pro Monat, seien so gedeckt. Weitere Kosten, etwa für die Versorgung verletzter Tiere, werden mit Spenden oder wenn nötig aus eigener Tasche bezahlt.

Modellprojekte könnten bald erweitert werden

Im nächsten Jahr, so hofft Müller, könnte die Stadt einen richtigen Taubenschlag in der Umgebung einrichten. „Die Gespräche dazu laufen.“ Die Arbeit würde so viel leichter für die Freiwilligen vom Stadttaubenprojekt.

Ein Modellprojekt, ein Taubenturm in Trägerschaft des Tierschutzvereins Groß-Dortmund mit 28 Nistplätzen, gibt es laut Stadtverwaltung im Stadtgarten. Eine Futterstelle, die ähnliche Funktionen erfüllt, soll am Stollenpark an der Bornstraße eingerichtet werden.

„Ohne Eigeninitiative geht es nicht.“

Der Deutsche Tierschutzbund verweist darauf, dass Städte wie Augsburg und Aachen durch gutes Taubenmanagement die Anzahl der Tauben in den vergangenen Jahren auf einem gesunden Level halten konnten.

„Auf der kommunalen Ebene öffnen sich jetzt immer mehr Politiker. Aber ohne Eigeninitiative geht es nicht“, sagt Katrin Müller.

Unterstützung

Taubenretter suchen helfende Hände und Spenden

  • Das Stadttaubenprojekt nimmt jede Hilfe gerne an.
  • Freiwillige Helfer können die Arbeit auf der Facebook-Seite der Gruppe kennenlernen. Auf Facebook gibt es eine entsprechende Informationen.
  • Katrin Müller und ihre Mitstreiter freuen sich immer auch über Spenden. Kontakt gibt es über die Facebook-Seite oder per Email.
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